Bremer Senat beschließt umstrittene Obduktionspflicht bei ungeklärten Todesfällen von Kleinkindern

Misshandlungen sollen sichtbar werden

Das Schicksal des kleinen Kevin (hier sein Grab), der 2006 tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden worden war, war Anlass für die Debatte um die Obduktionspflicht.Archivfoto: dpa

Bremen - BREMEN (epd) · Der Bremer Senat hat als erste Landesregierung in Deutschland eine Obduktionspflicht bei einem ungeklärten Tod von Kindern unter sechs Jahren beschlossen.

Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat der Senat gestern verabschiedet, sagte Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) nach der Sitzung. Der Entwurf gehe nun in das parlamentarische Verfahren und werde bei einer Anhörung diskutiert. Der Landtag müsse dann endgültig zustimmen. Kritiker hatten ethische Bedenken gegen die Obduktionspflicht vorgebracht, die Misshandlungen aufdecken soll.

„Die vorgeschlagene Regelung ist für uns ein weiterer Baustein für einen umfassenden Kinderschutz“, betonte Rosenkötter. „Wir wissen, dass Misshandlungen und gewaltsame Einwirkungen gerade bei kleinen Kindern oft nicht sichtbar sind.“ Das gelte unter anderem bei einem Schütteltrauma. „Wenn ein Kind gewaltsam zu Tode gekommen ist, dann muss das auch erkannt werden, um beispielsweise Geschwisterkinder schützen zu können.“

2008 hat es Rosenkötter zufolge im Land Bremen 37 Todesfälle von Kindern unter sechs Jahren gegeben, von denen fünf nicht zweifelsfrei klar waren. Wenn die Eltern der Obduktion widersprechen, soll nach dem Senatsentwurf ein Amtsrichter das letzte Wort haben und innerhalb von 24 Stunden über das weitere Vorgehen entscheiden. Er soll vor allem prüfen, ob die Todesursache zweifelsfrei geklärt ist.

Ethische Bedenken könnten in solchen Fällen nicht entscheidend sein, bekräftigte Rosenkötter. Auch eine „virtuelle Autopsie“ mit Unterstützung der Computer- und der Magnetresonanztomografie könne nicht immer Klarheit schaffen. Die Obduktionspflicht war bisher auch im Senat umstritten. Mehrfach wurde eine Entscheidung verschoben. Vertreter aus Kirchen, dem Kinderschutzbund und Psychologen lehnen den Entwurf ab. So warnte der Bremer Trauerbegleiter Heiner Melching, die Pflicht könne dem Trauerprozess schaden. „Die Ohnmacht, die Eltern nach dem Tod ihres Kindes ohnehin erleben, würde noch potenziert. Das Kind wird ihnen weggenommen, sie wissen nicht, was genau mit ihm geschieht und wer es anrührt“, sagte er.

Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel verteidigte den Vorstoß des Senats. Eine solche Obduktionspflicht sei bundesweit überfällig, sagte er. „Es gäbe Sicherheit über die Todesursache, das ist wichtig für alle Beteiligten.“

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