51 Messerstiche: 34-Jähriger steht wegen Totschlags vor Gericht

Bluttat im Alkoholrausch

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Mamadou D. (34) wird in den Gerichtssaal geführt. Er soll im Mai dieses Jahres seine Freundin mit 51 Messerstichen getötet haben, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher.

Bremen - Von Steffen Koller. Er soll sein Opfer mit 51 Messerstichen getötet haben. Seit heute muss sich Mamadou D. (34) deshalb vor dem Landgericht Bremen wegen Totschlags verantworten. Der Angeklagte gestand die Tat, trotzdem bleiben viele Fragen offen.

Stunden nach der Attacke hatte der Mann 2,52 Promille Alkohol im Blut. Erinnern kann er sich an nichts, sagt er. Es ist 15.30 Uhr am 17.Mai dieses Jahres, als D. laut Anklageschrift zu seiner Freundin (48) nach Burglesum fährt. Die Nacht hat er in Bremerhaven verbracht und „viel, sehr viel“ Alkohol getrunken, sagte er dem Vorsitzenden Richter Helmut Kellermann. Bereits auf der Fahrt habe seine Erinnerung ausgesetzt, an die Tat könne er sich nicht erinnern. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat D. der Frau in ihrer eigenen Wohnung im „Zustand der Schuldunfähigkeit“ 51 gezielte Messerstiche gegen Hals, Gesicht und Oberkörper zugefügt. Ein alarmierter Notarzt stellt den Tod der Frau fest. D. wird noch am Tatort festgenommen. Später, als er im Gefängniskrankenhaus wieder zu sich kommt, sei „alles voller Blut gewesen“, berichtete der Ivorer, der seit 2002 in Deutschland lebt. „Ich dachte, ich hatte einen Unfall“, übersetzte ein Dolmetscher.

Obwohl der Angeklagte sich an nichts erinnern könne, ließ er durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Thiel, erklären, dass er „tief betroffen“ und „fassungslos“ über seine Tat sei.

Mamadou D. starrte, während er von seiner Beziehung zur 48-Jährigen sprach, unentwegt geradeaus, kein Blick ging in Richtung der Angehörigen, die als Nebenkläger am Prozess teilnahmen. Der kräftige Mann mit Glatze und Karohemd kennt die Frau seit 2009. Seither seien sie ein Paar gewesen, sogar heiraten wollten sie, doch das sei an fehlenden Dokumenten aus seinem Heimatland gescheitert, sagte er, während sich im Zuschauerraum die Schwestern der Getöteten Tränen aus dem Gesicht wischten. Der Richter fragte, ob die Frauen dem Prozess weiter beiwohnen wollen. Eine sagte: „Ich möchte es hören!“

2007 hat D. begonnen, regelmäßig Alkohol zu trinken, im Laufe der Jahre steigerte sich der Konsum. „Manchmal kippe ich um, wenn ich zu viel habe.“ Seine Freundin habe sein Alkoholproblem nicht gestört, vielmehr habe sie ihm ebenfalls Alkohol besorgt. Die Staatsanwaltschaft spricht in ihrer Anklageschrift von einer „alkoholbedingten Störung“. Aufschluss soll die Verlesung eines psychologischen Gutachtens liefern.

Zwar gab D. bereitwillig Auskunft über die Beziehung zur Getöteten, doch fielen seine Aussagen zu den persönlichen Verhältnissen spärlich aus. Ob sie Geldsorgen oder andere Partner hatte, kann der 34-Jährige nicht sagen. „Ich weiß es einfach nicht.“Mit Blick auf das mögliche Motiv kann das Gericht nur mutmaßen. Zeugen hätten berichtet, wie D. „verwirrt“ vor dem Haus des Opfers gestanden und Geld gefordert habe. Zudem komme auch eine Beziehungstat aus Eifersucht infrage. Zur Tatzeit soll sich noch ein weiterer Mann in der Wohnung aufgehalten haben.

D. drohen bei einer Verurteilung mindestens fünf Jahre Haft. Der Prozess soll am 19. November fortgesetzt werden.

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