„Handel und Religion“: Zwei neue Bücher zur Bremen- und Afrika-Ausstellung der Uni im Haus der Bürgerschaft

„Missionare bekamen Fotografieunterricht“

Afrika- und Missionsexperten – der Bremer Kulturwissenschaftler Dr. Rainer Alsheimer und die Historikerin Dr. Wiebke Hoffmann. ·
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Afrika- und Missionsexperten – der Bremer Kulturwissenschaftler Dr. Rainer Alsheimer und die Historikerin Dr. Wiebke Hoffmann. ·

Bremen - Von Thomas KuzajWie wirkten Bremer in Westafrika? Als Kaufleute von der Weser im 19. Jahrhundert nach Afrika gingen, um Waren und Rohstoffe zu importieren, exportierten sie ihre Religion, das Christentum.

Damit beschäftigt sich, wie berichtet, die Ausstellung „Handel und Religion – Zwischen Bremen und Westafrika“. Sie ist bis zum 11. Februar im Haus der Bürgerschaft zu sehen. Nächste Station ist das Nationalmuseum von Ghana. Gestern wurden zwei Begleitbände zu der Ausstellung vorgestellt.

Die Schau, die auf kultur-, religions- und geschichtswissenschaftlichen Forschungsprojekten der Bremer Universität basiert, vereint 200 Reproduktionen historischer Fotografien. Seit 1847 war die so genannte Sklavenküste in Westafrika Einsatzgebiet der Norddeutschen Mission, einem Zusammenschluss von Missionsvereinen in (und um) Bremen und Hamburg. Überseekaufleute förderten die Missionen, in denen sie Vermittler zwischen den Kulturen sahen.

Von Beginn an setzten die Missionare ganz bewusst ein neues und modernes Medium ein – die Fotografie. „Die Norddeutsche Mission hat von Anfang an das Medium Fotografie als Werbemedium genutzt“, sagt der Bremer Kulturwissenschaftler Dr. Rainer Alsheimer. „Missionare bekamen Fotografieunterricht.“ Es war gewünscht, dass sie nicht nur schriftliche Berichte, sondern eben auch Bilder aus Afrika nach Bremen schickten. Häuptlinge, Krieger, „Fetischpriester“ – die Fotografien aus Afrika, aufgenommen mit dem Blick des Missionaren, prägten dann wiederum das Afrika-Bild in Deutschland. Sie landeten in Sammelalben („So ist es an der Sklavenküste“). „Über diese Exotik wurde Geld angeworben für die Mission“, sagt Alsheimer.

Die Fotos wurden in Kirchen verkauft. Wer heute wissenschaftlich mit ihnen arbeiten möchte, muss sie zu betrachten verstehen. „Fotoquellen muss man genauso kritisch ‚lesen‘ wie Textquellen. Man muss dahinterblicken, Fotografen und Fotografierte mitbeachten“, sagt die Historikerin Dr. Wiebke Hoffmann, die ein Buch über den Bremer Kaufmann Johann Karl Vietor (1861 bis 1934) schrieb. Dessen Wirken in Afrika ist durch viele Dokumente überliefert, schrieb er doch seiner Frau (Anrede: „Mein liebes Herz!“) ausführliche Briefe nach Bremen – Einblicke in die Arbeit der Faktoreien, in die Arbeit von Europäern und Afrikanern. Kaufleute und Pastoren der Familie Vietor prägten die Entwicklung der Norddeutschen Mission über Generationen.

· Rainer Alsheimer: „Bilder erzählen Geschichten – Eine Fotoanthropologie der Norddeutschen Mission“, Universität Bremen, 356 Seiten, Preis: 15 Euro. – Wiebke Hoffmann: „Ein alter Afrikaner“, Universität Bremen, 172 Seiten, Preis: zwölf Euro.

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