Feuer und Stein

„Mein Kunst-Stück“ mit Uwe Schwarz und seiner Skulptur „Volcanus“

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Aus Vulkangestein ist die Skulptur „Volcanus“, die der Bremer Bildhauer Uwe Schwarz in seinem Atelier präsentiert.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Volcanus“ heißt die Skulptur, die der Bildhauer Uwe Schwarz in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. „Volcanus ist uralt“, sagt Uwe Schwarz und lacht, „denn er ist aus Vulkangestein.“

Die ausgesuchte Skulptur trägt zwei Namen, „Volcanus“ für die rechte Gesichtshälfte und „Mulciber“ für die linke Hälfte. Beides sind Namen für den Gott des Feuers, der Blitze und der Schmiede. „Volcanus“ hieß er bei den Römern. In der vorrömischen Zeit nannte man ihn „Mulciber“. „Mein ,Mulciber’ erinnert mich ein wenig an den jungen Paul Breitner mit seiner Haarpracht“, sagt Schwarz und lacht. Die zerklüftete Oberfläche des Hinterkopfes hat er belassen. Der Sitz von Augen, Nase und Mund, waren bereits im Stein angelegt.

Aus Zufallsfund entsteht ein Feuergott

Geschaffen wurde der Feuergott mit den zwei Gesichtern 2015. Durch Zufall war Schwarz in einem Natursteinhandel auf den Gesteinsbrocken gestoßen, nahm ihn mit und begann, mit dem porösem Material zu arbeiten. Das Spannende an dem Lavagestein seien die vielen Poren, wie in einem Schwamm. Gleichzeitig verhalte sich das Material wie Glas und zerspringe sehr leicht. „Manchmal brechen ganze Stücke heraus, weil im Inneren ein Hohlraum ist. Das kann dann alles stark verändern. Entweder man entfernt sich dann von der ursprünglichen Idee oder man hat einfach Schrott“, sagt der Bildhauer. Bei Sandstein komme man seinem Ausgangsziel viel näher. Schwarz’ Werkzeuge sind die üblichen: Hammer, Meißel sowie Korund und Diamantpapier zum Schleifen. Schwarz verarbeitet auch Holz, Beton und Granit. Aktuell fertigt er viele Holzskulpturen mit dem Thema „Apachentanz“ für die City-Galerie. Anlässlich der Max-Beckmann-Ausstellung in der Kunsthalle stellen Bremer Künstler ihre themenbezogenen Werke vom 5. Oktober bis 20. Dezember im „City Lab“ im Lloydhof aus.

Das Interesse an der Kunst weckten bei Schwarz „kreative Mitschüler und gute Lehrer“ im Kunst- und Werkunterricht. „Man konnte mit Kunst Dinge ausdrücken, die man als Jugendlicher sonst nicht hätte sagen können“, erinnert sich der Künstler. Mit 16 Jahren wollte er Steinmetz, später Bildhauer werden. Seinen Eltern zuliebe wurde der junge Mann dann aber Fernmeldehandwerker. Mit 30 Jahren lernte er über einen Umweg das Maurerhandwerk. „So kam ich wieder an den Stein.“ Er arbeite frei und selbstständig, experimentierte mit Reliefs und Kratzputz, bevor er sich an Skulpturen wagte. Seine Erfahrungen aus der Metall- und Schweißwerkstatt der Fernmeldetechnik kämen ihm heute zugute, sagt Schwarz.

Intensive, aber auf Phasen beschränkte Arbeit

In seinem Atelier in der Kap-Horn-Straße arbeitet der Bildhauer intensiv, wenn auch eher phasenweise. Neben der Herausforderung, immer genug zum Leben zu erarbeiten, sind es der gestalterische Prozess und die Veränderung, die Schwarz am Künstlerleben reizen: Was macht die thematische Auseinandersetzung mit einem persönlich? Was kommt durch die Kunst von einem selbst ans Tageslicht?

Ob wir Kunst brauchen? „Kunst bereichert die Gesellschaft. Sie ist frei. Und dem Betrachter steht frei, sich von ihr berühren zu lassen oder auch nicht. Doch die Kunst lebt durch den Dialog.“

Zu den Künstlern, die für Schwarz besonders bedeutend sind, zählen der Bremer Bildhauer Heinrich Johann Behrends sowie der britische Bildhauer und Land-Art-Künstler David Nash. Seinen Bremer Kollegen Behrends schätzt Schwarz wegen dessen verspielter Art und des Surrealismus seiner Figuren, aber auch wegen seines Fleißes. Nash beeindruckt Schwarz durch die auf sehr lange Zeit geplanten Ideen: „Sie reichen über Jahrzehnte, ähnlich wie bei einem Landschaftsgärtner.“

Wenn Schwarz jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines aus seiner Serie „Zerrissene Fressen“ als Denkanstoß und Mahnung an das Militärmuseum in Dresden.

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