Mehr als 30 Prozent der Bremer Schüler haben ausländische Wurzeln

Migration ist Normalität

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Mehr als 30 Prozent der Bremer Schüler haben ausländische Wurzeln. Nach dem Bericht „Bildung – Migration – soziale Lage“ gibt es kaum noch Kitas und Schulen, in denen weniger als zehn Prozent der Schüler eine Zuwanderungsgeschichte haben.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke - Migration ist in Bremen Schulen nichts Ungewöhnliches, sondern Normalität. Im Landesdurchschnitt haben fast 33 Prozent der Kinder an öffentlichen Schulen ausländische Wurzeln.

Das geht aus dem ersten Bildungsberichtsstand hervor. Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) stellte den 300 Seiten umfassenden Bericht „Bildung – Migration – soziale Lage“ gestern vor.

Unterstützt durch das Bundesprogramm „Lernen vor Ort“, hat den Bericht ein Autorenkollektiv im Auftrag von Jürgens-Pieper erarbeitet. „Damit liegt uns eine differenzierte Bestandsaufnahme der Situation des Bildungssystems mit dem Fokus Migration und soziale Lage vor“, sagte die Senatorin. Die Ergebnisse sollen Grundlage für einen Entwicklungsplan sein. Herausgekommen ist, dass ausländische Wurzeln allein kein Hinderungsgrund für Bildungserfolg sind. „Allerdings“, so die Senatorin, „sind Kinder mit Migrationshintergrund besonders häufig von Armut bedroht und leben häufig in Quartieren, in denen prekäre Lebensverhältnisse dominieren.“ Und Fazit des Berichtes sei: Wer in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachse, habe zumeist weniger Erfolg im Bildungssystem. Jürgens-Pieper: „Schulen im Land Bremen stehen damit vor besonderen Herausforderungen.“

Schwierige Lebensverhältnisse – die herrschen zum Beispiel im Bremer Westen, also in Gröpelingen, in Walle. Ein Geheimnis ist das nicht, aber, so die Senatorin: „Jetzt ist es nicht mehr ein gefühltes Problem, sondern wir haben es in dem Bericht schwarz auf weiß, wo es hakt.“

Fast 33 Prozent Migranten in Bremer Schulen – laut Jürgens-Pieper gibt es kaum noch Kindergärten und Schulen, in denen weniger als zehn Prozent der Schüler eine Zuwanderungsgeschichte haben. In 40 von 156 betrachteten öffentlichen Schulen liegt der Migrantenanteil bei über 50 Prozent, in etwa 40 Schulen beträgt der Anteil unter 20 Prozent. In den unteren Klassen lag der Migrantenanteil im Schuljahr 2009/2010 konstant bei 36 Prozent. In Bremerhaven gilt nach den Untersuchungen: Je niedriger die Klassenstufe, desto höher die Zahl der Migranten. In der ersten Klasse lag der Anteil bei 45 Prozent.

Als Risikolagen gelten Erwerbslosigkeit, Armut und niedriger Bildungsstand. 43 Prozent der Bremer Kids sind laut Senatorin von mindestens einer Risikolage betroffen, zehn Prozent von allen drei. Bremen liegt damit im Bundesvergleich am Ende. Migranten, so heißt es, sind besonders stark betroffen. Während Bremerhavens Migranten fast gleichauf von Schülern mit russischer (26 Prozent) und türkischer Muttersprache (25 Prozent) geprägt sind, zählt Bremen vor allem Schüler mit türkischen Wurzeln (37 Prozent). Russisch als Muttersprache folgt mit 15 Prozent.

Für Bremen wurde dem Bericht zufolge festgestellt: Je mehr Menschen Sozialhilfe in einem Stadtteil erhalten, desto höher ist dort auch die Zahl der Migranten – und umgekehrt. In 30 Ortsteilen (u.a. Gröpelingen, Tenever, Kattenturm) hakt es besonders, in 40 Ortsteilen (u.a. Borgfeld, Oberneuland, Schwachhauen) ist die Lage weniger prekär. Ist die soziale Lage schlecht, werden nach der Schule mehr Warteschleifen gedreht, was insbesondere für Migranten gilt.

Für die Senatorin ist klar, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen und Schulen sowie Stadtteile unterschiedlich behandelt werden müssen. In Gröpelingen ist daher bereits ein in der Schweiz erprobtes Programm mit dem Namen „Quims“ eingeführt worden. Es unterstützt Schulen mit hohem Migrantenanteil bei Sprachförderung, Schulübergängen und Elternbeteiligung. Eine Ausweitung ist geplant.

http://www.bildung.bremen.de

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