Nach Massenschlägerei: 24-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Bremen: Messer im Hals

Anklage wegen versuchten Totschlags: Der 24 Jahre alte Angeklagte werde zunächst schweigen, sagte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Holle (r.).
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Anklage wegen versuchten Totschlags: Der 24 Jahre alte Angeklagte werde zunächst schweigen, sagte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Holle (r.).

Bremen – Nach einer wilden Massenschlägerei, an der im Mai dieses Jahres bis zu 16  Personen beteiligt gewesen sein sollen, muss sich seit Montag ein 24-jähriger Syrer vor dem Landgericht Bremen wegen versuchten Totschlags verantworten. Der Mann soll einem Kontrahenten ein Messer in den Hals gerammt haben, heißt es in der Anklage. Das Opfer erlitt lebensbedrohliche Verletzungen.

Zunächst seien am späten Abend des 27. Mai vier Männer vor dem Bahnhof in Vegesack aneinandergeraten. Verbal, aber auch körperlich sei es dabei zur Sache gegangen, rekonstruierte die Staatsanwältin das Geschehen.

Warum die Männer stritten, scheint bislang unklar. Wesentlich klarer scheint jedoch das weitere Geschehen zu sein: Nachdem der Angeklagte und ein 22-jähriger Bekannter des Mannes gegen ein Auto traten und laut der Vorwürfe versuchten, auch eine Seitenscheibe des Kleinwagens zu zerstören, flüchteten die beiden vom Bahnhofsvorplatz.

Bremen - Messer im Hals: Geschlagen, getreten und bespuckt

Während der 22-Jährige beim Fluchtversuch hinfiel, von der Gruppe eingeholt und am Boden liegend geschlagen, getreten und bespuckt worden sein soll, schaffte es der Angeklagte einige Straßen weiter.

Ein Mann aus der Gruppe, ein 27-Jähriger, hatte sich zwischenzeitlich auf ein Fahrrad gesetzt und fuhr dem Angeklagten nach Angaben der Staatsanwältin hinterher. Der 27-Jährige soll den Syrer aufgefordert haben, das Messer wegzulegen, schließlich wolle er nur „reden“. Doch der Angeklagte habe zugestochen – mit einem Messer in den Hals des Mannes. Durch den Stich erlitt das mutmaßliche Opfer eine etwa drei Zentimeter breite und 13 Zentimeter tiefe Wunde im Halsbereich – und schwebte kurzzeitig in Lebensgefahr.

Das soll der Angeklagte „billigend in Kauf genommen haben“, er habe versucht, einen Menschen zu töten, „ohne Mörder zu sein“, sagte die Staatsanwältin, die hinzufügte: „Der Angeklagte stach zu, bis das Messer auf einen Knochen traf. Dann zog er das Messer wieder heraus.“

Bremen - Messer im Hals: Arabische Großfamilie an Schlägerei beteiligt?

Der Prozessauftakt wurde von mehreren Polizisten vor und im Gerichtssaal abgesichert. Dem Vernehmen nach waren an der Schlägerei auch Angehörige der deutschlandweit bekannten arabischen Großfamilie R. beteiligt.

Ob und wann der Angeklagte Angaben zur mutmaßlichen Tat machen wird, war zunächst unklar, zu Prozessauftakt schwieg er jedenfalls. Jedoch wurde deutlich, dass sich die Verfahrensbeteiligten im Vorfeld auf keine Verständigung („Deal“) geeinigt hatten. So drohen dem 24-Jährigen bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags bis zu zehn Jahre Haft. Die Verhandlung, für die bis Mitte Januar zwölf weitere Prozesstage terminiert wurden, soll am Donnerstag, 19. November, fortgesetzt werden.

Die Vernehmung des Opfers ist für Donnerstag, 26. November, geplant. Ob der Mann Angaben zur Tat machen wird, scheint zumindest fraglich. Er hat sich nach Auskunft des Gerichts bereits einen Zeugenbeistand genommen.

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