„Mein Kunst-Stück“ mit Rodi Khalil: „Die Sonne und die Sonne“

Frei wie eine Taube

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Goldene Sonnen symbolisieren auf Rodi Khalils Bild das Leben und die Lebensfreude. Sein Sonnenbild ist das erste, das er nach mehreren Ausstellungen im Ausland malte.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Die Sonne und die Sonne“ heißt Rodi Khalils Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es steht für sein Leben und dessen Abschnitte. Die letzte Sonne widmete Khalil dem Erhalt des deutschen Passesund der damit verbundenen Freiheit.

„Die Sonne und die Sonne“ beschreibt symbolisch den Zeitraum, den Rodi Khalil von seiner Flucht aus Syrien durchlebte, bis er offiziell deutscher Staatsbürger wurde. Die erste Sonne steht für das Gefühl der Sicherheit, das ihm die Ankunft in Westerstede gab. Die letzte Sonne steht für die Freiheit und symbolisiert die Beendigung eine jahrzehntelangen statuslosen Lebens. Die grüne Vase, die zum Bild gehört, unterstreiche die Aussage. Auch sie gelte in alten Kulturen als Symbol fürs Leben, erklärt der Künstler. Sonne und Wasser stehen im Dialog.

Ohne Papiere und nur geduldet, konnte Khalil bis Anfang dieses Jahres nicht per Flugzeug ins Ausland reisen. Zu Ausstellungen im Ausland musste er seine Bilder allein schicken und darauf vertrauen, dass sie in guten Händen sind. Mit dem deutschen Pass ist der syrische Kurde jetzt viel unterwegs. „Das ist ein Leben in einer neuen Welt“, sagt Khalil. Er fühle sich wie eine Taube, die fliegt, ohne vorher um Erlaubnis fragen zu müssen. Demnächst muss er in die Türkei. Dort gab es 2008 nach einer Ausstellung Probleme mit dem Zoll. Die Bilder blieben in Istanbul. Nun wird Khalil seine Bilder abholen.

Khalils künstlerisches Talent zeigte sich schon früh. Er ritzte Figuren und Ornamente in die Lehmhäuser seines kleinen Heimatdorfes südlich von Damaskus. Er zeichnete beim Schafehüten in den Sand und malte während des Schulunterrichts seine Hefte voll. Das gab manchmal Ärger. Ärger gab es auch, als Khalils Vater erfuhr, dass sein Sohn zwar wie gewünscht ein Medizinstudium in Damaskus begonnen hatte, doch dann heimlich zum Kunststudium gewechselt war. Unterstützung auf seinem künstlerischen Weg bekam Khalil von der Mutter.

Seine heutige Technik mit Farben aus Naturmaterialien wurde durch einen Onkel und Bildhauer inspiriert. Khalil stellt die Farben selbst her, aus Ton, Baumharz, Essig, Olivenöl, Baumwolle und Pigmenten aus Nüssen oder Blättern und Steinstaub. Warme Erdtöne kombiniert er dezent mit pudrig wirkenden, leuchtstarken und fröhlichen Farben. Um seine eigene künstlerische Entwicklung weiterverfolgen zu können, arbeitet Khalil als Dozent und Mosaikrestaurateur.

Kunst bedeutet für den Wahl-Bremer, die gestalterische Umsetzung einer Idee. Kann er einige Tage nicht malen, beispielsweise auf Reisen, werde er unruhig. Gerade starke Emotionen, wie sie durch die Geschehnisse in Syrien hervorgerufen werden, verarbeitet Khalil in und durch seine künstlerische Arbeit. Dem Betrachter verschaffe die Kunst eine Möglichkeit, Abstand von den Alltagsproblemen zu bekommen, etwas Schönes zu sehen und zu genießen. Khalil legt großen Wert auf Ästhetik.

Künstler, die Khalil hoch schätzt, sind Gerhard Richter und der jüngst verstorbene Omar Hamdi. An Richter faszinieren Khalil dessen Technik und Darstellung von Bewegung in seinen abstrakten Bildern. Der Syrer Hamdi hingegen sei ein wenig wie ein großer Bruder. Er sei auch nach Europa gekommen und habe trotz vieler Probleme Fuß gefasst. Wenn Khalil ein eigenes Werk als Botschaft verschenken sollte, dann würde die „Suche nach Freiheit“ an alle Menschen gehen: „Mit Freiheit meine ich nicht geographische Freiheit, sondern jene Freiheit, die die inneren Schranken und Grenzen auflöst.“

www.rodi-khalil.de

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