Aus dem Stadtbild verschwunden

Bremens Trolleybusse und der Gummibahnhof

Ein Bremer Trolleybus mit Stromabnehmer und Anhänger – fotografiert Anfang der 50er Jahre.
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Ein Bremer Trolleybus mit Stromabnehmer und Anhänger – fotografiert Anfang der 50er Jahre.

Bremen – Gummibahnhof? Ein Begriff, der sich noch im bremischen Sprachgebrauch hielt, als es den eigentlichen Gummibahnhof schon gar nicht mehr gab. Ein Begriff, der eng verbunden war mit dem Wort „Obus“. Ein Obus war ein Oberleitungsbus – oder auch: Trolleybus. Trolleybusse fahren längst nicht mehr durch Bremen. So sind sie heute – wie der Gummibahnhof – Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Die mit Elektromotoren angetriebenen Busse bezogen ihren Fahrstrom wie eine Straßenbahn mit Stromabnehmern von Oberleitungen. Die Bremer Trolleybusse fuhren vom Straßenbahndepot Gröpelingen bis nach Burgdamm.

Dort gab es einen Wendeplatz und die Umsteige-Haltestelle zu den Bussen, die weiter nach Bremen-Nord fuhren – das war der Gummibahnhof. Seinen Namen hatte er von den Trolleybussen, die nicht allein mit den Stromabnehmern für die Oberleitungen ausgestattet waren, sondern eben auch mit Vollgummireifen. Die quietschten beim Wenden auf der Schleife des Gummibahnhofs in Burgdamm.

Bremer Bindeglied mit Vollgummi

Die Trolleybusse mit den Vollgummireifen (und Anhängern – eine Seltenheit bei Bussen) fuhren von 1949 bis 1961 zwischen Gröpelingen und Burgdamm. Sie verbanden den Straßenbahnbereich Bremens und den Autobusbereich im Bremer Norden, fungierten also gleichsam als Bindeglied. Garlstedter Straße, Fuchsberg, Oslebshauser Friedhof, Pulverberg, Mittelsbürener Landstraße, Bahnhof Burg, Gummibahnhof – da ging‘s lang.

Im Trolleybus hatten 80 Fahrgäste Platz, im Anhänger noch einmal 48. Ob ihre Gummireifen 1961 dann vollkommen abgenutzt waren oder ob das System mit den Oberleitungen als zu starr für den wachsenden Verkehrsfluss galt, steht dahin. Immerhin waren die O-Busse – so eine weitere offizielle Bezeichnung mit schönem Bindestrich – zwar an die Oberleitungen, nicht aber am Schienen gebunden. Jedenfalls war nun Schluss mit dem Trolleybusvergnügen in Bremen.

Dabei waren die gern „Bummelbusse“ genannten Gefährte durchaus beliebt gewesen. Sie galten als günstige Alternative zur Bahnverbindung zwischen Bremen-Nord und Bremen-Stadt. Wie es heißt, hatten die Amerikaner das Trolley-System in der Nachkriegszeit in den Bremer Norden gebracht. Wer aber damit aus Bremen-Nord in die Stadt (und zurück) fahren wollte, musste auf jeder Tour zweimal umsteigen, am Gummibahnhof und in Gröpelingen. Schließlich kam die eigentlich naheliegende Idee auf, Busse aus dem Bremer Norden gleich bis zum Gröpelinger Straßenbahndepot durchfahren zu lassen. So wurde es Anfang November 1961 gemacht – mit modernen Gelenkbussen, die sich vergleichsweise gut durch den zunehmenden Straßenverkehr schlängelten.

Flexibel durch die autogerechte Stadt

Bremens Bevölkerung war in der Zeit von 1950 bis 1958 um knapp 25 Prozent gewachsen. Der Wieder- und Neuaufbau war in vollem Schwung. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) beförderte nun 137 Millionen Fahrgäste im Jahr, ein neuer Rekord. Zugleich hatte sich die Zahl der Autos versechsfacht; im Berufsverkehr kam es auf vollen Straßen nun häufiger zu Verspätungen, wie es in dem Buch „Bremen und seine Straßenbahn“ aus dem Jahr 2001 heißt. Die Bremer Planer wollten flexibel sein – und setzten vermehrt auf Busse. Zum Bremer Trolleybus-Ende führte außerdem, dass Busse mit Anhängern laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung nicht mehr gestattet waren.

Nach der Einstellung des Trolleybusverkehrs wurde der Gummibahnhof zum Goldbergplatz umgestaltet – benannt nach dem jüdischen Ehepaar Adolf und Martha Goldberg, das in Burgdamm eine Arztpraxis hatte und in der Reichspogromnacht im November 1938 erschossen wurde.

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