Michael Nast zu Gast: Prototyp der „Generation Beziehungsunfähig“ in Bremen

Selbstbezogen im Plauderton

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Autor Michael Nast zelebriert nach seiner Lesung im ausverkauften Veranstaltungszentrum „Modernes“ in der Neustadt das obligatorische Selfie mit seinem Publikum. Mit seinen Kolumnen, Büchern und Lesungen über die Liebe und das Leben trifft der Berliner offenkundig den Nerv der Zeit.

Bremen - Von Irena Güttel. Liebe, Partnerschaft, Kinder? Vielleicht später. Jetzt müssen wir uns erstmal selbst verwirklichen. Michael Nast hat über die „Generation Beziehungsunfähig“ ein Buch geschrieben – und damit auch über sich selbst.

Nast hat ein Ritual: Nach seiner Lesung steigt er aufs Pult, geht mit dem Rücken zum Publikum in die Hocke und lässt sich gemeinsam mit den vielen Zuschauern – hauptsächlich Frauen – fotografieren. Danach postet der 40-Jährige das Foto auf Facebook und Twitter. Der Berliner Autor weiß sich zu inszenieren.

Schließlich sind wir eine Generation von Selbstdarstellern, wie es im Youtube-Spot zu seinem neuen Buch „Generation Beziehungsunfähig“ heißt. Darin schreibt er über selbstbezogene junge Erwachsene, die vor lauter Selbstverwirklichungsdrang nicht mehr zueinander finden. Und meint damit auch sich selbst.

„Ich bin in gewisser Weise ein Prototyp“, sagt Nast. In wenigen Stunden wird er bei einer Lesung auf der Bühne stehen, im Veranstaltungszentrum „Modernes“ in der Bremer Neustadt. Jetzt sitzt er mit einem Ingwertee in der Hotellobby. Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, schwarzes Jackett, blonde Haare und Bart – gutaussehend, aber nicht zu sehr. Nast grinst und deutet auf seinen Tee. „Heute soll ja alles etwas aussagen. Wenn man einen Ingwertee trinkt oder einen Latte macchiato, ist das ein Statement.“ Bei ihm habe das Getränk aber rein praktische Gründe. „Ich darf auf keinen Fall krank werden.“

Im vergangenen Jahr hatte Nast einen Artikel über die „Generation Beziehungsunfähig“ geschrieben, der ihm zufolge drei Millionen Leser im Netz fand. Darauf baute er sein Buch auf. Fast täglich hält Nast Lesungen. Viele sind bereits Wochen vorher ausverkauft, auch die in Bremen.

Wie erklärt sich der

Hype? „Man findet sich in seinen Texten gut wieder. Er trifft den Nerv der Zeit“, sagt Steffi Finke, die zu Nasts Auftritt mit einer Freundin ins „Modernes“ gekommen ist. Eineinhalb Stunden liest Nast dort Passagen aus seinem Buch und seinen Online-Kolumnen vor, begleitet von lautem Gekicher im eindeutig vor allem weiblichen Publikum. Dabei geben seine Protagonisten in ihren Lebens- und Liebesmühen oft ein trauriges Bild ab.

Doch Nasts Schreibstil nimmt dem Thema jede Schwere – und teilweise auch die Tiefgründigkeit, wie Melina Reinhard nach der Bremer Lesung sagt. „Es war unterhaltsam, aber auch sehr oberflächlich.“ Viele seiner Texte beginnen damit, dass er mit einem Kumpel in einer Berliner Bar zusammensitzt und über Beziehungsprobleme spricht. Anekdotenhaft und in einem luftig-leichten Plauderton erzählt Nast, wie sich die jungen Großstädter nur noch um sich selbst drehen. Sie sind ewig auf der Suche nach dem noch perfekteren Partner. Arbeit ist mehr als ein Job, Selbstoptimierung steht an erster Stelle. Kommt die Beziehung da nicht mehr mit, wird sie abgelegt wie ein alter Schuh.

Was Nast schildert, sind keine neuen Erkenntnisse. Etliche Autoren haben diese Themen bereits durchgekaut. Auch Bücher über die Generationen „Golf“, „X“, „Y“ oder „Porno“ sind ein alter Hut. Dennoch trifft der Autor offenbar genau das Lebensgefühl seiner Leser(innen). Sein Verlag druckt bereits die vierte Auflage. „Ich schreibe nicht von oben herab, sondern aus der Generation heraus“, erklärt Nast seinen Erfolg. „Die Leute denken dadurch über ihr Leben nach.“

dpa

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