Das Focke-Museum thematisiert Medienkonsum am Beispiel Radio Bremens

Mit Pausenzeichen

Blick in den „Studiobereich“ der neuen Ausstellung. Hier gibt es verschiedene analoge und digitale Angebote zum Thema „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ und Mediennutzung sowie Einblicke in die Anfangstage von Radio Bremen.
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Blick in den „Studiobereich“ der neuen Ausstellung. Hier gibt es verschiedene analoge und digitale Angebote zum Thema „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ und Mediennutzung sowie Einblicke in die Anfangstage von Radio Bremen.

Bremen – Wie nutzen Sie Medien? Wann gucken Sie was? Was läuft bei Ihnen? Die Ausstellung geht ihre Besucher direkt an, fordert zum Nachdenken auf, will Antworten haben. Kommunikation ist angesagt – und das passt ja auch zum Thema. „Medienwelten“ heißt die neue Ausstellung des Focke-Museums in Schwachhausen. Ihr Anlass: 75 Jahre Radio Bremen.

Das Sender-Jubiläum ist Ausgangspunkt auch für eine kritische (Selbst-)Reflexion des Medienkonsums. Zugleich thematisiert die Schau das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Warum gibt es ihn, wie funktioniert er? Wie könnte seine Zukunft aussehen? Das Kuratoren-Team – Dr. Doreen Franz, Dr. Bora Aksen und Hannah Fiedler in Kooperation mit Radio Bremen – lässt vier Medienexperten darauf antworten. Und richtet die Frage dann auch gleich wieder ans Publikum.

Denn das Publikum, es spielt ja eine besondere Rolle beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Zeitung kann man abonnieren (und man sollte es tun!), die öffentlich-rechtlichen Sender muss man mitbezahlen – Stichwort Rundfunkgebühr.

Von Rudi Carrell bis Loriot: Erinnerungen von Generationen

Dafür aber sind die gebührenfinanzierten Programme im Alltagsleben auch gleichsam omnipräsent. Radio und Fernsehen haben die kollektive Erinnerung von Generationen mitgeprägt – unter tüchtiger bremischer Beteiligung übrigens: „Beat-Club“, Rudi Carrell, Loriot. Heute kämpfen die Öffentlich-Rechtlichen darum, ihren Platz in einer digitalisierten (Medien-) Welt zu behaupten. Die Ausstellung im Focke-Museum – auf 800 Quadratmetern ab Sonnabend, 26. September, und bis zum 31. Mai 2021 zu sehen – macht all das zu ihrem Thema.

Es ist also keine Radio-Bremen-Nostalgie- und Jubel-Schau. Die Einblicke in die Sendergeschichte sind pointiert ausgewählt. Ältere Mediennutzer (früher hießen sie einfach „Hörer“ oder „Zuschauer“) mögen sich noch ans Pausenzeichen erinnern. In der digitalisierten Welt gibt es ja keine Pausen mehr, es rauscht ein unablässiger Schwall aus News, Nichtigkeiten und Falschmeldungen. Da setzt so ein Pausenzeichen einen starken Kontrapunkt. Das Focke-Museum zeigt die Pausenzeichenmaschine, die Radio Bremen ab 1960 eingesetzt hatte. Das Pausenzeichen des Bremer Senders war eine Melodie aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

Erste Bremer Fernsehsendung im Januar 1958

Radio Bremen, die kleinste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Deutschlands, ging am 23. Dezember 1945 auf Sendung. Hans Günther Oesterreich (1910 bis 1990), Moderator, Autor und Regisseur, hatte die Anstalt gemeinsam mit dem US-Offizier Edward Harriman aufgebaut. Und sie „Radio Bremen“ genannt. Die Hörfunkserie „Die Familie Meierdierks“ (ab 1952) wurde zu Oesterreichs größtem Erfolg. Es war die Zeit, als ganze Familien (und die Nachbarn) vor dem Radio hockten und zuhörten, was da gesagt wurde.

Dann kam das Fernsehen, Mediengewohnheiten änderten sich. Radio Bremen hat seine erste Fernsehsendung im Januar 1958 ausgestrahlt; ein Interview mit dem Bremer Dichter Rudolf Alexander Schröder (1878 bis 1962). Wenige Jahre später standen Stars im Fokus. Tina Turner im „Beat-Club“, David Bowie im „Musikladen“ – die Ausstellung präsentiert Erinnerungen daran (und an andere Highlights der Sendergeschichte; vom „Hafenkonzert“ bis zum „Tatort“) in einem Extra-Raum, der „Mediathek“. Alles ist hier in Schwarz getaucht, so dass die Stars auch richtig strahlen. Hinzu kommen Exponate wie das grüne Loriot-Sofa, 1976 in der Bühnenwerkstatt des Bremer Senders gebaut.

Für die interaktiven Teile der Ausstellung gibt es „Hygienestationen“, desinfizierte Kopfhörer, Desinfektionsmittel und Handschuhe stehen bereit. Die Ausstellungstexte sind – leider – in „vereinfachter Sprache“ geschrieben. Dadurch wirken sie oft unfreiwillig banal. Die Orientierung an „leichter Sprache“ mag gut gemeint sein – der Darstellung von Gedanken und Zusammenhängen aber steht sie eher im Weg. Wem ist damit gedient? „Tatort“, Carrell und Loriot sind auch ohne „leichte Sprache“ verstanden worden.

Dieses Mikrofon stand bei der ersten Sendung Radio Bremens am 23. Dezember 1945 auf dem Balkon des Bremer Rathauses.

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