VERSCHWUNDEN Das Kriegerdenkmal am Ansgaritor

Mit Fahne und Säbel

Das Kriegerdenkmal am Ansgaritor war ein beliebtes Ansichtskartenmotiv.
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Das Kriegerdenkmal am Ansgaritor war ein beliebtes Ansichtskartenmotiv.

Bremen – Ein Sockel samt Steinrelief mit einer Darstellung der Schlacht von Sedan, dazu die Namen von Gefallenen. Und darüber ein flaggenschwingender Krieger in Bronze. Das war die Bremer Erinnerung an einen Krieg, der vor 150 Jahren zu Ende ging – an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, der mit Sieg deutscher Truppen in der Schlacht von Sedan am 1.

und 2. September 1870 eine Vorentscheidung gefunden hatte. Das Kriegerdenkmal am Ansgaritor in den Wallanlagen erinnerte daran. Heute ist es Thema unserer Serie Verschwunden.

Schon bald nach dem Krieg und nach der Reichsgründung 1871 kam in Bürgertum und Kirche der Wunsch auf, all das auch in Bremen mit einem Feiertag zu würdigen. Daraus wurde – wie andernorts auch – der „Sedantag“.

Parallel liefen bereits seit 1870 Planungen für ein Kriegerdenkmal, wie es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) heißt. Drei Bremer Architekten „wurden aufgefordert, Entwürfe einzureichen“: Heinrich Müller (1819 bis 1890), der die üppige „Neue Börse“ am Markt entworfen hatte und so etwas wie der Star-Architekt des bremischen Bürgertums war – wie auch Johann Georg Poppe (1837 bis 1915), der 1873 die „Umgedrehte Kommode“ baute. Dritter im Bunde: Gustav Runge (1822 bis 1900). Zudem wurde der Bildhauer Diedrich Kropp (1824 bis 1913) um Entwürfe gebeten.

Entwürfe der Star-Architekten setzen sich nicht durch

Sie alle waren damals berühmte Leute. Aber mit dem Kriegerdenkmal für 70/71 kamen sie wohl nicht so zurande, wie es gewünscht war. Bremen schrieb das Denkmal schließlich allgemein aus. „1873 lagen 41 Einsendungen vor“, heißt es bei Schwarzwälder.

Am Ende fiel die Entscheidung auf den Entwurf des Berliner Bildhauers Carl Keil (1838 bis 1889). Er hatte sich unter anderem mit seiner Bronzestatue Kaiser Wilhelms I. über dem Hauptportal des Roten Rathauses in Berlin einen Namen im jungen Kaiserreich gemacht.

Nun also der Auftrag des Bremer Senats. Am 5. Dezember 1875 wurde es eingeweiht, das Kriegerdenkmal. Der Soldat mit Fahne und Säbel war bei Gladenbeck in Berlin gegossen worden. Am Standort auf der Hauptpromenade am Ansgaritor waren auch die Namen von 58 im Krieg von 1870/71 gefallenen Bremer Soldaten (und einer Krankenschwester) gut zu erkennen. Eine Liste, die von Albrecht bis Wurtmann reichte.

Bremer Festumzüge mit Kostümen und äutenden Glocken

Bei den Feierlichkeiten zum „Sedantag“ spielte das Kriegerdenkmal in den folgenden Jahren eine zentrale Rolle. In Bremen wurde der „Sedantag“ 1876 zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Der Senat gab alljährlich Geld dazu, denn der patriotische Prunk, der kostete. Vom Tivoli (An der Weide) schlängelte sich ein Festzug über Bahnhofstraße und Domshof – und anschließend weiter über den Marktplatz bis zum Denkmal, wo der flaggenschwingende Krieger in Bronze die feiernden Bremer von seiner hohen Warte aus in Empfang nahm. Nicht nur Fahnen wurden geschwungen, auch (patriotische) Reden. Und die Glocken läuteten dazu.

Im Lauf der Jahre aber ließ das Interesse an den Sedanfeierlichkeiten etwas nach, die Erinnerung verblasste, die Euphorie ermüdete. Zum 25. Jahrestag der Schlacht ging es am 2. September 1895 noch einmal hoch her, Festwagen mit kostümierten Gruppen schmückten den großen Festumzug. Mehr als 1600 Kriegsveteranen hatten sich in der Stadt versammelt. Damit war es aber auch gut. Die jährlichen Feiern sollte es fortan nicht mehr geben; 1896 schaffte die Bürgerschaft den gesetzlichen Feiertag ab.

Das Kriegerdenkmal am Ansgaritor in den Wallanlagen aber blieb, der Bronze-Soldat schwang weiter seine Fahne. Die vielzitierte Ironie der Geschichte will es, dass er später selbst einem Krieg zum Opfer fällt – dem Zweiten Weltkrieg: Im Rahmen der „Metallspende des deutschen Volkes“ wird er 1942 für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen.

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