Aktionstag am Sonnabend

95 Jahre Wochenmarkt auf dem Domshof Bremen

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Blick auf das Markttreiben auf dem Domshof. Seit 95 Jahren ist der Wochenmarkt hier zu finden. Das wollen die Händler am Sonnabend mit ihren Kunden feiern.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. 1922, zu Zeiten der Inflation, ging es los – zum ersten Mal wurde in jenem Jahr ein Wochenmarkt auf dem Domshof aufgebaut. Das ist nun 95 Jahre her – und genau das möchte der Großmarkt feiern. Natürlich nicht mit inflationären Preisen, sondern mit einem Aktionstag am Sonnabend, 16. September.

Ringsum Straßenbahnschienen und Autoverkehr, in der Mitte eine ovale (Markt-)Fläche, die von Silberlinden eingerahmt wurde. So sah er in den Anfangsjahren aus, der Wochenmarkt auf dem Domshof. In den 30er Jahren waren die Marktstände deutlich kleiner als heute, sie ließen sich so auch schneller auf- und abbauen. Bei schönem Wetter verzichteten die Händler auf Abdeckungen und Überdachungen. Bis hinein in den Zweiten Weltkrieg, als er im Jahr 1940 der „Metallspende“ für die Rüstung zum Opfer fiel, rundete der 1899 eingeweihte „Teichmann-Brunnen“ das Bild auf dem Domshof ab. Blickfang: ein Merkur, nackt, mit Ölzweig und Geldbeutel.

Doch eben immerhin: der Gott des Handels. Frisch vom Markt. . . Marktstände hat es in Bremen lange Zeit – man ahnt es – auf dem Marktplatz gegeben. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es unter Rolands Augen zudem zweimal jährlich einen Dienstbotenmarkt, auf dem Knechte und Mägde ihre Arbeitskraft anboten.

Bis September 1922 wurden die Stände des Wochenmarkts auf dem Marktplatz aufgebaut. Dann folgte der Umzug auf den Domshof – wenngleich es auch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch einzelne Obst- und Gemüsestände auf dem Marktplatz gegeben hat. Der eigentliche Wochenmarkt aber, er hatte sich nun längst auf dem Domshof etabliert. Kunden konnten, wenn sie es denn wollten, mit dem Auto zum Markt fahren.

Heute öffnet der Markt montags bis sonnabends um 8 Uhr. Um 14 Uhr ist Schluss, sonnabends erst um 15 Uhr. Montags und dienstags sind in der Regel 17 Händler hier, freitags und sonnabends sind es um die 30. Manchmal sausen Radfahrer durch die Gänge zwischen den Ständen, was für Verärgerung sorgt. Die Händler stellen dann schon mal Schilder auf, mit denen sie die Radler zum Absteigen bewegen wollen. Das Marktgeschehen prägt den Domshof in den Morgen- und Mittagsstunden. Und es sorgt für Diskussionen.

Seit Jahren Kritik am Erscheinungsbild

Seit Jahren schon gibt es Kritik am Erscheinungsbild des Markts im Herzen der Stadt, oft wird der bei Kunden sehr beliebte Findorff-Markt als Vorbild zitiert. Echte Verbesserungen aber hat es bislang nicht gegeben. Der große Wurf am Domshof, er steht noch aus.

Jüngst sind wieder einmal neue Verbesserungs- und Verschönerungspläne für das Areal ins Gespräch gekommen, die natürlich auch den Wochenmarkt verändern würden (wir berichteten). Die Gelegenheit ist günstig, da sich zuletzt am Domshof vieles verändert hat – Landesbank-Neubau, Eröffnung von „Manufactum“-Kaufhaus und „Markthalle Acht“.

Planer haben nun vorgeschlagen, dass der Großmarkt den Wochenmarkt im Schatten des Doms rund um den Neptunbrunnen gruppieren könnte. Mehr Atmosphäre, mehr Charme – das ist das Ziel. Weitere Ausbreitung in Richtung Rathaus und Dom: nicht ausgeschlossen.

Doch zurück in die Gegenwart. Am Sonnabend wollen die Markthändler erst einmal mit ihren Kunden feiern. Glücksrad, Stelzenläufer und Ballonkünstler sind angekündigt. Ab 10 Uhr gibt‘s zudem maritim geprägt Live-Musik mit Jonny Glut.

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