„Mein Kunst-Stück“ mit Patricia Lambertus: Die Installation „Apokalypse“

Von Ende und Anfang

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Imposant ist Patricia Lambertus’ „Apokalypse” in der Kirche St. Stephani.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Apokalypse“ heißt Patricia Lambertus’ Installation, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die „Apokalypse“ ist auf ein Rondell mit sechs Metern Durchmesser tapeziert. Über vier Meter ragt die Panoramawand in die Höhe.

Von außen zeigt sich Lambertus‘ Kunstwerk im Turm des Seitenschiffs der Kulturkirche St. Stephani als ein Rund aus gestapelten Industriepaletten. Tritt der Besucher aber in das Rondell, steht er inmitten einer beeindruckenden Collage auf 20 Metern tapeziertem Panorama. Vom Eingang aus linker Hand startet die Geschichte mit einer Szene aus dem Paradies. Es folgen Kriegsschauplätze, Traumstrände, Darstellungen von Technik, Kultur, Natur, Zerstörung, Gewalt, Schönheit, Reinheit und Kunst. Am Ende des Kreises endet alles in einem feurigen Inferno, um dann wieder von vorne zu beginnen.

„Alles steckt in allem und alles fängt immer wieder von vorne an“, fasst Lambertus den Kreis zusammen. Sie entwickelte aus dem klassischen dreigeteilten Altarbild, dem Triptychon, mit einem großen Hauptbild und zwei kleineren Flügeln ihr riesiges Rundpanorama. Deswegen liegt das größte Szenenbild mittig, gegenüber dem Eingang. Für Lambertus ist das aktuelle Werk am bedeutsamsten. „Endlich sehe ich, was vorher nur in meinem Kopf existierte“, erklärt die Bremer Künstlerin. Zehn Monate recherchierte die gebürtige Allgäuerin für die Installation. Sie sammelte Bildmaterial und beschäftigte sich mit den Rundpanoramen des 19. Jahrhunderts, die als Vorläufer des Kinos galten. Lambertus entwickelt ihre Collagen am Computer, die Arbeit ähnelt der eines Malprozesses. Obwohl die Tapete zum charakteristischen Stilmittel Lambertus’ geworden ist, sind nicht alle ihre Objekte im XXL-Format angelegt oder haben einen biblischen Hintergrund. Gerne kombiniert die Künstlerin alte Tapeten mit modernen Elementen. Etwa, wenn sie längst ausgediente Tapetenmuster mit Folie beschichtet und darauf ganz moderne Zeichnungen setzt – beispielsweise von einzelnen Bremer Gebäuden.

„Kunst ist etwas, das ich mit Leidenschaft mache“, sagt Lambertus. Dass sie diese Berufung nicht als Hobby würde praktizieren können, sei ihr schnell klar gewesen. Spätestens mit dem Studium hieß es: „Ganz oder gar nicht.“ Ganz Künstler zu sein, bedeute aber auch, sein Künstlerleben selbstständig zu planen. Man müsse seinen Markt finden, sich selbst vermarkten, sich auf Stipendien bewerben, für sich selbst Akquise betreiben und mit Einkommensschwankungen rechnen. Die Selbstständigkeit sei eine Herausforderung. „Mit dem Künstlerklischee vom schönen Müßiggang hat das nichts gemein“, sagt sie und lacht. Alle professionellen Künstler, die sie kenne, arbeiteten oft härter als Angestellte und auch an den Wochenenden. Sie persönlich erledigt morgens Büroarbeit, geht dann ins Atelier und fährt außerdem regelmäßig nach Berlin, wo sie einen Lehrauftrag hat.

„Kunst schafft einen menschlichen Mehrwert, weil sie neue Gedankenräume öffnet“, sagt Lambertus. Kunst liege jenseits der Grundbedürfnisse, und genau das mache den Menschen aus.

Künstler, die Lambertus beeinflusst haben, sind der in Russland geborene Ilya Kabakov, bekannt für seine Rauminstallationen und Skulpturen, sowie die Deutsche Katharina Grosse. Sie sprüht farbintensive, großflächige Werke. Dabei beschränkt sie sich nicht auf ein Bildformat oder eine Wand, bezieht den Raum mit ein, so dass ihre Bilder zu Installationen werden.

Wenn Lambertus jemandem eine schicken sollte, dann ginge das Werk „Apokalypse“ an die „Société Anonyme – Incorporated Inc.“, sagt sie. Das sei ein Museum für experimentelle und moderne Kunst gewesen, das sich unter anderem für die Wahrnehmung und Etablierung moderner Kunst in der Öffentlichkeit einsetzte. Es wurde 1950 aufgelöst.

Die Ausstellung in der St.- Stephani-Kirche endet am Freitag, 6. Mai.

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