SERIE: MEIN KUNST-STÜCK Gisela Brünker Peréz, die Stille und der Takt

Melodie der Gefühle

+
Gisela Brünker Pérez präsentiert ihre großformatige Collage „Der Stille einen Takt zufügen“, in der sie eine „stille wehmütige Melodie“ erklingen lässt.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Der Stille einen Takt zufügen“ heißt die Reihe, aus der Gisela Brünker Pérez ein Werk in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die großformatige Collage auf Leinwand hat die Künstlerin gummiert und anschließend mit Öl übermalt.

Als Ausgangsmaterial für ihre Bilder nutzt Gisela Brünker Pérez Fotografien. Für das Werk aus der Reihe „Der Stille einen Takt zufügen“ von 2018 sind es das Foto eines Todestrakt-Insassen und zweier Koi-Karpfen. „Mich interessiert alles, was am Rand der Gesellschaft ist“, sagt Brünker. „Da sammle ich Momente von Leid, Schmerz und Trauer aus dem ganzen Spektrum der menschlichen Gefühle.“ Bei diesem XXL-Format sei so neben dem Ausdruck von Traurigkeit und Schmerz eine „stille wehmütige Melodie“ entstanden.

Mit den digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten komponiert Brünker ihre Collagen zuerst am Rechner. Dann wird dieses Grundbild auf Leinwand gedruckt. Für mehr Dreidimensionalität und Tiefe versieht die Künstlerin die Leinwand mit einer Gummischicht oder Silofolie. Darauf malt sie dann mit Ölfarbe. Auf dem glatten Untergrund kann diese lange bearbeiten.

Vor dieser Serie hatte Brünker Pérez sich vor allem in Malerei und Zeichnung ausgedrückt. Doch auch dabei dienten Fotos von toten Tieren oder Menschenporträts als Ausgangspunkt. So übermalte Brünker den Hintergrund von Familienfotos und stellte dadurch die Personen frei. Es offenbarten sich dadurch Beziehungen und die Position zueinander.

Die 1962 in Chile geborene Künstlerin hat Kunst- und Medizingeschichte studiert. Anfangs konnte sie sich nicht entscheiden, was sie zum Beruf machen sollte. Schließlich ging sie als Bühnenbauassistentin ans Waller Waldau-Theater. Dem Theater blieb sie treu, malte nebenbei weiter und fand zusätzlich ihren Broterwerb in der „Kulturambulanz“ auf dem Gelände des Krankenhauses Bremen-Ost.

Ihrer eigenen Kunst widmet sich Brünker spät am Tag und an den Wochenenden am liebsten mit lauter Musik. Die Arbeit an den großen Bildern sei schnell und sehr körperlich, sagt die Künstlerin. Filigrane und figürliche Objekte nutzt sie als Ausgleich und zur vertiefenden Betrachtung. „Es ist wichtig, diszipliniert und regelmäßig im Atelier zu sein. Denn auch wenn man mal nichts malt, passiert etwas im Kopf. Stillstandphasen gehören wie im echten Leben dazu. Wenn man das aushält, kann es einen voranbringen.“

Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht Brünker Pérez in der Einsamkeit und dem Spagat zwischen Broterwerb und eigener Kunst. Das Umschalten zwischen den verschiedenen Tätigkeiten sei schwierig. Es gelte dabei, „sich nicht verrückt zu machen und an sich zu glauben“.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja. Sie ist ein Mittel zur Reflexion. Sie spendet Trost und gibt seelische Gesundheit. Man kann über sie kommunizieren und diskutieren. Sie schafft einen Raum, in dem Dinge ohne schlimme Konsequenzen ausgesprochen werden können.“

Zu den Künstlern, die für Brünker Pérez besonders bedeutend sind, zählen britische Maler Francis Bacon (1909 bis 1992) und der Spanier Francisco de Goya (1746 bis 1828). Bacon habe sich intensiv mit seinem Wahnsinn auseinandergesetzt und die Kunst gelebt, sagt die Bremerin. Und Goya sei ein Meister des Alptraums. Er bringe die Schrecken der Zeit in seinen Zeichnungen auf den Punkt.

Wenn Brünker Pérez jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann wäre eins an alle Menschen adressiert, mit dem Aufruf: „Tut etwas, statt immer nur zu reden. Es gibt so viele Möglichkeiten, direkt etwas zu verbessern. Da wird über die Digitalisierung der Schulen gesprochen. Doch was nützt das, wenn die Klos nicht funktionieren und Lehrer fehlen?“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Völkermord-Klage: Suu Kyi verteidigt Militärs von Myanmar

Völkermord-Klage: Suu Kyi verteidigt Militärs von Myanmar

White Island: Sorge vor Ausbruch verzögert Opferbergung

White Island: Sorge vor Ausbruch verzögert Opferbergung

Mallorca will Schrauben gegen Sauftourismus anziehen

Mallorca will Schrauben gegen Sauftourismus anziehen

Mythen ums Schenken im Realitäts-Check

Mythen ums Schenken im Realitäts-Check

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Unfall in Kaffeelager: Mann wird unter Kaffeesack begraben

Tödlicher Unfall in Kaffeelager: Mann wird unter Kaffeesack begraben

Von Bremen nach Mallorca - Eurowings fliegt Strecke im Sommer noch öfter

Von Bremen nach Mallorca - Eurowings fliegt Strecke im Sommer noch öfter

Streit im Einkaufszentrum mit Messer und Schlagstock

Streit im Einkaufszentrum mit Messer und Schlagstock

Nach Abschiebung von Ibrahim Miri: Polizisten fürchten Druck aus dem Clan-Milieu

Nach Abschiebung von Ibrahim Miri: Polizisten fürchten Druck aus dem Clan-Milieu

Kommentare