Angeklagter muss sieben Jahre in Haft

Messerattacke beim Gassigehen in Bremen

Der Angeklagte und seine Verteidiger  Mario Kroschewski und Detlef Vetter im Gerichtssaal.
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Heimtückisch, so urteilte das Landgericht, hatte der 41-Jährige (vorne) im Oktober 2020 versucht, den neuen Freund seiner Ex-Frau zu ermorden. Die Verteidiger des Mannes, die Rechtsanwälte Mario Kroschewski (l.) und Detlef Vetter, plädierten auf gefährliche Körperverletzung.

Für sieben Jahre muss ein 41-Jähriger hinter Gitter, der seinen Nebenbuhler niedergestochen haben soll. Das Landgericht verurteilte ihn wegen versuchten Mordes.

Bremen – Das Landgericht Bremen hat am Donnerstag einen 41 Jahre alten Mann wegen versuchten Mordes am neuen Freund seiner Ex-Frau zu sieben Jahren Haft verurteilt. Zudem wurde die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Mit dem Strafmaß blieb die Kammer knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vergangene Woche auf siebeneinhalb Jahre plädiert hatte. Das Strafmaß lag deutlich über den Anträgen der Verteidigung, die zwischen zweieinhalb und fünf Jahren Gefängnis gefordert hatte.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kam das Gericht zu folgender Feststellung: Der Angeklagte, der etwa 15 Jahre mit der Frau verheiratet war, fuhr am Abend des 15. Oktober 2020 zu ihrer Wohnung, um dort nach eigener Aussage einen Ring abzugeben, den der Mann beim Aufräumen entdeckt haben will. Als er seine Ex-Frau nicht antraf, soll er über einen am Haus verlaufenden Schleichweg auf sein Opfer, den 33-jährigen Pascal H., getroffen sein. Binnen weniger Augenblicke, so stellte es die Kammer fest, fasste der Angeklagte den Entschluss, den neuen Freund seiner Frau zu töten. Ob dieser Entschluss bereits bei der Fahrt zum Wohnhaus bestanden habe, lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen, sagte der Vorsitzende Richter Björn Kemper. Was jedoch nach Überzeugung des Gerichts feststeht, ist das weitere Geschehen, das den 33-Jährigen beinahe das Leben gekostet hätte.

Hund wird zum Lebensretter

So soll der Angeklagte sich von hinten an den neuen Freund seiner Ex-Frau geschlichen, diesen umklammert und mit einem Messer (Klingenlänge sieben Zentimeter) einen Stich in den Hals und einen weiteren in den Oberkörper gesetzt haben. Trotz der schweren Verletzungen – ein Stich verfehlte nur um wenige Zentimeter die Halsschlagader, ein anderer traf die Leber – gelang es dem Opfer, sich gegen weitere Angriffe des Mannes, der sich mittlerweile auf ihn gesetzt hatte, zu wehren. Zu Hilfe kam ihm dabei sein American-Staffordshire-Terrier-Mix „Two Face“, der den Angreifer anbellte und letztlich in die Hand biss, so dass der Mann von weiteren Angriffen abgehalten wurde.

Das Gericht stützte sich im Urteil in großen Teilen auf die Aussagen des Opfers, die Richter Kemper als „absolut authentisch“ beschrieb. Weder beim Nebenkläger noch bei seiner Freundin seien Belastungstendenzen gegenüber dem Angeklagten erkennbar gewesen. Das Berichtete sei „nachvollziehbar“ und „sehr neutral“ gewesen. Die Aussagen weiterer zwei Zeugen, die das Tatgeschehen beobachtet hatten, deckten sich demnach mit dem, was der 33-Jährige zu Protokoll gegeben hatte. Die Aussage des Angeklagten, wonach er ohne erkennbaren Grund vom Hund des Opfers angegriffen worden sei und sich daraufhin verteidigt habe, hält das Gericht hingegen nicht für glaubhaft.

Angriff ohne Vorwarnung

Der 41-Jährige habe bewusst die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt, indem er es von hinten ohne Vorwarnung angriff und zustach, sagte der Vorsitzende. Somit sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Ein niederer Beweggrund, in diesem Fall Eifersucht, konnte das Gericht indes nicht zweifelsfrei feststellen. Da der Mann während der Tat, so belegen es toxikologische Gutachten, „akute, mindestens erhebliche Mengen“ Kokain sowie Steroide im Blut hatte und zudem an einer Persönlichkeitsstörung leide, sei die Schuldfähigkeit zumindest eingeschränkt gewesen. Dieser Umstand führte letztlich zu einer Strafrahmenverschiebung. Ohne diese Feststellung hätte dem Mann wohl eine lebenslange Freiheitsstrafe gedroht.

Da laut psychiatrischem Gutachten ein sogenannter Hang zum übermäßigen Drogenkonsum vorliege und die Tat in „klarem Zusammenhang“ mit dem Konsum stehe, ordnete die Kammer die Unterbringung des Angeklagten in einer Entzugsklinik an. „Ohne Zweifel besteht dieser Hang. Und unbehandelt bleiben Sie eine Gefahr für die Allgemeinheit. Nutzen Sie Ihre Chance!“, sagte Richter Kemper abschließend.

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