„Mein Kunst-Stück“ mit Klaus Effern: Die Skulptur „Murphy“

Neu arrangierter Rumpf

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Klaus Efferns „Murphy“ durfte in seiner Entwicklung stehenbleiben.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Murphy“ heißt Klaus Efferns Skulptur, die er uns in der Reihe „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. „Murphy“ wohnt am alten Neustädter Güterbahnhof. Er ist nicht neu und von seinem Erfinder unfertig für vollendet erklärtworden.

Die Holzskulptur ist Klaus Efferns liebstes Kunst-Stück. In seinem Bildhaueratelier, das er sich mit einigen anderen Künstlern teilt, ist „Murphy“ nicht der größte. Seine Form ist oben ausgearbeitet und an den Füßen roh. So sieht es aus, als schäle sich die Figur gerade aus einem Mondanzug.

„Murphy“ hat seinen Meister zweifach überrascht. Zum einen habe er die Persönlichkeit oder Aura des Modells ganz unerwartet stark getroffen, und zum zweiten musste der Künstler die unfertige Skulptur als vollendet deklarieren. Der sichtbare Zustand des Herausbildens war ein Grund, warum Effern nicht weiter an

„Murphy“ arbeiten wollte. „Die Figur zeigt alles Potenzial, das in ihr angelegt ist, und behält durch den unfertigen Zustand eine starke Kraft und Energie“, sagt der Bildhauer. Die aufgemalten Linien zeigten, an welchen Stellen er das Material ursprünglich weiterbearbeiten wollte.

Während viele Bildhauer aus einem Stück arbeiten, montiert der Bremer verschiedene Holzteile aneinander. Mit Holzdübeln, die bis zu einem halben Meter lang sein können, verbindet er die Stücke. Das erlaubt es ihm, beispielsweise nachträglich einen Arm zu verdrehen oder den Brustkorb durchzusägen, um den Rumpf dann neu zu arrangieren. „Das macht Spaß und gibt mir sehr viel Freiheit“, sagt Effern. Auch wenn die Zerstörung ihn anfangs große Überwindung kostete. Dann habe er den Spieß umgedreht und das Verfahren zu seiner neuen Technik erkoren. Das Material, vorwiegend Pappel und Platane, streicht er dünn mit Farbe über. Ihn störten anfangs nicht nur die unterschiedliche Helligkeit des Holzes, sondern auch der Umstand, dass die Ästhetik des Holzes alle Inhalte einer Skulptur übertönte: „Da kann man einen sterbenden Gallier fertigen, und alle sagen: Oh, ist das schön!“

Dabei möchte er den Mensch im Kunstwerk abbilden. Es soll alles Menschliche widerspiegeln, etwa Verletzlichkeit, Lebendigkeit und Vertrauen. „Diesem Ereignis nachzuspüren, das ist das Tolle“, sagt Effern, „es ist wie ein Geheimnis, das plötzlich offenbar wird, das kann man sich nicht am Schreibtisch ausdenken.“ Gerade arbeitet er an einem Skulpturenensemble für eine Ausstellung in Finnland im kommenden Jahr. Groß wirken sie. Durch die sichtbaren Schnittstellen und Gelenke sehen sie aus, als wollten sie gleich losmarschieren.

Klaus Effern wurde 1967 im Chiemgau geboren. Zwar kommt er aus keiner Künstlerfamilie, aber seine Eltern akzeptierten und förderten die Entscheidung ihres Sohnes, die Fachschule für Holzbildhauerei zu absolvieren. Später studierte er an der Hochschule für Künste.

Ein Leben ohne Kunst ist für den Bildhauer nicht vorstellbar: „Ein Gefühl für Ästhetik und Harmonie ist tief im Menschen verankert.“ Bildhauerei heiße aber vor allem: „Schleppen, schleppen, schleppen.“ Ein Künstler, den Effern besonders mag, ist Renaissancemaler Matthias Grünewald. „Es steckt eine unglaubliche Magie in seinen Bildern.“ Das sei ähnlich wie beim Tennisstar John McEnroe: Der sei auch ein guter Techniker gewesen, aber im Spiel so unorthodox, dass man seine Art nicht nachmachen kann. Wenn Effern jemandem eine Skulptur schenken müsste, dann ginge sie an Woody Allen: „Ich setze mich in meiner Arbeit mit Menschenbildern auseinander. Und Allen ist ein Großmeister der menschlichen Psychologie.“

www.klaus-effern.de

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