Messer-Versteck im BH

Angriff vorm „Stubu“: Gericht verurteilt 21-Jährigen

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Das Bremer Landgericht hat den 21 Jahre alten Angeklagten (l.) am Freitag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Die mitangeklagte 27-Jährige erhielt eine neunmonatige Bewährungsstrafe.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie tranken, feierten, tanzten – und am Ende wäre fast ein Mensch gestorben: Das Bremer Landgericht hat am Freitag einen 21-jährigen Mann wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Mit der Hilfe einer ebenfalls angeklagten Frau (27) hat der Mann im Oktober vorigen Jahres einen Gast der Bremer Disco „Stubu Dancehouse“ (Discomeile) mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt, hieß es.

Schwurgericht folgt Empfehlung der Staatsanwaltschaft

Mit dem Urteil folgte das Schwurgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zumindest für den 21-Jährigen das gleiche Strafmaß beantragt hatte. Für die 27-jährige Mitangeklagte, die letztlich wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt wurde, hatte die Anklagevertretung eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gefordert. Das Landgericht legte das Strafmaß für die junge Frau am Ende auf neun Monate fest. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Beide Angeklagten nahmen das Urteil ohne nach außen hin sichtbare Reaktion auf.

Geht es nach der Vorsitzenden Richterin Barbara Lätzel, hat sich am 23. Oktober vergangenen Jahres folgende Geschichte an der Bremer Discomeile abgespielt: Es ist Mittwoch, als kurz nach Mitternacht die beiden Angeklagten sowie zwei Freunde die Discothek besuchen. Sie trinken Wodka, rauchen Joints und konsumieren Kokain. Im Laufe des Abends gesellen sich weitere Bekannte zur Gruppe. Aus einer anfangs noch harmonischen Partynacht wird gegen 3.30 Uhr beinahe tödlicher Ernst.

Psychische Nachwirkungen bei dem Verletzten „immens“

Nach Rekonstruktion des Gerichts soll der 21-Jährige die Begleiterin eines Bekannten im Toilettenbereich an den Hintern gefasst haben. Ob dem wirklich so war, konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden, hieß es am Freitag. Es kommt zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung beider Gruppen, die schnell mit Bierflaschen und Barhockern ihre Fortführung findet – bis der Sicherheitsdienst einschreitet und die Streithähne rausschmeißt. Bis hierhin, so sagten Zeugen vor Gericht aus, seien alle Beteiligten „kooperativ“ gewesen. Doch zu früh gefreut.

Im Außenbereich der Disco kommt die 27-Jährige ins Spiel, die für den Mitangeklagten ein Messer bei sich führt. Versteckt hat sie es in ihrem BH. Wie auf Videoaufnahmen der Disco zu sehen ist, stürmt der Angeklagte auf seinen Kontrahenten zu und versetzt ihm „aus dem Lauf heraus und mit einer wuchtigen Bewegung“ einen Stich Richtung Oberkörper, so Lätzel. Der 21-Jährige flüchtet, wird kurze Zeit später von Polizisten festgenommen.

Der verletzte 23-Jährige muss sofort ins Krankenhaus, „unversorgt wäre er gestorben“, so die Richterin in der Urteilsbegründung. Bis heute leide der Mann unter den Folgen der Tat – besonders die psychischen Nachwirkungen seien „immens“.

Angeklagte erklärt, er habe Angst gehabt - Kammer widerspricht

Der Hauptangeklagte hatte während des Prozesses behauptet, aus Angst gehandelt zu haben. Dem widersprach die Kammer: „Entgegen Ihrer Einlassung war Ihr Tun nicht von Angst geprägt. Sie waren schlicht wütend“, sagte Richterin Lätzel. Zudem machte sie deutlich, dass „die Gefahr eines tödlichen Ausgangs auf der Hand“ gelegen habe. Auch die Version der 27-Jährigen, sie habe von der vorherigen Auseinandersetzung der Männer nichts mitbekommen, glaubte das Gericht nicht. Es habe ein „sehr konkretes Risiko“ bestanden, sagte die Richterin.

Beide Strafmaße seien „angemessen und unbedingt erforderlich“, erklärte Lätzel und sagte dem 21-Jährigen: „Machen Sie sich in aller Deutlichkeit klar, dass Ihr Verhalten fast ein Menschenleben gekostet hätte.“

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