Migration, Strukturwandel: Jan Werquet ist neuer Historiker am Focke-Museum

Tradition des Engagements

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Der neue Mann für Bremens Geschichte: Dr. Jan Werquet arbeitet als Historiker am Focke-Museum. Hier steht er vor dem Wappen der Stadt. Das Sandsteinrelief stammt aus dem Jahr 1562 und war einst am Herdentor angebracht.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Es gibt in Bremen eine jahrhundertelange Tradition von bürgerlichem Engagement“, sagt Dr. Jan Werquet. Sie fasziniert ihn, diese bremische Besonderheit, die die Hansestadt von anderen Städten abgrenzt und unterscheidet. Werquet beschäftigt sich von Berufs wegen damit. Er ist der neue Historiker des Focke-Museums in Schwachhausen.

Die Historiker-Stelle ist ein Herzstück des Bremer Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, keine Frage. Schließlich ist es das historische Museum Bremens – hier wird sich die Stadt ihrer Geschichte, ihres historischen und kulturellen Erbes, ihrer Identität bewusst. Ein Prozess, an dem kontinuierlich gearbeitet werden muss. Doch lange war diese Stelle unbesetzt, nachdem der Historiker Dr. Heinz-Gerd Hofschen zum 1. September 2013 in den Ruhestand gegangen war – Haushaltssperre, Bewerbungsverfahren. Auch so etwas ist typisch bremisch, leider.

Nun aber ist es vollbracht, seit Mitte Mai ist Werquet, Jahrgang 1972, da. „Ich bin von Haus aus Historiker und Kunsthistoriker, der sich sehr intensiv mit Kulturgeschichte beschäftigt.“ Werquet stammt aus Trier und hat unter anderem am Deutschen Historischen Museum in Berlin und für die Bayerische Schlösserverwaltung in München gearbeitet – Zeitgeschichte hier, Mittelalter dort.

„Ich freue mich, dass wir mit Jan Werquet einen Kustos für die Stadtgeschichte im Focke-Museum gefunden haben, der unser Team fachlich und menschlich hervorragend ergänzt“, sagt Direktorin Dr. Frauke von der Haar. „Seine Erfahrungen in konzeptionellen Aufgaben und im Umgang mit zeitgeschichtlichen Themen sind in den kommenden Jahren willkommen und notwendig, um gemeinsam das Focke-Museum inhaltlich weiterzuentwickeln.“

Die „Bedeutung der Stadt in verschiedenen Epochen“, die „Bremer Mentalität, die sich zum Teil aus der Geschichte erklärt“ – das sind Dinge, die Werquet jetzt beschäftigen. Und es gilt, „die Nachkriegsgeschichte Bremens in den Fokus zu nehmen“. Denn im Focke-Museum steht unter anderem die Erweiterung und Neuausrichtung der Dauerausstellung zur Geschichte Bremens an, in der nun auch die Jahre nach 1945 thematisiert werden sollen – ein längerfristiges Projekt im Kernbereich des Hauses.

Werquet nennt Themenbereiche, die zur Dauerausstellung hinzukommen werden: „Die Wirtschaftsgeschichte mit dem Strukturwandel vom Schiffbau zu neuen Industriezweigen – bis zur Gegenwart. Die Migrationsgeschichte und der damit verbundene Wandel der Gesellschaft Bremens seit den 60er Jahren.“ Auch dieser Punkt – Stichwort: Flüchtlinge – führt bis in die Gegenwart. Und: „Es ist gerade ein großes Thema im Museumsbereich, dass Migranten sich in Stadtmuseen repräsentiert sehen.“

Und dann ist da ja noch die Tradition des bürgerlichen Engagements. Auch sie reicht bis in die Gegenwart, man kann es an Einrichtungen wie Bürgerpark und Kunsthalle ablesen. Und, so Werquet, „an der Tradition, durch Bürgerinitiativen Dinge selbst in die Hand zu nehmen“. Engagement, das bis in die Ortsteile hineinreiche. Engagement, das eine Stadt mitprägt. Als Beispiel nennt Werquet den Kampf gegen die Mozarttrasse in den 70er Jahren – daran waren etliche Personen beteiligt, die in den späteren Jahren prägende Figuren der Bremer Politik wurden.

Werquet erkennt in der Tradition des bürgerlichen Engagements auch eine „Kontinuität des Selbstbewusstseins“. Wichtig in einer Stadt, die ihre Selbstständigkeit immer wieder neu begründen muss.

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