30-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Streit vor Bremerhavener Bar eskaliert: Messerangriff nach Kneipentour

Bremen - Von Steffen Koller. Zwei 30 Jahre alte Männer müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Bremen verantworten. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung und versuchter Totschlag. Beide sollen in unterschiedlicher Tatbeteiligung im November 2018 nach einem Streit in einer Bremerhavener Kneipe auf andere Männer losgegangen sein. Ein damals 18-Jähriger wäre dabei fast gestorben.

Marcel K. betritt am 2. November 2018 nach mehr als zweieinhalb Jahren wieder deutschen Boden. Zuvor war der 30-Jährige in den USA. Lebte und arbeitete dort. Zweieinhalb Jahre, in denen er auch seinen Schulfreund Sergej T. (30) nicht gesehen hat. „Wir wollten uns eigentlich einen schönen Abend machen“, erinnerte sich Marcel K. am Mittwoch. Doch der Abend endet beinahe in einer Tragödie. Die Bilanz: mehrere Verletzte, ein junger Mann schwebt in Lebensgefahr. Bevor die beiden kurz nach Mitternacht in eine Kneipe an der Lessingstraße einkehren, will Sergej T. nach eigenen Angaben „erhebliche Mengen Alkohol“ getrunken und Kokain konsumiert haben. Exakt könne er es heute nicht mehr sagen, doch „acht Flaschen Bier, 0,7 Liter Schnaps und 400 Milligramm Kokain“ seien es dann doch gewesen, hieß es einer Erklärung, die sein Verteidiger Dr. Mark Waisbruch verlas. Betrunken habe er sich nicht gefühlt, „nur leicht schwankend auf den Beinen“.

Im Laufe des Abends „pöbelt“ ein Kneipengast, so Marcel K., in Richtung der beiden. Minuten später sei derselbe Mann mit zwei „Helfern“ erneut erschienen. Der Streit habe sich dann vor die Bar verlagert, wo der gebürtige Kasache Sergej T. laut Staatsanwaltschaft zunächst mit einer Bierflasche mehrfach auf den Kopf eines 22-Jährigen einprügelt. Während Marcel K. laut Anklage einem anderen Mann (19) mit der Faust ins Gesicht schlägt, soll Sergej T. zweimal mit einem Messer in Bauch und Rücken eines damals 18-Jährigen gestochen haben. Das mutmaßliche Opfer schleppt sich bis zu einer Spielothek, bricht dort zusammen. Mit lebensbedrohlichen Verletzungen an Leber und Blutgefäßen bringen Sanitäter den jungen Mann in ein Krankenhaus, wo er notoperiert wird.

Sergej T. beteuerte, er könne sich weder an die Schläge mit der Bierflasche noch an die Messerstiche erinnern. Er wisse nur, dass er angegriffen worden sei und sich verteidigen wollte. „Ich hatte Angst“, so der Angeklagte. Das Messer habe er Stunden zuvor vom zweiten Angeklagten als Souvenir aus den USA geschenkt bekommen und am Abend an einer Kette um den Hals getragen. Dass er jemanden beinahe getötet hätte, so wie von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht, erfuhr Sergej T. nach eigenen Angaben erst einen Tag danach aus der Presse. Der Angeklagte entschuldigte sich im Gericht „aufrichtig“ beim 18-Jährigen, der durch einen Anwalt als Nebenkläger vertreten wird.

Sergej T. drohen bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags bis zu zehn Jahre Haft, Marcel K. muss bei einem Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung mit zu fünf Jahren Gefängnis rechnen. Der Prozess, für den mehr als zehn Verhandlungstage angesetzt sind, wird am 23. Mai fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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