Mörderisches Monstrum

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So sollte die U-Boot-Produktion im Farger Bunker „Valentin“ aussehen. · Animation: Radio Bremen

Bremen - Von Jörg Esser. Er ist ein Betonkoloss. Ein grausames Monument. Ein Mahnmal der Zeitgeschichte. Der U-Boot-Bunker „Valentin“ in Farge im Bremer Norden, bei dessen Bau 1943 bis 1945 mindestens 1 700 Zwangsarbeiter zu Tode kamen, wirft immer noch Fragen auf.

Eine Radio-Bremen-Dokumentation schenkt dem mörderischen Monstrum neue Aufmerksamkeit und gewährt überraschende Einblicke. Zu sehen ist der 45-minütige Beitrag „Geheimnisvolle Orte: Hitlers U-Boot-Bunker“ am Montag, 10. Februar, um 23.40 Uhr in der ARD.

Die Autorin Susanne Brahms hat sich der sperrigen Materie auf mehreren Wegen genähert. Der Film taucht in die Geschichte des Bauwerks ein, zeigt Archivmaterial aus der Bauzeit, simuliert die geplante U-Boot-Produktion und trifft die letzten noch lebenden Zeitzeugen – französische Zwangsarbeiter und einen Deutschen, der als 17-jähriger Lehrling auf die U-Boot-Baustelle geschickt wurde. Zudem begleitet das Radio-Bremen-Team den Historiker Marcus Meyer und Jugendliche bei der Umgestaltung des Bunkers vom Materialdepot der Bundeswehr zum nationalen Gedenkort. „Die Schüler bringen etwas Leichtigkeit in die schwere Thematik“, sagt Brahms.

Der Bunker „Valentin“ war eines der größten Projekte der Kriegsmarine. Hitlers Rüstungsmanager planten hier eine Fließbandproduktion von U-Booten. Alle zwei Tage sollte ein „U-21“-Modell vom Band laufen. Ein gigantisches Projekt. Für den Bau des Bunkers wurden bis zu 12 000 Zwangsarbeiter eingesetzt – unter menschenunwürdigen Bedingungen. Der Bunker wurde nie komplett fertig, die U-Boot-Produktion kam nie ins Rollen. Eine britische Zehn-Tonnen-Bombe zerschlug im März 1945 das Dach des Bunkers. Kurz darauf wurden die Arbeiten eingestellt, die Zwangsarbeiter auf kilometerlange Todesmärsche geschickt.

Nach dem Krieg sollte der Bunker verschwinden. Die Amerikaner wollten den Koloss sprengen, Bremen wollte ihn mit Trümmern der Stadt zuschütten. Schließlich übernahm die Bundeswehr den unzerstörten Teil des Bunkers als Materialdepot. Doch das Bauwerk sollte aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt werden – es verschwand von allen Landkarten und wurde aus Luftfotos wegretuschiert. Erst Mitte der 80er Jahre wurde „Valentin“ wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, als ehemalige Zwangsarbeiter eine „Pilgerreise“ zum Ort des Schreckens machten, um ihrer toten Kameraden zu gedenken. Historiker gruben die Geschichte aus. 1999 machte Johann Kresniks Inszenierung „Die letzten Tage der Menschheit“ den Bunker zur Theaterbühne. Das sorgte für Schlagzeilen. Der graue Gigant wurde vom Rande der Stadt ins Mittelpunkt des kulturellen Schaffens transportiert. 2010 hat die Bundeswehr den Bunker verlassen. Eine Gedenkstätte wurde eröffnet. Bund und Land investieren in den nächsten fünf Jahren jeweils 1,9 Millionen Euro, um den Bunker zu einem „nationalen Denkort“ auszubauen.

U-Boot-Bunker „Valentin“ in Bremen

Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa
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Der U-Boot-Bunker „Valentin“ im Stadteil Farge von Bremen. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten bis 1945 täglich auf der Baustelle und schufen das 426 Meter lange, 97 Meter breite und 33 Meter hohe Gebäude. Am Sonntag (08.05.2011) soll das Relikt aus der Nazizeit zum Denkmal „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet werden. © dpa

Zu den bewegendsten Eindrücken der Dokumentation zählen die Erinnerungen eines ehemaligen französischen Zwangsarbeiters. Er erzählt davon, wie er und seine Kameraden vor lauter Hunger und Verzweiflung den Hund eines SS-Wachmanns töteten und verspeisten, wie er dann erwischt und bestraft wurde. Er wurde wie ein Tier angekettet und musste „den Hund machen“. Die Zwangsarbeit ist das Kernthema des Beitrags. „Doch auch technische Aspekte gehören zur Geschichte“, sagt Historiker Meyer.

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