Morde mit Ordnungszahl

Neuer Krimi von Petermann und Fischer: „Die Elemente des Todes“

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Die Autoren Claus Cornelius Fischer (links) und Axel Petermann haben am Donnerstagabend vor vollem Haus bei Thalia in Bremen ihren Krimi „Die Elemente des Todes“ vorgestellt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein atemberaubendes Selbstporträt des Daniel B.: „Ich bin kein Mörder. Ich kann Menschen verschwinden lassen. Ich betrete ihre Köpfe, und sie wollen nicht mehr leben.“ Claus Cornelius Fischer (67) liest mit ruhiger Stimme. Der Name im Buch ist geändert, die Inhalte sind wahr.

Geliefert hat sie der Mann neben Fischer: Axel Petermann (65), lange Jahre Fallanalytiker bei der Polizei Bremen. Beide stellten am Donnerstagabend in der Buchhandlung Thalia in der Obernstraße vor etwa 100 Zuhörern ihr Gemeinschaftswerk vor, den Kriminalroman „Die Elemente des Todes“. Er basiert auf wahren Fällen, eingebunden in einen erfundenen Handlungsrahmen. Einen Mord hat Petermann sich allerdings ausgedacht.

Petermann ist Berater des Bremer „Tatorts“, vier seiner Fälle wurden im Frankfurter „Tatort“ verwertet. Zudem hat er mehrere Sachbücher über seine Erfahrungen als Profiler geschrieben. Fischer ist ein erfahrener Krimiautor. Die Fälle des Kommissars Bruno van Leeuwen stammen aus seiner Feder. 

Für Romanfigur Daniel B. hat das Morden einiges mit Chemie zu tun. Er benennt seine Opfer nach Elementen. Nicole war zum Zeitpunkt ihres Todes 27 Jahre alt. Daniel B. nennt sie Kobalt. Das Element hat die Ordnungszahl 27 – Ordnung muss sein, auch wenn Daniel Phosphor lieber gewesen wäre. Der brennt gut, im Gegensatz zu Nicole.

Tod sachlich sehen

Daniel sieht den Tod seiner Opfer sachlich, genauer gesagt: chemisch. „Es gibt positive und negative Menschen.“ Negative Menschen seien Tote. „Ihr Vorzeichen hat sich geändert.“ Daniel hält sich für jemanden, der anderen zum Tod verhilft. „Menschen, die andere töten, versuchen für sich einen Grund zu finden. Dazu gehört, dass man versachlicht. Oft sprechen Täter schlecht über ihre Opfer“, erklärt Petermann.

Fischer liest mit ruhiger Stimme weiter, diesmal einen Abschnitt, in dem Daniel seine Erinnerungen an seinen ersten Mord beschreibt. Der Mörder blickt auf eine schwarze Wasseroberfläche, in der gerade die Leiche verschwand. „Ich habe entschieden, dass der Mann stirbt. Ich habe ihn verstanden, und er hat es gespürt.“ 

Er habe es in den Augen gesehen, obwohl es gedauert habe, bis das Opfer einverstanden gewesen sei. Als es sich noch einmal aufbäumte, drückte Daniel umso fester zu. Er habe sich ihm nahe gefühlt, seinem Knorpel, seinen gefesselten Händen. Ein beklemmendes Szenario! Im Publikum ist das eine oder andere Schlucken zu hören. Die Autoren lassen Daniel beschreiben, wie die Augen des Toten von innen beschlagen. Er habe sich nach der Tat „rein“ gefühlt.

„Das Böse liegt in der Tat“

Petermann hat seine Arbeitsjahre mit Hilfe einer Einsicht überstanden: „Das Böse liegt in der Tat. Der Mensch ist nicht per se böse“, sagt er. „Jeder kann töten, wenn die Umstände und die Parameter stimmen“, sagt Petermann. Das Böse und die Affinität für das, was hinter dem Verbrechen steht, habe ihn schon früh fasziniert. 

Die Faszination hat ausgereicht, dass Petermann nicht bloß 18 Monate als Ersatz für den Wehrdienst zu Polizei ging, sondern dort sein ganzes Berufsleben zubrachte. „Ich hatte Kontakt zu mehr als 1.000 Todesfällen. Das waren natürlich nicht alles Morde. Oft waren Menschen gestorben, und Ärzte hatten als Todesursache ,ungeklärt‘ angekreuzt“, berichtet Petermann.

Fischer sagt, dass die fertigen Figuren ihn weniger in seinen Träumen aufgesucht hätten als die fiktionalen, letztere verlangten gelegentlich Nachbesserungen. Beide haben sich Bremer Tatorte angeschaut. Ein weiteres Buch ist in Arbeit, erzählen die Autoren.

Zuhörer Frank Guhlke (53) aus Delmenhorst ist begeistert. „Ich habe Petermann schon vorher einmal gesehen. Eine tolle Idee, die Fälle in einen Roman zu stecken“, sagt er. Anja (43) aus Bremen ist mit der Lesung weniger zufrieden: „Ich hätte gern mehr über die Handlung erfahren. Das war eher eine Talkrunde.“

Info: Echte Fälle

„Die Elemente des Todes“ von Axel Petermann und Claus Cornelius Fischer ist im Knaur Taschenbuchverlag erschienen. Der True-Crime-Thriller geht auf echte Mordfälle zurück. Der Roman hat 496 Seiten. Preis: 14,99 Euro (E-Book 12,99 Euro). ISBN: 978-3-426-52313-1.

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