Schünemann-Schenkung wird 2018 ausgestellt

Meisterwerke für die Kunsthalle

Bremen - Stillleben und Genrebilder, Landschaften und Seestücke – der Bremer Kaufmann und Sammler Carl Schünemann hat dem Kunstverein, Träger der Kunsthalle, 35 Gemälde vor allem niederländischer Meister geschenkt. „Es ist die bedeutendste Schenkung dieser Art seit der Gründung des Vereins vor fast 200 Jahren“, sagte Kunsthallen-Sprecherin Jasmin Mickein. Die Sammlung Schünemann ergänze im Museum nun „auf hervorragende Weise die Sammlung niederländischer Malerei“.

Und: „Die Neuzugänge verstärken vorhandene Bestände, zum Beispiel in der Marinemalerei, und sie schaffen besondere Schwerpunkte wie beim frühen Jan van Goyen und bei Art van der Neer. Vor allem aber schließt die Schenkung Lücken, insbesondere auf dem Gebiet der Blumenstillleben und der Genremalerei.“

Den Kern der Privatsammlung bilden 32 Gemälde holländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Ergänzt werden sie durch eine toskanische Madonnentafel aus der Zeit um 1400, eine Venedig-Ansicht aus dem 18. Jahrhundert von Michele Marieschi und „ein eindrucksvolles Seestück des späten 19. Jahrhunderts von Hans Frederik Gude.“

Schünemann, der in fünfter Generation den Bremer Schünemann-Verlag geführt hat, reihe sich ein „in die große Tradition hanseatischer Mäzene“, so die Kunsthallen-Sprecherin weiter. Im persönlichen Dialog mit Kunstexperten wie beispielsweise Walther Bernt, Ingvar Bergström, Laurens Bol und Horst Gerson habe Schünemann seine Sammlung, die der Öffentlichkeit bislang vollkommen unbekannt war, in den vergangenen 50 Jahren aufgebaut.

Nur selten wurden einzelne Werke in Ausstellungen gezeigt. So ist gegenwärtig ein Hauptwerk der Sammlung, „Die Serenade“ von Jacob Ochtervelt, in der Ausstellung „Vermeer and the Masters of Genre Painting“ zu sehen, die erst im Pariser Louvre gastierte, aktuell in der National Gallery of Ireland in Dublin und anschließend in der National Gallery of Art in Washington gezeigt wird.

In der Sammlung niederländischer Meister zeichnen sich etliche Werke durch künstlerische und kunsthistorische Besonderheiten aus. Beispielhaft erwähnte die Sprecherin „das einzige signierte Gemälde von Jeronimus Sweerts oder das einzige Stillleben des ansonsten auf Genrebilder spezialisierten Künstlers Willem van Odekercken“.

Tabakpäckchen und dramatische Seestücke

Dazu kämen „ungewöhnliche Motive wie das Tabakstillleben von Hubert van Ravesteyn mit einem Tabakpäckchen, auf dem zu Werbezwecken ein rauchender schwarzer Mann dargestellt ist“. Und: „Umfangreiche Werkgruppen geben einen Überblick über die Landschafts- und Marinemalerei in ihrer ganzen Vielfalt. Die zierlichen Schlittschuhläufer von Adam van Breen, entstanden 1611, sind ein frühes Beispiel der niederländischen Landschaftskunst, ähnlich wie Jan van Goyens auf 1622 datierte Dorflandschaft.“

Winterlandschaften, eine Mondscheinstimmung von Aert van der Neer und Dünen an der Küste sind ebenso vertreten wie eine durch und durch klassische niederländische Flusslandschaft mit Kühen und Windmühle, gemalt im Jahr 1667 von Salomon van Ruysdael.

Einen besonderen Akzent setzte Schünemann, der selbst zur See gefahren ist, in seiner Sammlung im Bereich der Marinemalerei. Neun Seestücke veranschaulichen die Entwicklung dieser Gattung im 17. Jahrhundert – darunter ein frühes Werk von Cornelis Verbeek, dessen fein gemalte Kupfertafel Schiffe mit donnernden Kanonen bei starkem Seegang zeigt, dramatisch zugespitzt durch einen auftauchenden Riesenfisch. Den Kontrast bildet die spiegelnde Wasseroberfläche bei Windstille auf dem Gemälde von Willem van de Velde dem Jüngeren. - kuz

Ab Frühjahr 2018 präsentiert die Kunsthalle die Schünemann-Schenkung in der Ausstellung „Tulpen, Tabak, Heringsfang. Niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters“. Sie dauert vom 7. April bis zum 19. August 2018. Dazu erscheint ein wissenschaftlicher Bestandskatalog.

Rubriklistenbild: © Kunsthalle Bremen

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