Demo in Corona-Zeiten: Stahlkocher stellen Figuren auf Marktplatz

Mit Playmobil gegen Billigstahl

Demo mal ganz anders: Etwa 2 000 Playmobil-Figuren wurden wegen Corona stellvertretend für die Bremer Mitarbeiter aus der Stahlbranche, insbesondere von Arcelor-Mittal, für die Demo auf dem Marktplatz aufgebaut. 
Foto: KOWALEWSKI
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Demo mal ganz anders: Etwa 2 000 Playmobil-Figuren wurden wegen Corona stellvertretend für die Bremer Mitarbeiter aus der Stahlbranche, insbesondere von Arcelor-Mittal, für die Demo auf dem Marktplatz aufgebaut. Foto: KOWALEWSKI
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Bremen – In Corona-Zeiten geht Demonstration anders: Stellvertretend für die Mitarbeiter in der Bremer Stahlbranche wurden am Dienstag etwa 2 000 Playmobil-Figuren auf dem Marktplatz aufgestellt – Ansteckung ausgeschlossen.

Rund 2 000 Mitarbeiter des Bremer Stahlwerkes Arcelor-Mittal hatten vor etwa einem Jahr auf dem Markplatz gegen die Erhöhung von EU-Stahlimportquoten demonstriert. Sie forderten, dass auf Importstahl CO2-Abgaben fällig werden, wie es bei inländisch produziertem Stahl der Fall ist. Wenn sich nichts ändert, wollten sie wiederkommen. Das machten sie am Dienstag – als Spielzeug-Figuren. Etwa 1 300 wackere Figuren kamen allein von Arcelor-Mittal. Sie wurden nahe dem Bremer Roland aufgebaut.

Die Spielzeugmenschen trugen Plakate und standen vor einer Bühne mit Rednern. Weitere Firmen hatten Playmobil-Fraktionen geschickt. So kam die Modelldemo auf etwa 2 000 Figuren. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hielt eine Figur in der Hand. Er sagte: „Die Hütte gehört zu Bremen und Bremen gehört zur Hütte.“ Er forderte faire Wettbewerbsbedingungen. Für alle müssten die gleichen sozialen und ökologischen Regeln gelten. Und er stellte klar: „Stahl gehört nicht zum alten Eisen.“

Billigstahl aus China

Der EU drohe eine Schwemme von 100 Millionen Tonnen Billigstahl, sagte Jens Loock, Arbeitsdirektor bei Arcelor-Mittal. Heiko Reese aus Düsseldorf, Stahlbeauftragter der IG Metall, die zur Demo aufgerufen hatte, erklärte warum: „Durch die Corona-Krise ist die Stahlproduktion in Europa um 26 Prozent zurückgegangen. In China ist sie zu Beginn der Pandemie um drei Prozent gestiegen.“ Der Schutz des europäischen Stahlmarktes vor Billigstahl aus China, Russland und der Türkei, gefertigt fernab hiesiger Umwelt- und Sozialstandards, gehe derweil zurück. Jedes halbe Jahr steige das erlaubte Einfuhrkontingent, oberhalb dessen Stahl mit 25 Prozent verzollt werde, um drei Prozent. In einem Jahr sei die Regelung dadurch hinfällig. Weiterhin werde auf Importstahl keine CO2-Abgabe gezahlt, anders als für innereuropäischen Stahl. Durch weitere Maßnahmen entstünden hier Mehrkosten in Höhe von 50 Euro pro Tonne Stahl, so Reese. Mehr Geld für nachhaltigen Stahl, gefertigt nach europäischen Umwelt- und Sozialstandards? Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke), beklagte, dass in der stahlverarbeitenden Industrie auch auf Billigstahl gesetzt werde. Bovenschulte wirkte da optimistischer und sagte, man komme mit den Stahlabnehmern schon zusammen. Vogt sieht eine Veränderung seitens der Bundespolitik. Bundesarbeitsminister Peter Altmaier (CDU) habe sich sehr für faire Bedingungen in der Stahlbranche eingesetzt. Sie sagte, die nationalen Regierungen müssten mehr Druck machen.

Arcelor-Mittal will bis 2050 klimaneutral sein

Bis 2030 sollen die Kohlendioxid-Emissionen bei Arcelor-Mittal in Bremen um 30 Prozent sinken, bis 2050 soll das Werk klimaneutral sein. Das Werk will dabei auch durch Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff einsetzen. Solche Maßnahmen bräuchten aber Zeit, sagte Loock. Er fügte hinzu: „Ich fürchte, wir werden keine Zeit haben, weil wir unsere Branche verteidigen müssen.“ Derweil arbeite das Werk auf 70 Prozent Auslastung. Die Kurzarbeit soll bis zum 31. Dezember verlängert werden.

Von Martin Kowalewski

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