Mehr als fünf Jahre Haft

Messerattacke im Vollrausch: Landgericht verurteilt 40-Jährige

+
Haftstrafe nach Messerattacke: die 40-jährige Angeklagte (r.) kurz vor der Urteilsverkündung mit ihrem Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Domanski (Mitte).

Bremen - Kein versuchter Mord, kein versuchter Totschlag – dafür gefährliche Körperverletzung und klare Worte eines Richters. Das Bremer Landgericht hat am Donnerstag eine 40-Jährige zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Frau hatte nach Auffassung der Kammer im April auf ihren Lebenspartner eingestochen und diesen lebensgefährlich verletzt. Es war nicht das erste Mal, dass die Frau äußerst brutal auf einen Mann losging.

Die gute Nachricht für die Angeklagte vorweg: Das Gericht unter Vorsitz von Richter Jens Florstedt sah in der Messerattacke auf ihren einstigen Freund (54) in dessen Bremerhavener Wohnung keinen versuchten Mord und befand auch nicht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Dennoch muss die Frau für längere Zeit ins Gefängnis. Genaugenommen steht der Frau zunächst ein Vorwegvollzug bevor. Ein Jahr und zwei Monate geht es für die 40-Jährige in eine Justizvollzugsanstalt, den Rest der Strafe wird die Angeklagte auf Anordnung des Gerichts in einer Entziehungsanstalt verbringen. Psychiatrische Gutachter kamen zum Ergebnis, dass die Frau ein „erhebliches Alkoholproblem“ hat, zur Tatzeit am 20. April hatte sie etwa 2,5 bis 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Häufig tranken die Frau und das spätere Opfer Alkohol. Am Tattag, so das Ergebnis der Beweisaufnahme, kam es zum Streit zwischen den beiden.

Die Angeklagte zog daraufhin ein Klappmesser und stach zweimal auf den 54-Jährigen ein. Ein Stich durchtrennte eine Arterie im Rippenbereich. Ohne notärztliche Versorgung wäre der Mann verblutet, davon ist die Kammer überzeugt. „Eine Vielzahl von Indizien belegen die Stiche“, sagte Richter Florstedt. So fanden sich am Messer sowohl DNA-Spuren der Frau als auch vom Opfer. Zudem hatte sie die Tat gegenüber einem Kumpel zugegeben. Vor Gericht schwieg die 40-Jährige bis zuletzt. Florstedts Fazit: „Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass Sie die Tat begangen haben.“

Zweifel kamen aber dennoch auf, was den ursprünglich zur Anklage gebrachten Mordvorwurf betraf. Die für eine Verurteilung wegen Mordes notwendigen niederen Beweggründe – in diesem Fall Eifersucht und Heimtücke – konnte das Gericht nicht feststellen, was auch maßgeblich an den Aussagen des Opfers lag.

Das Gericht hatte „erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen“. Florstedt: „So viel Widersprüchliches erlebt man als Richter selten.“ Vieles beruhe auf Schlussfolgerungen des Mannes, zudem habe er aufgrund des „massiven Alkoholkonsums“ am Tattag große Erinnerungslücken. Wie fast alle Zeugen, die zum Großteil aus dem „Trinkermilieu“ stammten. „Sie haben sich sprichwörtlich um den Verstand getrunken“, sagte Florstedt in der Urteilsbegründung. Da bei der Frau ein Hang zum exzessiven Alkoholkonsum bestehe und sie im berauschten Zustand „ein erhebliches Gewaltproblem“ habe, so Florstedt, sei eine Therapie notwendig. Ansonsten sei zu erwarten, dass die Frau weitere Straftaten begehe.

Das stellte die Angeklagte bereits im Jahr 2011 eindrücklich unter Beweis. Damals, so urteilte das Amtsgericht Bremerhaven, drückte die Frau einen in einer Badewanne liegenden Mann erst unter Wasser, um ihm danach so kräftig am Hodensack zu ziehen, dass ein Hoden komplett rausgerissen wurde. 2013 bekam sie dafür eine Bewährungsstrafe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Welthunger-Index 2019: Klimawandel verschärft den Hunger

Welthunger-Index 2019: Klimawandel verschärft den Hunger

Zahl der Toten nach Taifun in Japan steigt auf 66

Zahl der Toten nach Taifun in Japan steigt auf 66

Pakistan-Reise: William und Kate treffen politische Führer

Pakistan-Reise: William und Kate treffen politische Führer

Schwere Kämpfe in Nordsyrien: Kurden schlagen zurück

Schwere Kämpfe in Nordsyrien: Kurden schlagen zurück

Meistgelesene Artikel

Bombendrohung für das Bremer Rathaus: Polizei gibt Entwarnung

Bombendrohung für das Bremer Rathaus: Polizei gibt Entwarnung

Hilfe, wo sie nötig ist: SOS-Kinderdorf kommt direkt in die Bremer City

Hilfe, wo sie nötig ist: SOS-Kinderdorf kommt direkt in die Bremer City

Polizei fasst Brandstifter - dieser gibt gleich mehrere Taten zu

Polizei fasst Brandstifter - dieser gibt gleich mehrere Taten zu

Polizei findet Leiche mit Schuss im Kopf in Wohnung – Identität geklärt

Polizei findet Leiche mit Schuss im Kopf in Wohnung – Identität geklärt

Kommentare