SERIE MEIN KUNST-STÜCK Christina Lüllmann und ihr Bild „Im Salon“

„Der Mensch braucht Farbe“

Christina Lüllmann und ihr Werk „Im Salon“. Das Bild fasse die eigene Arbeit gut zusammen: „Weiblich und bunt, das macht meine Bilder aus.“ Foto: DAVIDS

Bremen - Von Tido Davids. Objektkästen, Linoldruck, Acryl- und Ölmalerei. Eigentlich gibt es nichts, was die 66-Jährige nicht kann. Oder zumindest noch nicht ausprobiert hat, wenn es um Kunst geht. Dabei schreckt Christina Lüllmann auch nicht davor zurück, eigene Werke samt Leinwand zu zerschneiden. „Ich probiere gerne aus. Das ist alles“, erzählt sie. Mit einem ihrer Bilder ist die Künstlerin heute Teil unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Das ausgesuchte Bild ist 2018 entstanden und trägt den Titel „Im Salon“. Der Betrachter schaut in eine Zimmerecke. Den Mittelpunkt bildet ein himmelblaues Sofa. Im Hintergrund ist ein riesengroßes Fenster zu erkennen, am rechten Bildrand steht eine monströs große Vase – die Proportionen scheinen verschoben. „Das war unser altes Ikea-Sofa, so wie es bei uns zu Hause in der Ecke stand“, sagt Lüllmann. „Aber ich wollte kein Stillleben malen. Ziel meiner Bilder ist es, eine Phantasiewelt zu erzeugen. Schließlich haben wir keine riesige Vase“, sagt die 66-Jährige. Die leuchtenden Acrylfarben, im Zusammenspiel mit Wachskreide, lassen das Bild fast surreal wirken. „Meine Werke sind nicht leicht zu fassen, aber bestimmt leicht zu erkennen“, so die Künstlerin.

Zur Kunst kam die Bremerin durch ihren Großvater, den sie als Kind regelmäßig besuchte. „Bei ihm lagen immer Papier und Buntstifte herum. Er war Architekt und brachte mir das Zeichnen bei“, erinnert sich Lüllmann. Später studierte sie selbst einige Semester Architektur in Braunschweig, jedoch ohne Abschluss. Durch das anschließende Pädagogik-Studium wurde die Künstlerin letztendlich Lehrerin. „Das Zeichnen gab ich allmählich auf. Durch das Architektur-Studium verlor ich ein wenig die Lust daran.“

Nach schwerer Krankheit fand sie dann zurück zur Kunst. Seitdem malt sie besonders farbenfroh. „Der Mensch braucht Farbe“, sagt die Künstlerin. Darüberhinaus besuchte sie Kurse des Weiterbildungsstudiengangs „Bildende Kunst“ an der Hochschule für Künste und nahm an Workshops renommierter Künstler teil.

Heute ist die pensionierte Lehrerin einmal pro Woche in einem Gemeinschaftsatelier im Bremer Viertel. Auf Anhieb kreativ zu sein, sei nicht immer einfach. „Selbstverständlich habe ich gute und schlechte Tage. Besonders dann, wenn ich mich nicht kreativ ausleben kann“, erzählt Lüllmann. Außerdem sei es als Künstlerin nicht immer leicht, sich und seine Werke zu vermarkten. Daraus entstehe immer wieder ein persönliches Dilemma: „Ich muss Bilder verkaufen, die mir persönlich viel bedeuten“, sagt die Künstlerin. Ihr sei es aber viel wichtiger, gute Bilder zu produzieren statt sich selbst zu vermarkten.

Für Christina Lüllmann ist Kunst ein Prozess, der zu einem Ergebnis führe. „Das Entscheidende ist, die wichtigen Dinge zu sehen.“ Das Handwerk dahinter könne jeder mit ein bisschen Übung erlernen. „Kunst rettet uns vor der Dumpfheit des Alltags“, so die 66-Jährige. Mit Blick auf die Kunsttherapie könne Kunst sogar Menschen helfen, schwierige Lebensphasen zu überwinden. Kunst habe auch ihr selbst geholfen, die eigene Krankheit zu meistern.

Lüllmann versteht die eigene Arbeit als eine Art Lebenshilfe, für sich und andere – auch ohne konkrete Botschaft. „Jeder Mensch sollte etwas haben, das ihn aufbaut. Für mich ist das die Kunst“, sagt die Bremerin. Trotzdem male sie nicht ohne Anspruch: „Mein Ziel ist es, dass der Betrachter immer wieder etwas Neues in meinen Bildern entdeckt. Dafür ist die Bildkomposition entscheidend. Ich möchte, dass die Leute drei Stunden beim Arzt im Wartezimmer sitzen und sich immer noch nicht sattgesehen haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Meistgelesene Artikel

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

„Hansebau“ und „Bremer Altbautage“: Smarte Sicherheit gegen Einbrecher

„Hansebau“ und „Bremer Altbautage“: Smarte Sicherheit gegen Einbrecher

Feuer zerstört in Bremen komplette Wohnung - vier Menschen werden verletzt

Feuer zerstört in Bremen komplette Wohnung - vier Menschen werden verletzt

Spektakulärer Fund auf der „Wallkontor“-Baustelle

Spektakulärer Fund auf der „Wallkontor“-Baustelle

Kommentare