Bremer Friseurmeister: Mit Skepsis in die Zukunft

Nach dem Lockdown: Chaos zur Wiedereröffnung?

Lebt von Tag zu Tag: Die aktuelle Lage ist nicht nur bei Markus Schneider, Inhaber vom Salon „Quantum Hair“, mehr als angespannt. Der Wiederöffnung seines Geschäftes im März blickt er skeptisch entgegen.
+
Lebt von Tag zu Tag: Die aktuelle Lage ist nicht nur bei Markus Schneider, Inhaber vom Salon „Quantum Hair“, mehr als angespannt. Der Wiederöffnung seines Geschäftes im März blickt er skeptisch entgegen.

Am 1. März dürfen die Friseure wieder öffnen, auch in Bremen. Da könnte zunächst Chaos drohen, befürchtet ein Friseurmeister. Schon jetzt sind Termine heißbegehrt.

  • Friseure: Neustart nach dem Lockdown.
  • Holprige Monate zwischen Frühling und Herbst.
  • Bremer Friseurmeister: Branche bleibt auf Kosten sitzen.

Bremen – Es sollte der Neustart nach dem Neustart werden – doch auch dieser ging mächtig schief. Wie so viele in der Branche, hat der zweite harte Lockdown zahlreiche Bremer Friseure an ihre Grenzen gebracht. Einer von ihnen ist Markus Schneider, Friseurmeister aus der Neustadt. Wir berichteten bereits im Mai 2020 über die existenzbedrohende Situation des 38-Jährigen. Viel zum Positiven geändert hat sich trotz der langersehnten Öffnung im März nicht. Im Gegenteil.

Es war alles vorbereitet. Markus Schneider kaufte einen Aerosolfilter, dazu einen Sterilisator für Umhänge und Handtücher. Im Lager seines Geschäfts „Quantum Hair“ an der Erlenstraße stapeln sich Einwegmasken, hinzukommen literweise Desinfektionsmittel. Trotz aller Vorbereitungen auf den Neustart nach dem ersten Lockdown waren es holprige Monate zwischen Frühling und Herbst, und so langsam, sagt Schneider, „waren die Puffer aufgebraucht“. Wie so viele im Handwerk – aber auch im Einzelhandel, der Gastronomie-, in der Event- und Tourismusbranche – hoffte Schneider auf die für Friseure umsatzstärksten Monate Dezember und Januar. Doch der zweite harte Lockdown machte auch diese Hoffnungen zunichte, wenigstens 2021 mit einer Bilanz von „plus minus null“ starten zu können.

Friseure und Lockdown: Vieles weiter unklar

„Die Branche“, kritisiert Schneider, „hat sich vorbereitet – und bleibt auf den Kosten sitzen.“ Irgendeine Lösung müsse es doch geben, hoffte der 38-Jährige, doch letztlich blieb so vieles einfach unklar. Und sei es bis heute. Nicht nur das Hin und Her mit zunächst erlaubten, dann wieder verbotenen Hausbesuchen von Friseuren und die „katastrophale finanzielle Schieflage“ seines Geschäftes mache ihm große Sorgen, auch sein Blick in die Zukunft fällt eher düster aus. Friseure dürfen zwar unter strengen Hygieneauflagen ab 1. März wieder öffnen – stabile Einnahmen verspricht er sich davon aber zunächst nicht.

Wie bereits nach dem ersten harten Lockdown im Frühjahr 2020, so befürchtet Schneider, würde es in den ersten Wochen zu „absolutem Chaos“ kommen. Jeder wolle einen Termin, nur wenige würden einen bekommen. Da kein Geld mehr da sei, die Konten leer seien, könne der Friseurmeister auch kaum neue Ware nachbestellen, was sich wiederum negativ aufs Geschäft auswirke. „Ganz davon abgesehen, dass ich bereits angebrochene Pflegemittel wegschmeißen musste.“ Auf die Frage, wie lange er finanziell noch durchhalten könne, antwortet Schneider: „Eigentlich gar nicht mehr.“ Er lebe von Tag zu Tag, die Nächte schlage er sich mit (meist als erfolglos bescheinigten) Anträgen auf Hilfsleistungen um die Ohren. Und nebenbei müsse er unter anderem die drohende Kündigung seiner Krankenversicherung abwenden.

Was ist erlaubt, was verboten?

Hausbesuche – die trotz Lockdowns zunächst erlaubt waren, nur dass davon lange Zeit niemand wusste, dann kurzfristig wieder verboten wurden – macht Schneider nicht. Es gehe ihm dabei um das Ansehen der gesamten Branche, die durch „schwarze Schafe immer wieder in Verruf gerate“. Nachvollziehen könne er die verbotenen Dienstleistungen dennoch ein Stück weit. „Der Staat forciert doch Schwarzarbeit. Von irgendwas müssen die Menschen ja leben.“

Nun geht Schneider an die Vorbereitungen für die abermalige Öffnung, doch es sei – wie im ersten Lockdown – ein Start ins Ungewisse, sagt er. Aktuell wisse keiner, welche konkreten Hygienevorschriften einzuhalten seien, welche Vorschriften es bei Terminvergaben geben solle oder ob bereits angeschafftes Equipment überhaupt verwendet werden darf. Realistisch betrachtet, sagt Schneider, könne seine Bilanz Ende 2022 wieder ausgeglichen sein. „Dafür“, betont er, „muss aber alles glatt laufen.“ Das bleibt möglicherweise ein frommer Wunsch.

Spendenaktion für Friseure

Die Friseur-Innung Bremen befürwortet die Wiederöffnung von Friseursalons zu „100 Prozent“, so Stefan Schiebe. Laut Schiebe, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bremen, zu der die Friseur-Innung gehört, haben viele Friseure die Nachricht mit „ganz, ganz großer Freude“ aufgenommen, weil ihnen nach langer Zeit so wenigstens eine Perspektive geboten werde.

Im Vergleich zu anderen Branchen, die im Lockdown Angebote wie „Click and Collect“ oder Außerhaus-Verkauf anbieten und so Einnahmen generieren konnten, sei das bei Friseuren nicht der Fall gewesen. Der Termin komme für die meisten Friseure – etwa 350 gibt es in Bremen, knapp 50 in Bremerhaven – „gerade noch rechtzeitig“, schätzt Schiebe, wenngleich „viele bereits auf der Kippe stehen und drohen abzustürzen“.

Schiebe: „Wir sind verhalten optimistisch und hoffen, dass die meisten mit einem blauen Auge davonkommen werden.“ Da ein Großteil der Friseure „im Grunde keine finanzielle Unterstützung“ erhalten habe, haben sich die Innungsobermeister für eine spontane Spendenaktion entschieden. Anfang nächster Woche sollen an besonders hilfsbedürftige Betreiber, die in der Innung organisiert sind, Spenden verteilt werden, sagte Schiebe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tränen und Kanonendonner: Abschied von Prinz Philip

Tränen und Kanonendonner: Abschied von Prinz Philip

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

Meistgelesene Artikel

Unbekannte treten Trainer gegen Kopf – Kinder müssen alles mitansehen

Unbekannte treten Trainer gegen Kopf – Kinder müssen alles mitansehen

Unbekannte treten Trainer gegen Kopf – Kinder müssen alles mitansehen
Ruhestörung führt zu Angriff auf Polizisten – dann eskaliert es völlig

Ruhestörung führt zu Angriff auf Polizisten – dann eskaliert es völlig

Ruhestörung führt zu Angriff auf Polizisten – dann eskaliert es völlig
Das Ende einer Brücke: Abriss am Bremerhavener Kaiserhafen

Das Ende einer Brücke: Abriss am Bremerhavener Kaiserhafen

Das Ende einer Brücke: Abriss am Bremerhavener Kaiserhafen
Schießkugelschreiber? Frau drückt Knopf – lauter Knall und Notoperation

Schießkugelschreiber? Frau drückt Knopf – lauter Knall und Notoperation

Schießkugelschreiber? Frau drückt Knopf – lauter Knall und Notoperation

Kommentare