Maria Mathieus „Amazone 38 mit T-Rex“

Mein Kunst-Stück: Kraftvoll in Linol

„Amazone 38 mit T-Rex“ heißt das Bild, das Maria Mathieu in unserer Künstler-Serie präsentiert. Foto: langkowski
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„Amazone 38 mit T-Rex“ heißt das Bild, das Maria Mathieu in unserer Künstler-Serie präsentiert. 

Bremen - Von Ilka Langowski. „Amazone 38 mit T-Rex“ heißt Maria Mathieus Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf Metall gedruckt, präsentieren sich kraftvoll der Fleischfresser aus der Ur-Zeit im Hintergrund und die mythologische Frauenfigur auf einem Motorrad.

Der Linoldruck auf Aluminium mit dem Titel „Amazone 38 mit T-Rex“ von Maria Mathieu vereint zwei Drucke zu einem Gesamtbild. Die Idee zu Mathieus Amazonen-Reihe entstand während eines Auslandssemesters in Toulouse. Bei Wanderungen im streng katholischen Südfrankreich stieß Mathieu praktisch an jeder Ecke auf Darstellungen der Heiligen Jeanne d‘Arc. Die junge Jeanne d‘Arc hatte während des Hundertjährigen Krieges für die Franzosen erfolgreiche Schlachten geführt und geleitete Karl VII. von Frankreich zur Krönung. Nach ihrer Gefangennahme wurde sie erst von der Kirche auf dem Scheiterhaufen verbrannt und später heiliggesprochen. „Für mich ist sie eine Amazone“, sagt Mathieu. „Und beide Bilder verstärken sich gegenseitig.“

Für ihre „Amazone 38 mit T-Rex“ verwendete Maria Mathieu Linolschnitte als Ausgangsmaterial. Dann kombinierte sie die in einen modernen Kontext gesetzten Motive 2013 und ließ sie auf Aluminium drucken. „Ich finde die beiden formell und farblich ganz gelungen“, sagt die Künstlerin, die sich sonst mit riesigen Rauminstallationen und überdimensionalen Zeichnungen beschäftigt. „Die Linolschnitte sind der spielerische Moment in der Arbeit. Sie bilden einen Gegensatz zu meinen konzeptuellen Werken, die sehr genau vorbereitet werden.“

Auf die bildende Kunst sei sie wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, sagt die 1948 in Saarlouis geborene Mathieu. Als die Kinder der damaligen Schriftstellerin aus dem Haus waren, wollte sie es noch einmal wissen und bewarb sich an der Kunsthochschule. Dabei war bildende Kunst in ihrer Jugend kein Thema gewesen. Doch erhielt sie mit 60  Jahren den Meisterabschluss mit Auszeichnung.

Seit elf Jahren verbringt die Künstlerin die ersten Tage der Woche in ihrem Atelier in Bremen. Im Künstlerhaus auf dem Gelände der früheren Ogo-Kaffeerösterei in Hastedt entwirft sie metergroße Zeichnungen für ihre Rauminstallationen oder sie entspannt etwas beim Linolschnitt. „Hier arbeite ich manchmal rund um die Uhr, habe Bett und Dusche.“ Ihr einziges Laster für produktive Durststrecken ist Schokolade. Wenn sie mal nicht im Atelier ist, besucht sie ihre Ausstellungen und sichtet die Räume, für die sie die Installationen konzipiert.

Die Herausforderung des Künstlerlebens sei jede neue Ausstellung, die ja immer in anderen Räumen stattfinde, sagt Mathieu. Außerdem verdiene man nicht viel. Die Installationen stellten sich zwar gut aus, seien aber nicht so gut für den Verkauf. „Doch ich finde die Freiheit wunderbar. Ich kann ohne Unterbrechung arbeiten, wann ich es will.“ Ob wir Kunst brauchen? „Ja, denn Kunst ist Kultur. Und wir brauchen Kultur und Bildung. Wenn man gute Kunst betrachtet, macht diese offen, im Kopf und emotional. Kunst tut den Menschen gut.“

Zu den Künstlern, die für Mathieu besonders bedeutend sind, zählen die frühere Bremer Professorin Katharina Hinsberg und der in Irland geboren spätere US-Amerikaner Sean Scully. Hinsberg ermutigte Mathieu als deren Professorin und macht selbst beeindruckende Werke aus Papier und Linie im Raum. Scullys großformatige Farbfelder hält Mathieu für ein Erlebnis. „Sie sind unglaublich, wenn man davorsteht.“ Wenn Mathieu an jemandem ein Bild als Botschaft adressieren sollte, dann würde ein Kunstwerk mit großer Tiefe an all jene gehen, die glauben, dass wir Kunst nicht brauchen. „Es könnte davon überzeugen, dass Kunst die Menschen berührt.“

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