Produktionsstopp?

Mercedes-Werk in Bremen: Zulieferer bangen um Zukunft

Ein Mercedes-Benz EQC wird nach der Batteriemontage durch das Werk transportiert.
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Im Mercedes-Werk Bremen stehen ab Montag wieder die Fließbänder still. Auch Angestellte der Zulieferer müssen erneut in die Kurzarbeit.

Im Werk von Mercedes-Benz stehen in Bremen immer wieder die Fließbänder still. Leiharbeiter orientieren sich um und Zulieferer müssen mit Unsicherheit kämpfen.

Bremen – Im Mercedes-Werk Bremen stehen ab Montag, 11. Oktober, mal wieder die Bänder still. Eine schwierige Situation nicht nur für den größten privaten Arbeitgeber in Bremen, sondern auch für die Tausenden Arbeiterinnen und Arbeiter, die unter der Situation zu leiden haben. Sie werden vom Werk in der Hansestadt für drei Tage in die Kurzarbeit geschickt. Auch Leiharbeiter müssen gehen, gleich 300 an der Zahl bereits in der kommenden Woche.

Hansestadt: Bremen
Fläche:326,7 km²
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte
Bevölkerung:569.352 (2019) Eurostat

Und doch sind sie nicht die einzigen, die in Röhre schauen. Denn auch die Zulieferer und Dienstleister für das Mercedes-Werk Bremen müssen bangen. Das alles ist die Folgen der Lieferengpässe bei Einzelteilen und des weltweiten Chipmangels*.

Über 40 Unternehmen und über 4000 Beschäftige sind vom Mercedes-Werk in Bremen abhängig

Nach Information der Bremer Wirtschaftsforderung hängen über 40 Unternehmen und etwa 4000 Beschäftigte am Tropf des Mercedes-Werks in Bremen. Die Dachsysteme, Elektronik und Scheinwerfer sowie Sitze für die Mercedes C-Klasse, E-Klasse oder den SUV GLC und den Elektrowagen EQC von Daimler müssen ja schließlich irgendwo herkommen.

Die Zulieferer und Dienstleister haben somit keinen ganz unerheblichen Anteil, an der Fertigung der bis zu 400.000 Autos, die im Mercedes-Werk Bremen entstehen, wenn die Maschinerie auf Hochtouren läuft. Allerdings hat die Produktionsstätte in Bremen in diesem Jahr aus den genannten Gründen ordentlich Sand im Getriebe, sodass möglicherweise nur 230.000 Modelle bis Jahresende produziert werden. Und das hat Konsequenzen für das zerbrechliche System, das rund um das Mercedes-Werk in Bremen entstanden ist.

Denn am Ende gilt eine ganz einfache Milchmädchenrechnung: Kurzarbeit bei Daimler bedeutet im Normalfall auch Kurzarbeit bei den Zulieferern.

Mercedes-Werk Bremen: Zulieferer schicken Belegschaft in Kurzarbeit

„Aufgrund des massiven Rückgangs der weltweiten Fahrzeugproduktion ist aktuell rund ein Drittel der Hella-Belegschaft in Bremen für ein bis zwei Tage pro Woche in Kurzarbeit“, sagt Unternehmenssprecher Markus Richter vom Leuchtenhersteller Hella gegenüber „butenunbinnen.de“. Besonders der Notstand bei Halbleitern* und anderen Elektronikkomponenten macht dem weltweit agierenden Zulieferer zunehmend Probleme.

Kommunikation aus dem Mercedes-Werk in Bremen nicht optimal

Eine weitere Stolperfalle ist, dass die Zulieferer und Dienstleister schlecht planen können. Von einer Auftragssicherheit lässt sich erst recht nicht sprechen. Auch die Informationen liefen bei Daimler spärlich, führen von „buten un binnen“ befragte Zulieferer aus. Der Konzern informiere meist eine Woche im Voraus, ob Teile und Dienstleistungen gebraucht werden. Verhandlungen der Zulieferer mit dem Mercedes-Werk darüber, wer mögliche Verluste durch Ausfälle trägt, verliefen ebenfalls zäh.

Finanziell sieht die Lage natürlich auch nicht gerade rosig aus. Die Situation schlägt sich auch auf diese Art und Weise bei den Mitarbeitenden der Zulieferer nieder, da das staatliche Kurzarbeitergeld auf etwa zwei Drittel des Nettolohns festgeschrieben ist. „Einige Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge sehen aber immerhin eine Aufstockung auf um die 80 Prozent durch die Arbeitgeber vor“, gibt Stefanie Gebhart, bei der IG Metall Bremen zuständig für Automobildienstleister und Zulieferer, gegenüber „buten un binnen“ zu verstehen.

Mercedes-Werk in Bremen: Bisher kein Stellenabbau beim festangestellten Personal

Gründe für einen Stellenabbau beim festangestellten Personal gibt es weder im Mercedes-Werk in Bremen noch bei den Dienstleistern und Zulieferbetrieben bisher nicht. Bei den Leiharbeitern lässt sich allerdings schon eine Entwicklung absehen. Sie setzen vermehrt auf eine Umorientierung, um sich von der Unsicherheit, die derzeit in der Autoindustrie herrscht, loszueisen.

„Wenn Mercedes dann irgendwann wieder voll produziert, werden wieder alle Mitarbeiter bei Dienstleistern und Zulieferern gebraucht – und dann fehlt dieses Personal möglicherweise“, führt Gebhart gegenüber „buten und binnen“ weiter aus. Vor 2023 dürfte es allerdings nicht so weit sein, glaubt Gewerkschafterin Gebhardt. Eine Einschätzung die Hella-Sprecher Richter vom Mercedes-Zulieferer zur Lage auf dem Halbleitermarkt teilt.

„Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der aktuellen Marktengpässe voraussichtlich bis ins Jahr 2023 reichen werden“, sagt Hella-Sprecher Richter. Der Blick in die Glaskugel ist wenig optimistisch, sodass über kurz oder lang die Fließbänder im Mercedes-Werk Bremen wahrscheinlich ab Montag nicht zum letzten Mal stillstehen. * kreiszeitung.de, merkur.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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