Bremen: Probleme in Testzentren und zwei weitere Tote

Missglückter Vor-Schulstart

Ein Radfahrer fährt auf eine verschneite Brücke zu.
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Bremer Tristesse im Corona-Januar 2021: Ein Fahrradfahrer nähert sich der Melchersbrücke im verschneiten Bürgerpark – ganz vorbildlich, alleine nämlich. Der Bremer Senat gießt am Freitag die schärferen Corona-Regeln in eine neue Verordnung.

Pannen bei den Corona-Tests. Kritik in den sozialen Netzen. Das Bremer Bildungsressort hat einen schweren Stand.

  • Zwei Testzentren bleiben geschlossen.
  • Grüner Landesvorstand legt Positionspapier vor.
  • Zwei weitere Corona-Todesopfer.

Bremen – Der Start der freiwilligen Covid-19-Tests für Bremer Lehrer und Schüler ist am Donnerstag missglückt. Zwei der vier Corona-Testzentren sind am Donnerstag nicht wie geplant geöffnet worden. Im Kristallpalast am Weserpark und im Schuppen  1 in der Überseestadt blieben die Pforten geschlossen. Das Bildungsressort bedauerte die Verzögerung und begründete sie mit der späten Entscheidung für eine Schulöffnung. Im Testzentrum Mitte (Am Wall 121) gab es dem Vernehmen nach Probleme. Ein Server fiel für eine Viertelstunde aus. Das sorgte kurzzeitig für eine Warteschlange vor dem Zentrum.

Ab Sonnabend sollen alle Zentren laufen, heißt es aus der Behörde. Das Ressort erntet zudem heftige Kritik in den sozialen Netzen für seine Corona-Politik. Bildungssenatorin Claudia Bogedan empfahl allen Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie übernehme die Verantwortung, sagte die Sozialdemokratin zum Regionalmagazin „buten un binnen“. Es gelte, zwischen dem Infektionsschutz und den Folgen für die Schüler ohne Schulbesuch abzuwägen. Grundsätzlich soll an den Bremer Schulen alles so wie vor den Ferien bleiben. Die Präsenzpflicht bleibt bis Ende des Monats aufgehoben. Das heißt: Die Schulen sind geöffnet, die Schüler dürfen aber auch zu Hause lernen. Ab 18. Januar setzt Bremen vermehrt auf Präsenz ohne Verpflichtung, aber mit deutlicher Empfehlung für die Grundschulen, die 5. und 6. Klassen sowie die Abschlussklassen.

Sondersitzung des Senats

In einer Sondersitzung will die rot-grün-rote Landesregierung heute, am Freitag, über die konkrete Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse entscheiden. Die neuen Regelungen sollen in eine neue Verordnung verarbeitet werden, die dann ab Montag gelten soll. Unter anderem sind die Kontaktbeschränkungen so verschärft worden, dass ein Haushalt nur noch eine weitere haushaltsfremde Person einladen darf. Ob das im Land Bremen auch für Kinder gilt, muss festgelegt werden. Auch gilt noch als unklar, ob die 15-Kilometer-Regel bei einer etwaigen Einschränkung der Bewegungsfreiheit ab der gemeldeten Wohnadresse oder ab der Stadtgrenze gilt.

Der Landesvorstand der Grünen hat am Donnerstag ein Corona-Positionspapier vorgelegt. Darin heißt es: „Es ist wichtig, dass der Lockdown bis zum 31. Januar verlängert wurde. Allerdings wurde wieder außer Acht gelassen, wie es nach dem Lockdown weitergeht. Es kann aber nicht sein, dass wir uns von Datum zu Datum hangeln, ohne den Bürgern eine Perspektive zu bieten, wie es danach weitergeht.“ Die Grünen fordern eine „verständliche Strategie mit Ampelsystem und Pandemierat“.

Inzidenzwert sinkt weiter

Zurück zur Bewegungsfreiheit: Die soll eingeschränkt werden, wenn der Inzidenzwert auf über 200 steigt. Die Inzidenzwerte lagen am Donnerstag bei 72,8 in Bremen und bei 64,5 in Bremerhaven. Das Gesundheitsressort meldete am Donnerstag für das Land Bremen 104 Neuinfektionen mit dem Virus, davon 17 in Bremerhaven. Zwei weitere Menschen starben an oder mit Corona. Damit ist die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Pandemie landesweit auf 212 gestiegen. Die Zahl der aktiv Infizierten stieg auf 1 187, die Zahl der Impfungen auf 4110. Im Land werden 168 Corona-Patienten in Kliniken behandelt. 29 liegen auf Intensivstationen, 13 werden beatmet.

Zur Corona-Schulpolitik ein Kommentar von Thomas Kuzaj:

Chaos verärgert Eltern und Lehrer

Wenn in Bremen etwas verlässlich funktioniert, dann das Chaos. Das mag ein Vorurteil sein. Leider aber wird es immer mal wieder bestätigt – so wie jetzt durch Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD).

Tausende von Bremer Eltern sind verunsichert, weil sie entscheiden müssen, ob sie ihre Kinder in den Präsenzunterricht schicken oder über die digitale Distanz lernen lassen. Mit Blick auf die hochansteckende neue Corona-Variante und die allgemeinen Kontaktbeschränkungen spricht viel für das Distanzlernen. Was aber verpasst das Kind alles, wenn parallel Präsenzunterricht gegeben wird? Fragen, mit denen Eltern sich herumquälen. Und dann kommt die Senatorin mit dem Rat, Kinder in die Schule zu schicken, sie übernehme die Verantwortung dafür. Wem hilft das, wenn eine Infektionswelle durch eine Schule läuft? Und war nicht eben erst die Präsenzpflicht aufgehoben worden? Ja, was denn nun?

Wie Eltern und Schulen in diesem Chaos verlässlich planen sollen, ist unklar. Manch ratlose Eltern laden Frust und Ärger derweil bei Lehrern ab – und treffen die Falschen. Die Lehrkräfte können nichts für die unklaren Vorgaben aus Bogedans Behörde. Stattdessen sind sie gezwungen, einen zirkusreifen Spagat hinzulegen – Doppelbelastung von Präsenz- und Distanzunterricht, dazu das Infektionsrisiko. . . Zum Chaos-Eindruck passt, dass am Donnerstag zwei der vier Corona-Testzentren für Lehrer noch nicht geöffnet waren.

Bogedans Worte sind bei vielen Bremer Lehrkräften gar nicht gut angekommen. Da sind sich etliche Eltern und Lehrer mal richtig einig.

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