Renate Begander und ihr Bild „Nebel über dem Fjord“

„Mein Kunst-Stück“: Raue Landschaft

Die weiße Fjordlandschaft sei gar nicht reinweiß, sagt Renate Begander über ihr Bild „Nebel über dem Fjord“. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Nebel über dem Fjord“ heißt Renate Beganders Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt eine ruhige Szenerie bei Spitzbergen: ein Schiff vor schneebedeckten Hängen eines Fjords im Nordmeer.

Das Ölbild „Nebel über dem Fjord“ gehört zu Renate Beganders Reihe „Nordlandreise“. Die Skizze zu „Nebel über dem Fjord“ fertigte die Bremerin in diesem Sommer während einer Schiffsreise an.

Die meisten Zeichnungen erzählen vom Bordleben mit vielen Menschen und viel Gesellschaft. Im Gegensatz dazu stand die wenig besiedelte Landschaft mit ihrer Weite, die Begander liebt. „Ich mag es ruhig. Das spiegelt sich auch in meinen Bildern wider.“ Auf 40 Zentimeter mal 50 Zentimeter Leinwand zeigt „Nebel über dem Fjord“ Schnee, Nebel und Eis in der Nähe von Spitzbergen. „Weiß ist nicht gleich Weiß“, sagt die Künstlerin. „Alle möglichen Farben unterschiedlichster Schattierung finden sich in den Flächen.“ Schon die Grundierung bestehe nicht aus weißer Farbe. Weißtöne seien aber nicht schwieriger zu malen als ein buntes Bild.

„Nebel über dem Fjord“ sticht aus vielen anderen Bildern Beganders hervor. Es ist weniger bunt und auch die Maltechnik unterscheidet sich. Statt eines feinen Pinselstrichs entschied sich die Malerin für den Spachtelauftrag. „Eine raue Landschaft verträgt auch einen rauen Aufstrich“, sagt sie und lacht. Da spüre man eher die Naturgewalt. Nur für kleine Bildelemente und das Boot nutze sie einen Pinsel. Vielleicht lag es an der außergewöhnlichen Landschaft mit der ganz besonderen Stimmung, dass auch das Bild so anders geworden ist.

Zur Künstlerin im zweiten Anlauf

Ernsthaft angefangen zu malen hat Begander, als sie zum zweiten Mal aufhörte zu arbeiten. Ein erster Anlauf war nach der Geburt ihrer Tochter noch gescheitert. Dann versuchte die Bremerin es 20 Jahre später noch einmal. Wieder verbrachte sie Zeit zu Hause, diesmal mit je einer Hand in Gips. Zu ihrer Verwunderung waren die 20 Jahre alten Ölfarben noch gebrauchsfähig. Dann legte Begander los. Sie besuchte verschiedenste Kurse, um die Maltechniken zu erlernen. In ihrem ersten Kurs zweifelte sie noch daran, ob sie die Leinwand vollbekommen würde. „Das Ergebnis in Acryl war zwar holprig und ohne Übergänge. Aber es hat geklappt“, sagt sie.

Heute verbringt die Malerin drei bis vier Vormittage an der Staffelei, um das beste Licht zu nutzen. Mal eine Stunde zwischendurch zu malen, gehe ebenso wenig, wie sich zum Malen zu zwingen. Anregend seien Wettbewerbe, für die man sich mit einem bestimmten Thema und außerdem mit Künstlern auseinandersetzen müsse, die ganz anders malten als man selbst. Als aktuelles Beispiel nennt sie die Begleitausstellung zu Max Beckmann im „Citylab“ (Lloydhof). Sie läuft parallel zur Max-Beckmann-Ausstellung in der Kunsthalle.

„Schön ist, wenn auch andere sich daran erfreuen“

Ob wir Kunst brauchen? „Das frage ich mich auch manchmal“, sagt Begander. „Für den Künstler ist es entspannend und es freut einen, wenn etwas gelingt. Schön ist, wenn auch andere sich daran erfreuen.“ Aber den großen Kunstzirkus, bei dem Leute sich durch viel Gerede oder schrille Aktionen hervorheben wollen, findet Begander übertrieben.

Zu den Künstlern, die für Begander besonders bedeutend sind, zählen der Niederländer Vincent van Gogh (1853 bis 1890) und der deutsche Expressionist Emil Nolde (1867 bis 1956). Van Goghs „unwahrscheinlich tolle Farben“ haben es der Bremerin angetan. Auch Noldes großformatige Bilder beeindrucken durch leuchtende Farben. An Nolde bewundert sie, dass er so unterschiedliche Sachen gemacht hat.

Wenn Begander jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ihr Ölbild „Politzirkus“ an die Regierungen: Es sei Ausdruck für die Show, die nach außen gezeigt werde, während innen gemeinsam geplant und geschachert werde.

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