„Mein Kunst-Stück“ mit Martin Koroscha: „3.14 VI“

Irritierende Räume

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Mit dem Verzicht auf Details in Koroschas Bildern wächst der Raum für eigene Assoziationen.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „3.14 VI“ heißt Martin Koroschas Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt eine Landschaft mit starken Kontrasten und klaren Formen. Trotz leuchtender Farben wirkt es ein wenig unheimlich und irritierend.

„Ich mag dieses Bild wegen seiner kräftigen Farbigkeit und der vielen unterschiedlichen Ebenen“, sagt Koroscha. Sie würden durch den Rot-Grün-Kontrast, die Landschaftsebenen und die fliegenden Elemente erzeugt. Die stilisierten Lichtstrahlen, das sonderbar proportionierte Haus, das Loch in der Landschaft wirkten rätselhaft. „3.14 VI“ schafft Assoziationsräume.

Koroscha arbeitet nach einem Baukastensystem. Er kombiniert feste Elemente wie Häuser, Berge, Wald, Himmel, Sonne und Wiesen in seinen meist großformatigen Bildern. Mit ihnen spielt er, so dass sie sich surrealistischen Darstellungen annähern. Die flächige Malweise in mehreren Acryllack-Schichten befreit Koroschas Bilder von individuellen Details. Der fehlende Titel, die reduzierten Bausteine und die Abwesenheit von Menschen sollen dem Betrachter einen völlig freien und unvoreingenommenen Blick erlauben: „Jeder kann sich raussuchen, was er mag“, sagt der Künstler.

„3.14 VI“ markiert das Ende Koroschas menschenleerer Landschaften. „Es ist vielleicht mit einer Modelleisenbahn vergleichbar“, meint Koroscha. „Hat man mit einem neuen Element sehr viel gemacht und gespielt, braucht man etwas Neues.“ In seinen jüngsten Bildern platziert er menschliche Silhouetten. Das sei nicht einfach, sagt der Wahlbremer, denn menschliche Darstellungen verführten häufig zu einer Psychologisierung von Bildern. Es werde beispielsweise gefragt, warum nur eine Person auf dem Bild ist, warum es ein Mann ist, warum eine Frau. Selbst die Haarfarbe könne nicht zufällig sein. So verzichtet Koroscha auf viele Details, in dem er die Silhouette leer lässt.

Koroscha verdient neben der freien Kunst sein Geld als Kunsttherapeut und Kunstpädagoge. „Es macht Spaß, mit Menschen Räume zu teilen“, sagt Koroscha, „gerade in der Kunst.“ Zu seinem Beruf machte der gebürtige Hesse die Kunst erst mit Anfang 30. Vorher war er unschlüssig, welche Kunstform er wählen sollte, denn auch die Musik reizte ihn. Schließlich verband er Kunst und Soziales. Heute organisiert er immer wieder Veranstaltungen mit Konzerten und bildender Kunst unter einem Dach.

In seinen Kursen legten die Teilnehmer anfangs oft das Augenmerk darauf zu lernen, etwas abbilden zu können. Dabei biete die Kunst vielmehr die Möglichkeit etwas auszudrücken, meint Koroscha. „Kunst regt unser Denken und Fühlen an. Sie setzt uns Dinge vor, die wir noch nicht kennen, die wir sonst nicht zulassen. Kunst öffnet Räume jenseits des Banalen oder Alltäglichen.“ Diese Irritation bringe etwas in Bewegung. Dinge würden fassbar, die man sonst nicht beschreiben kann.

Künstler, die Koroscha beeindruckten, sind der Italiener Giorgio de Chirico (1888–1978) und der zeitgenössische David Hockney. Während Chiricos metaphysische, architektonische Bilder als Vorläufer des Surrealismus gelten, malt Hockney große Landschaften. Beim Besuch einer Hockney-Ausstellung in Köln, erzählt Koroscha, musste er angesichts der starken Farben erstmal vor die Tür und kräftig schlucken.

Wenn Koroscha jemandem ein Bild geben sollte, dann würde es an ein Hospiz gehen: „Vielleicht öffnet es den Menschen Räume und vielleicht gibt es durch die reduzierten Elemente genug Raum für individuelle Erinnerungen.“

www.koroscha.kulturserver-

bremen.de

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