Verschwunden: Das Katharinenkloster der Dominikaner / Ursprung der Staats- und Universitätsbibliothek

Von Mönchen, Büchern und Parkplätzen

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70er-Jahre-Architektur über historischen Gewölben, dazu die Passagendächer späterer Jahrzehnte: Blick auf den Standort des einstigen Katharinenklosters der Dominikanermönche.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Woher kommt der Name „Katharinen-Passage“? Warum heißt ein Parkhaus „Katharina“? Nun, es ist ein einst sakraler Ort, der heute ganz profan genutzt wird – sogar als Parkhaus eben, obwohl im Bremen der Gegenwart doch viel eher Fahrräder angebetet werden. Die Namen, sie gehen alle zurück auf das frühere St.-Katharinen-Kloster. Heute ist es Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Wo heute Platz ist für eine Einkaufspassage samt Gastronomie und Innenstadt-Parkhaus, da lebten in früheren Zeiten Mönche. Um 1225 waren die ersten Dominikaner nach Bremen gekommen. Und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteten sie ihr Katharinenkloster auf einem Grundstück zwischen Sögestraße und Schüsselkorb. Im Jahr 1285 wurde die Kirche des Klosters St. Katharinen geweiht.

„Die Kirche war zunächst eine dreischiffige Basilika ohne Turm und Querschiff, aber mit einem Dachreiter“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Und: „Unter Verwendung alter Bauteile entstand um 1400 eine Hallenkirche. Südlich von ihr lagen umfangreiche Klostergebäude.“

Anno 1528, die Reformation tobte auch in Bremen, wurde das Kloster geschlossen. Ende des 16. Jahrhunderts nutzten die Bremer die Kirchenräume als Zeughaus – sie lagerten hier Rüstungen und Waffen. So blieb es bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Danach wurde die Kirche zum Packhaus umfunktioniert. Und die Klosterräume? Nun, hier kommen wir in die Welt von Bildung und Büchern.

1528 richtete der Rat im früheren Kloster eine Lateinschule ein – auch das eine Folge der Reformation. Daraus entwickelte sich eine Akademie, das „Gymnasium Illustre“ – im Grunde universitätsähnlich, aber eben doch keine richtige Universität, weil das kaiserliche Privileg zur Verleihung akademischer Grade fehlte. Aber immerhin ja eine Hochschule mit den vier Fakultäten Philosophie, Jurisprudenz, Medizin und Theologie.

Bildung braucht Bücher. Das war dem Rat bewusst. Er beschloss, eine Reihe von Buchsammlungen, darunter auch seine eigene, zu einer großen Bibliothek zu vereinen. So entstand die „Bibliotheca Bremensis“ – und zwar am 7. November des Jahres 1660 im früheren Katharinenkloster. Die Bibliothek sollte dem „Gymnasium Illustre“ dienen. Mit der „Bibliotheca Bremensis“ – in ihr liegt der Ursprung der Staats- und Universitätsbibliothek von heute – verfügte Bremen über eine zeitgemäße, konfessionell und humanistisch geprägte Bibliothek.

Die Zeit des „Gymnasium Illustre“ endete allerdings im 19. Jahrhundert. Kirchen- und Klosterräume wurden umgebaut, teilweise abgerissen. Anno 1900 eröffnete Johann Focke (1848 bis 1922), der Vater des Hubschrauber-Erfinders Henrich Focke (1890 bis 1979), in Kreuzgang und Refektorium des früheren Katharinenklosters sein „Historisches Museum für bremische Altertümer“, wie es anfangs noch hieß. Die Keimzelle des Focke-Museums, das heute in Schwachhausen zu finden ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war vom Kloster fast nur noch das Refektorium übrig geblieben. Anfang der 70er Jahre integrierte der Bremer Architekt Carsten Schröck (1923 bis 1973) die Reste in einen Parkhaus-Neubau; Gastronomie kam in die gotischen Gewölbe. Die Passage folgte dann 1984.

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