„Mein Kunst-Stück“ mit Werner Henkel: „Wiesenlieschgras“

Spannender Zufall

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Strukturen aus der Natur setzt Werner Henkel in neue Zusammenhänge.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Wiesenlieschgras“ heißt Werner Henkels Objekt, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“, vorstellt. Die flauschigen Rispen des Wiesenlieschgrases hat der Künstler zu einer Dreieckspyramide arrangiert. Getragen wird das Objekt von den rund 800 nach Länge geordneten zarten Stängeln.

In „Wiesenlieschgras“ vereinen sich gleich mehrere Ansätze Henkels. Der Künstler verwendete einen organischen Baustoff und brachte diesen mit seinen natürlichen Farben, Formen und Strukturen in einen völlig neuen Zusammenhang. „Die schräge Fläche erstreckt sich zur Spitze hin wie ein Fichtenwald im Harz“, erklärt Henkel.

Die senkrechten Flächen hingegen wirkten durch die länglichen Rispen streng geometrisch und architektonisch. Durch die Anordnung entstand aus leichten und beweglichen Grashalmen ein kompakter Körper, der auf den zarten Stängel-Stelzen zu schweben scheint.

Wie bei vielen seiner Werke wird sich das organische Material weiter verfärben und verformen. „Es ist spannend, mit diesem Zufall zu arbeiten“, findet der gebürtige Hamburger.

In seinem Atelier schneidet Henkel Blätter zu Menschen- oder Tiergestalten oder setzt kleine Zweige zu kalligrafischen Schriften zusammen. Unter seinen „Vegetabilen Objekten“ findet man einen Würfel aus Orangenschalen-Quadraten, einen „Wald“ aus gewickelten Silberpappelblättern und ein dreidimensionales Laub-Rad aus Pestwurz. Aktuell verarbeitet er Schmetterlingsflügel für eine neue Ausstellung.

„Meinen Zugang zu Themen und Bildern finde ich über die Natur“, erklärt der Wahl-Bremer. „Umgekehrt lerne ich durch die künstlerische Arbeit viel über sie.“ Während der Arbeit mit den Schmetterlingen erfuhr Henkel beispielsweise, dass es von ihnen Arten gibt, die die Tränenflüssigkeit anderer Tiere trinken. „Sie stecken dazu ihren Rüssel unter das Augenlid eines schlafenden Vogels oder Krokodils“, erzählt Henkel.

Dass er seine Objekte aus einem naturwissenschaftlichen Verständnis heraus entwickelt, begann mit einer Ausstellung über Radioaktivität und deren Auswirkung auf die Natur. Seitdem beschäftigt ihn ihre Sprache, ihre Schönheit und Fragilität sowie der Bezug zwischen Mensch und Natur.

Auch seine Außenobjekte und Installationen verweisen auf diese Abhängigkeit. Denn was der Mensch ausatme, „atmeten“ die Pflanzen während der Photosynthese ein und umgekehrt. Über die Kunst kann Henkel ausdrücken, was für eine wissenschaftliche Erörterung zu komplex wäre.

„Die große Herausforderung für den Künstler ist es, seine eigene Sache konsequent zu verfolgen, unabhängig von irgendwelchen Strömungen“, meint Henkel. Die Kunst biete heute größte Freiheit bei der Gefahr totaler Beliebigkeit. Man müsse sich immer wieder seiner eigenen Linie vergewissern. Die Frage, wofür wir Kunst brauchen, klingt für Henkel ähnlich wie die Frage „Warum atmen wir?“. Seiner Meinung nach ist Kunst ein Grundbedürfnis des Menschen. Für den Betrachter sei Kunst bereichernd und für den Künstler ein Erkenntnisprozess.

Künstler, die Henkel beeindrucken, sind Herman de Vries, der ebenfalls mit Pflanzen arbeitet, und der Bildhauer Achim Manz, von dem Henkel immer ein ehrliches Feedback bekommt.

Wenn Henkel jemandem ein Bild schenken sollte, würde er das Bild „Ich schenke dir mein Chlorophyll“ an Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geben: „Das könnte sie auf dem UN-Klimagipfel daran erinnern, dass wir bei jedem Atemzug in vollkommener Symbiose mit der Pflanzendecke unseres Planeten stehen.“

Am Sonnabend, 28. November, 16 bis 19 Uhr, sowie am Sonntag, 29. November, 14 bis 17 Uhr, gewährt Werner Henkel interessierten Besuchern Einblicke in sein Atelier (Bückeburger Strasse 46) und seine Arbeiten.

www.naturarte-wernerhenkel.de

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