Bluttat auf Supermarktparkplatz: Paar muss sich vor Gericht verantworten

Messerstich direkt ins Herz

Mord an einem 54-Jährigen – so lautet der Vorwurf gegen Thomas N. (57, rechts vorne) und seine Lebensgefährtin Stefanie R. (47, links vorne). Beide wollten zum Auftakt des Prozesses nichts zu den Vorwürfen sagen, ließen sie durch ihre Anwälte Thomas Domanski (l.) und Bernd Fiessler mitteilen. Foto: KOLLER

Bremen - Von Steffen Koller. Zunächst war da dieses Gerücht, zwei Tage später stirbt ein 54-Jähriger im Krankenhaus. Ein Mann (57) und eine Frau (47) stehen seit Dienstag wegen Mordes vor dem Landgericht Bremen. Beide sollen im Mai einen Mann auf einem Bremerhavener Supermarktparkplatz mit Messern attackiert und tödlich verletzt haben. Dem Angeklagten droht nun sogar Sicherungsverwahrung.

Nach Überzeugung von Staatsanwalt Jan Möhle hat sich am 8. Mai dieses Jahres folgendes Szenario ereignet: Nachdem Stefanie R. (47) ihrem Lebensgefährten Thomas N. (57) einen Tag zuvor mitteilte, dass sie vom späteren Opfer im Intimbereich berührt worden sei, suchte das Duo den 54-Jährigen gegen kurz vor 13 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarktes an der Stormstraße in Bremerhaven-Lehe auf.

Das Paar, so Möhle, habe zu diesem Zeitpunkt bereits vereinbart, den Mann „gemeinsam abzustechen“. Dazu soll es sich mit einem Küchenmesser und zwei Steakmessern „bewaffnet“ und den 54-Jährigen am Supermarkt abgepasst haben. Schnell sei es zum Streit, kurz danach zu einer Rangelei zwischen den drei Personen gekommen.

Wie Möhle in der Anklage weiter ausführte, soll erst Stefanie R. auf den Mann eingeschlagen und von hinten mit einem Steakmesser auf seinen Nacken eingestochen haben – so heftig, dass das Messer letztlich abbrach.

Thomas N., mehrfach vorbestraft und 1998 sowie 2013 zu Gefängnisstrafen verurteilt, habe von vorne in die Brust des Opfers gestochen – ebenfalls mit so großer Kraft, dass das Messer das Herz des 54-Jährigen durchstach und im Brustkorb steckenblieb. Stefanie R., so schildert es Möhle, habe ihrem Lebensgefährten während der Attacke zugerufen: „Stich ihn ab! Stich ihn ab! Bring' ihn um!“ Das Opfer sackte noch am Tatort zusammen und starb einen Tag später im Krankenhaus.

Alarmierte Polizeibeamte nahmen das Paar fest. Dabei habe sich Thomas N. so heftig gewehrt und nach den Polizisten getreten und geschlagen, dass er sich neben Mordes auch wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten muss.

Der Tatbeitrag von Stefanie R. müsse vom Gericht noch abschließend geklärt werden, bei ihr komme auch eine Verurteilung wegen Anstiftung oder Beihilfe zum Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in Betracht, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert zum Prozessauftakt. Darüberhinaus könne bei einer Verurteilung auch die Unterbringung in einer Entzugsklinik angeordnet werden. Beide Angeklagte waren zur Tatzeit erheblich alkoholisiert, hieß es. Thomas N. soll etwa 3,2 Promille, Stefanie R. rund 2,9 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Für Thomas N. komme bei einer Verurteilung zudem Sicherungsverwahrung in Betracht, so der rechtliche Hinweis von Richter Seifert.

Zu Prozessauftakt ließen die Angeklagten über ihre Verteidiger mitteilen, sich momentan nicht zur Sache zu äußern. Ob beide sich überhaupt zu den Vorwürfen äußern werden, blieb zunächst offen.

Die Verhandlung soll am Freitag, 8. November, mit der Beweisaufnahme fortgesetzt werden. Der Prozess ist bis Ende Januar kommenden Jahres terminiert. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht beiden Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.

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