„Mein Kunst-Stück“ mit Marie Ueltzen: „Our troubles are small“

Mut mit Partyhütchen

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Marie Ueltzen mit ihrem Lieblingsbild vor einem ebenfalls von ihr gefertigten Wandteppich.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Our troubles are small“, heißt Marie Ueltzens Bild, das sie uns in der Reihe „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Übersetzt lautet der Titel so viel wie: „Unsere Sorgen sind klein.“

Auf dem Leinenstoff sieht man einen verletzten Körper. Schwarze Konturen, ein durchsickernder Blutfleck und ein Partyhütchen auf dem Kopf. „Our troubles are small“ steht in scheinbar unbeholfenen Blockbuchstaben darüber. Die Figur zeigt die Leiche Bonnie Elizabeth Parkers. Sie gehörte zum legendären amerikanischen Gangsterduo Bonnie und Clyde. Bonnie und ihr Gefährte Clyde Chestnut Barrow wurden von der Polizei gejagt, bis sie 1934 im Kugelhagel starben. „Unsere Sorgen sind klein, solange wir nicht sind wie Bonnie und Clyde“, zitiert Marie Ueltzen aus dem Gedicht Bonnies, das dem Bildtitel Pate stand. Das Gangsterpaar rannte damals in sein absehbares Verderben.

Und das Partyhütchen? „Das stammt aus unserem Hausgebrauch“, sagt die Künstlerin. „Wenn es mal besonders schlimm kommt und man denkt, dass es nicht mehr weitergeht, dann setzt man sich diese Hütchen auf, um sich zuzuprosten“, fährt die Künstlerin fort. Das Party-Accessoire nehme der Lage den Ernst und signalisiere die Bereitschaft, dem, was auch immer kommen mag, fröhlich entgegenzutreten.

Ueltzen mag dieses Bild, weil es für Treue steht und den Mut, sich auf Abenteuer einzulassen. „Ich möchte nicht die Taten des Gangsterpaars verherrlichen, aber heutzutage ist der Tod oft das letzte Abenteuer, das im Leben geblieben ist“, sagt sie. Bonnie und Clyde wurden zu Kultfiguren, weil sie den Tod und das Scheitern in Kauf genommen hätten. Dagegen seien die meisten Menschen sehr mit ihrer eingefahrenen Lebensbahn beschäftigt. Sie wollten stetig Sicherheit, obwohl das eine Illusion sei. Und am Ende sei man tot.

Ueltzens Technik erzeugt eine außergewöhnliche Wirkung. Die Motive und Konturen werden hier auf Leinen gestickt und durch sparsam eingesetzte Aquarellfarben unterstützt. Ihre Bilder und Bildtitel zeigen selbst bei martialischen Motiven eine humoristische Note. Da wäre der Wandteppich „122 Blüten und ein Hamster“ (erhängter Hamster, Anm.d.Red.), „Zwei extrem freundliche Koi“ auf sechs Kissenbezügen oder ein 30er-Jahre-Stuhl mit gestaltetem Sitzpolster, auf dem Hitlers Schäferhund „Blondie“ Männchen macht. Während ihr Lieblings-Stück aus der Reihe „Das unendlich Kleine“ auf gestickte Konturen und wenig Farbe reduziert ist, leuchten einige ihrer großformatigen Wandteppiche in flächiger Buntheit. Humor und Material geben ihren Werken eine sanfte, tröstliche Note. „Die Stickerei benutze ich, um Schrecken und Scheitern liebevoll darzustellen. Sie macht das Fürchterliche überdeutlich. Gleichzeitig möchte ich die Menschen mit meinen Bildern trösten.“

Lange konnte sich die gebürtige Ostfriesin nicht zwischen Schreiben, bildender Kunst und Schauspiel entscheiden. Jetzt aber passe alles zusammen, erzählt sie. Seit dem Frühjahr betreibt sie auch eine Galerie in Worpswede. Die Kunst ist für Ueltzen eine Gelegenheit innezuhalten. „Wenn man etwas genau betrachtet, hat es immer Einfluss auf das Leben.“ Das könne ein Film, ein Bild, ein Gedicht und eine Melodie sein. Bildende Kunst sei die Essenz aus dem, was man nicht sagen könne.

Wenn Ueltzen jemandem ein Bild schenken müsste, dann ginge es an US-Präsident Barack Obama. In seiner öffentlichen Rede zu seinem zweiten Wahlsieg richtete der Präsident einen Satz an seine Kinder, die nach der ersten gewonnenen Präsidentschaftswahl einen Hund bekommen hatten. „Ein Hund ist wahrscheinlich genug“, sagte der Präsident. Und so fertigte Ueltzen spontan ein Obama-Bild mit dem Titel „One dog is probably enough“.

www.marie-ueltzen.de

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