Birgitta Schulze van Loon setzt auf Note, nicht auf Menge

„Piekfeine Brände“ aus Bremen: Milde im Geschmack

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Das kann was werden: Birgitta Schulze van Loon testet den ersten Babbeler Tee-Brand. Er ist gerade aus der Brennblase gekommen. Die 55-Jährige führt eine der wenigen Bremer Brennereien.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Experiment: Babbeler Tee-Brand kommt aus der Brennblase, erstmal 30 Liter als Versuchsmenge. Es geht um ein Kooperationsprojekt der Bremer Brennerei „Birgitta Rust Piekfeine Brände“ mit dem Martinshof, der den Babbeler Tee geliefert hat. Die Inhaberin der Brennerei, Birgitta Schulze van Loon (vorher Rust), fügt etwas Wasser zu, um das Destillat auf Trinkstärke zu bringen. Der Tee-Geschmack ist markant. Das kann was werden. Auch ein Geist mit Babbeler Tee ist nach Meinung der Brennerin einen Versuch wert.

Angefangen hat Birgitta Schulze van Loon mit acht Bränden. Nach der Eröffnung ihrer Manufaktur – eine von sehr wenigen Brennereien in Bremen überhaupt – am 11. November 2011 um 11.11 Uhr wuchs das Sortiment kontinuierlich. Mittlerweile sind 16 Brände im Angebot der Manufaktur, fünf Geiste sowie 14 Liköre. Zudem hat sich Schulze van Loon den Wunsch erfüllt, alle Basiskomponenten für Cocktails selbst herzustellen: Whiskey, Wodka, Gin und Rum. Letzterer lagert zur Zeit in Fässern bis zum Jahresende. Neu auf dem Markt ist der Town-Wodka „0421“. „Mein Wodka liegt im oberen Segment. Bei Wodka kommt es auf die Reinheit an. Es dürfen keine Fuselöle reinkommen und keine störenden Aromen. Die Zielsetzung ist also eine ganz andere als etwa bei den Bränden, die ein Aroma haben und deren Rohstoff schon mit der Nase zu erkennen ist“, sagt sie. „Wichtig ist, dass der Wodka mild schmeckt.“

Milde im Geschmack ist ein Hauptziel der Brennerin. Diese werde durch Sorgfalt im Brennprozess erreicht. Es wird nur ein Teil der verdampften Alkohol-Flüssigkeit verwendet. „Als erstes wird Methanol freigesetzt. Das ist giftig und darf nicht ins Destillat“, erklärt die 55-Jährige. Dann komme Ethanol. Der trinkbare und leckere Bereich beginnt und wird abgezapft. Danach kämen Fuselöle. „Ich gehe früh raus, damit nichts von den Fuselölen in den Brand kommt“, erklärt sie weiter. Da sei sie sehr pingelig und akzeptiere eine geringe Ausbeute, um die milde Geschmacksnote ihrer Brände zu erreichen.

„Hanseat 40.0“ in Kooperation mit Bremer Union-Brauerei

Ein weiteres Kooperationsprojekt ist der Bierbrand „Hanseat 40.0“. Dafür liefert die Bremer Union-Brauerei frischgebrautes „Hanseat 2.0“. „Sie pumpen das direkt in die Brennblase. Es verdampft, und zurück bleibt ein hochprozentiges Destillat, mit dem Aroma des Biers“, sagt Schulze van Loon. Der Brand hat einen intensiven Geschmack, die Bier-Note ist klar zu erkennen. Möglicherweise können Kenner die verwendete Biersorte rausschmecken. „Bierbrände findet man oft im Fränkischen bei kleinen Brauereien. Im Norden sind die nicht gängig“, sagt Schulze van Loon. „Bierbrand hat eine Analogie zu Weinbrand. Ein alkoholisches Getränk kommt in die Brennblase.“ Die Brennerin will auf dem Gelände der Union-Brauerei ein eigenes Fasslager anlegen und zusammen mit anderen Manufakturen einen kleinen Verkaufsraum eröffnen.

Jedes Jahr entstehen in der kleinen Manufaktur im Europahafen 7 500 Liter beste Spirituosen. „Das Sortiment kann jetzt so bleiben. Vielleicht kommt noch der eine oder andere Likör dazu. Ich muss das alles ja auch produzieren“, sagt Schulze van Loon. Zupackend im Geschmack und trotzdem entspannt zu trinken, ist eine Haselnuss-Spirituose. Sie darf nicht Geist heißen, da auch etwas Vanille und Schokolade enthalten sind. An Edelpralinen erinnert der herzhafte Panna-Cotta-Likör. Im Orangen-Likör setzt Schulze van Loon ihren eigenen Whiskey ein.

Ein Lehrgang voller Obstbauern

Schulze van Loon, einst als Diplom-Kauffrau tätig, machte eine zweijährige Ausbildung zur Brennerin an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. „Auf dem Lehrgang waren alles Obstbauern, die im Nebenerwerb brannten, um überschüssiges Obst zu verwerten. Die dachten teilweise wohl, ich habe einen Knall. Ich konnte noch gar nicht brennen“, sagt sie. „Aber sie waren nett. Sie haben mich akzeptiert und später haben sie mich und mein Geschäft auf einem Wochenendausflug besucht.“ Die junge Brennerei hat mittlerweile fünf Mitarbeiter. Auch Verkostungen und Brennseminare finden in der Manufaktur statt.

Infos: Adresse: Hoerneckestraße 3 (Europahafen). Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr

www.br-piekfeinebraende.de

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