„Mein Kunst-Stück“ mit Sigrid Sander: „Elisabeth“

Gegenständliches Leben

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Sigrid Sander

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Elisabeth“ heißt die Skulptur, die Sigrid Sander in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die Kuh fällt etwas aus der Reihe, denn die meisten Arbeiten der Bremer Malerin und Bildhauerin sind nicht gegenständlich.

„Kühe stehen für das Leben“, sagt Sigrid Sander, „wenn man eine Kuh hat, kann man mit und von ihr leben. Sie liefert Milch, Käse und Sahne.“ In ihrem Atelier in der Überseestadt, zwischen lauter abstrakten Objekten, haben die Kuhköpfe einen Sonderstatus. „Sie erinnern mich an Kindheit, Bodenständigkeit und Nahrung“, sagt Sander.

Um Kühe ging es auch bei dem ausgezeichneten Projekt „Kunst+Werk“ 2011. Ziel war es, die Kunst zu Menschen zu bringen, die sonst eher nicht zur Kunst kommen. „Wir waren mit acht Künstlern in der Käserei in Etelsen“, erzählt Sander. „Wir guckten den Angestellten beim Käsemachen zu und sie uns bei der Arbeit.“ Drumherum waren die Kühe. Kühe haben sogar etwas mit Sanders Liebe zu Bremen zu tun, denn hier sei sie ebenso schnell in der City wie auf dem Land bei den Kühen. „Es ist eine tolle Nähe von Land und Urbanität“, sagt die Künstlerin. Am 4. Juni kann man ihre Werke in entsprechender Umgebung betrachten. Auf dem Hof Kaemena im Blockland stellt Sander mit Anette Ortlieb aus.

Obwohl Sander auch dichtet, zeichnet und malt, ist ihr die Bildhauerei das Liebste: „Es ist die absoluteste Gestaltung. Was ich wegschlage, ist weg.“ Ihre Skulpturen sind aus schwarzem und weißem Alabaster. Die Arbeit am Stein gehe langsam und sei sehr staubig, erzählt sie. Dennoch sei es anstrengender zu malen. Dessen oft hohes Tempo erfordere enorme geistige Arbeit. Am Stein hingegen halte sie immer wieder inne, mache weitere Skizzen und überlege, wie sie weiterarbeitet. Material, Form und Ausdruck seien dabei immer einer Idee, einem Konzept untergeordnet. So entstünden Serien wie ihre abstrakten „Flussschifffahrtszeichen“ oder „Offene Türen“. Bei den Skulpturen lässt sich die Idee dann sogar anfassen.

Ausschlaggebend für ihre künstlerische Laufbahn war Sanders ausgeprägter Gestaltungs- und Freiheitsdrang: „Ich wollte nach dem Abitur nicht mehr ständig hören, was ich machen soll, sondern selbst etwas ergründen. Das bot die Kunst.“ Sander, die in Hamburg zur Schule ging, begann in Stuttgart zu studieren. Wann immer sie wieder in der Elbstadt war, besuchte sie den Tierpark Hagenbeck und malte Tiere. „Vor allem die, die stillstanden“, sagt Sander lachend.

Als Künstler heiße die Maxime „dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben“. Man dürfe nie aufgeben, sagt Sander. Doch selbst dann könnten nur fünf Prozent der Künstler von der Kunst allein leben. Doch wir brauchen die Kunst, meint die Kunsterzieherin, um unsere Sehnsucht nach dem Schönen und Guten zu stillen. Kunst wecke die damit verbundenen Gefühle und Träume.

Ein Künstler, der Sander besonders beeindruckt, ist der spanische Bildhauer Eduardo Chillada (1924–2002). „Er ist von der Architektur zur Bildhauerei gewechselt und Schmied geworden. Wäre ich ein Mann, wäre ich vielleicht auch Schmied“, sagt sie. Sander hat aber nicht ein oder zwei Vorbilder, sondern ganz viele. Mit seinen Ideen sei man nie allein und auch immer Teil der Gesellschaft. Als ein „Kind seiner Zeit“ versuche jeder, seine eigenen Ideen umzusetzen.

Sander würde kein Bild als Botschaft verschenken, sagt sie. Aber dafür plant sie einen konkreten Verkauf mit Botschaft: Gemeinsam mit anderen Künstlern will Sander Bremens Abgeordnete porträtieren und aus dem Erlös der Porträts die Behindertenarbeit der Diakonie unterstützen. „So zeigen die Politiker wieder Profil, und dann werden sie auch wieder gewählt“, sagt Sander und lacht.

www.sigridsander.de

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