Einbrüche auf See und in der Luft

Logistik in Bremen: Mit Toilettenpapier durch die Krise

Porsche-Fahrzeuge stehen vor ihrer Verladung auf Paletten im Hafen von Bremerhaven. Der Autoumschlag ging bereits vor der Corona-Krise zurück, in der Pandemie sank er nochmal drastisch.
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Porsche-Fahrzeuge stehen vor ihrer Verladung auf Paletten im Hafen von Bremerhaven. Der Autoumschlag ging bereits vor der Corona-Krise zurück, in der Pandemie sank er nochmal drastisch.
  • Martin Kowalewski
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Bremen – Die Transportunternehmen sind bisher in der Corona-Krise mit einem „blauen Auge“ davongekommen, heißt es in einer aktuellen Erklärung des Vereins Bremer Spediteure (VBS). Die Ergebnisse von 2019 könnten zwar nicht mehr erreicht werden, dennoch hofften viele Unternehmen zum Jahresende auf ausgeglichene Ergebnisse oder sogar ein leichtes Plus, allerdings nicht so wie im Vorjahr. Aktuell zögen die Importe aus China wieder kräftig an.

Beim Import und Export über See sei ein Einbruch der Transportmengen von etwa 30 Prozent taxiert worden. Bei den Automobilen sei der Rückgang stärker gewesen. Einen Zuwachs habe es aber bei Papier und Zellulose gegeben. Robert Völkl, Geschäftsführer beim VBS, erklärt, was hinter der Zahl steckt: Haushaltspapier und damit insbesondere Toilettenpapier, stark nachgefragt in der Corona-Krise.

Die Pandemie hat das Geschäft schwieriger gemacht: Kurzarbeit, Einschränkungen bei der Erreichbarkeit von Personal oder auch bei der Bereitstellung von Containern. Die Reedereien, meist im Ausland ansässig, haben ihr Angebot ausgedünnt. Hätten sie ihre Fahrpläne aufrechterhalten, wären die Schiffe für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht genug ausgelastet gewesen, sagt Völkl. Die Wartezeit für teurer gewordene Fahrten nach Fernost könne laut VBS mehrere Wochen betragen.

Teure Luftfracht

Viele Spediteure hätten es geschafft, aufgrund der komplizierteren Abwicklung bessere Preise zu erzielen. Teurer wurde auch Luftfracht. 50 Prozent des Aufkommens würden an Bord von Passagiermaschinen transportiert, so Völkl. „Die verkehren regelmäßig und häufig.“ Doch in der Krise blieben sie am Boden. Die Preise stiegen bis zum Sechsfachen, so der VBS. Teilweise seien Passagiermaschinen als Frachter hergerichtet worden, so Völkl. Auch hätten Spediteure die Maschinen selbst gechartert. Mittels der Luftfracht hätten Spediteure ihre Verluste geschmälert. „Sie haben mit weniger Luftfracht mehr verdient“, sagt Völkl.

Ein dramatisches Bild für die maritime Wirtschaft zeigt eine Umfrage der IHK-Nord, einem Zusammenschluss der Handelskammern in den fünf norddeutschen Ländern. Der Geschäftsklimaindex für die Häfen hat laut Mitteilung der IHK-Nord über 50 Punkte verloren und steht jetzt bei 24,4 Punkten.

Senkung der Abgaben

Man habe sich an die Politik gewandt, sagt Ulrich Hautau, bei der Bremer Handelskammer zuständig für Standortpolitik, Häfen, Verkehr. Die habe die Abgaben für die Nutzung des Nord-Ostsee-Kanals gesenkt. „Wir fordern außerdem, die Lotsenabgabe zu senken“, sagt Hautau. Die Abgabe finanziere die Infrastruktur. „Wir haben das 2009 in der Finanzkrise gemacht. Wir haben die Abgabe zwei Jahre abgesenkt.“ Das habe geholfen.

Hautau geht davon aus, dass sich der Schaden für die Häfen erst gegen Jahreswechsel oder zum Anfang nächsten Jahres abschätzen lassen wird. Eine Prognose zum Erhalt von Jobs sei schwierig. Das hänge stark davon ab, wie schnell das Geschäft wieder anziehe. Er blickt auf die Finanzkrise zurück. „2008 auf 2009 hatte sich der Autoumschlag in Bremerhaven fast halbiert, von 2,1 Millionen Autos auf 1,2 Millionen“, sagt er. Man ging davon aus, dass es lange dauert, bis das Vorkrisenniveau erreicht ist. Wir sind da aber schnell wieder rausgekommen“, sagt Hautau. „2012 gab es einen Rekord mit 2,2 Millionen Autos und auch einen Rekord bei den Containern.“

Die damalige Krise sei vergleichsweise stark auf den Bankensektor fixiert gewesen. Die Wirkung von Corona treffe die reale Nachfrage. „Diesmal wird es wohl nicht ganz so schnell gehen“, vermutet Hautau. Der Autoumschlag sei schon vor Corona zurückgegangen.

Seit längerem verlieren die Bremischen Häfen Anteile bei den Containern an Antwerpen und Rotterdam. Ein Grund sei die starke Konzentration bei den Transportlinien. Die Reedereien fusionierten häufig oder bildeten strategische Allianzen, sagt Hautau.

Verlierer

Völkl hat zu den Verlusten in Richtung niederländische Häfen Zahlen parat und greift auf das bereits erwähnte Rekordjahr 2012 zurück, als Bremerhaven am Containerumschlag der großen Seehäfen an der Nordsee einen Anteil von 17 Prozent hatte. 2019 waren es nur noch zwölf Prozent. In dieser Zeit sei der Anteil in Antwerpen von 24 auf 29 Prozent gestiegen. „Alle deutschen Häfen verlieren hier.“ Die Spediteure fordern den Ausbau der Unterweser, so der VBS. Auch solle die Einfuhrumsatzsteuer bei Importen nach dem Vorbild der Niederlande und Belgiens im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung geltend gemacht werden können. Aktuell ist sie bar bei der Einfuhr zu entrichten.

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