Frischer Farbenfluss

„Mein Kunst-Stück“ mit Karl Kodritsch und seinem Bild „Vereinigung“

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Der gebürtige Österreicher Karl Kodritsch ist ein Verfechter des „Flowismus“. Der Wahlbremer ist für seine farbstarken und abstrakten Bilder im Großformat bekannt. „Vereinigung“ entstand vor 15 Jahren.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Vereinigung“ heißt Karl Kodritschs Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf über anderthalb Quadratmetern vereinigen und trennen sich Farben und Flächen. „Und es gibt immer wieder etwas zu entdecken“, sagt der Maler.

„Die zwei zusammenwachsenden Körper in ‚Vereinigung‘ stehen für alles, was zusammenfindet“, sagt Karl Kodritsch. Doch er hätte auch jedes andere seiner Bilder auswählen können, sagt er. „Jedes ist ein Unikat. Und jedes Bild dauert so lange, dass es einem emotional ans Herz wächst.“

Klassische Malerei wich in der Entwicklung abstrakter Kunst

Kodritsch beschäftigt sich mit der Technik des „Flowismus“, seit er 1993 in einer Prager Ausstellung Bilder in dieser Technik sah. Sein Bild „Vereinigung“ entstand vor über 15 Jahren. „Ich bin sehr experimentierfreudig“, sagt er, „und es gibt immer Neues zu entdecken.“

Er nutzt die unterschiedliche Dichte der Farben, um ganz besondere Strukturen zu erzeugen. Diese Mischtechnik aus unterschiedlichsten Farben wie Acryl, Öl und Lack erfordert zwischendurch Trocknungsphasen und dann wieder Momente, in denen schnell gearbeitet werden muss, weil bestimmte Effekte nur mit frischen Farben erzielt werden können. Der „Flowismus“ schaffe sehr dekorative Bilder, manchmal fast landschaftsähnlich, erzählt der gebürtige Österreicher. Bevor er sich dem „Flowismus“ zuwandte, malte Kodritsch klassisch, also von Porträts über Landschaften bis zur naiven Malerei. Mittlerweile ist der Wahlbremer für seine farbstarken, abstrakten Bilder im Großformat bekannt.

Wehrdienst beendet das Studium an der Meisterschule Graz

Bereits in der Schule wurde er wegen seiner Begabung ermutigt, an der Kunst dranzubleiben. Kodritsch besuchte die Meisterschule in Graz, musste sie aber abbrechen, als er zum österreichischen Wehrdienst eingezogen wurde. Durch einen Freund kam er 1970 unverhofft nach Bremen. Um Geld zu verdienen, fuhr der Maler zur See und machte sein Ingenieurspatent. Erst 1984 begann er wieder mit der Kunst. Ein Aufenthalt am jordanischen Königshaus inspirierte ihn zusätzlich.

Der Arbeitsalltag des Bremers ist saisonabhängig. Im Atelier findet man ihn, wenn es warm ist. In der kalten Jahreszeit füllen andere Tätigkeiten das Programm, beispielsweise die Bespannung der Rahmen und die Vorbereitung von Ausstellungen. „Es gibt jeden Tag etwas zu tun“, sagt Kodritsch. Die Herausforderungen des Künstleralltags seien der Überlebenskampf, der dazu gehört, mit Freude bei der Sache zu bleiben und die Konfrontation mit verschiedenen Meinungen. „Jede Ausstellung ist eine Herausforderung, wenn man mit den Leuten ins Gespräch kommt“, erzählt Kodritsch. Das könne auch mal Ablehnung sein. Kritik sei aber immer gut.

Freude und soziales Engagement

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, um uns daran zu erfreuen“, antwortet Kodritsch. Zu den Künstlern, die für ihn besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische Maler Gerhard Richter und der US-amerikanische Popart-Künstler Roy Lichtenstein (1923 bis 1997). Richter fasziniert Kodritsch unter anderem auch, weil er trotz Ruhm „moralisch gefestigt, sozial engagiert und mit beiden Beinen im Leben“ geblieben sei. An Liechtenstein gefällt dem Bremer die exakte Strukturierung seiner Bilder mit einfachsten Mitteln.

Wenn Kodritsch jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines an eine soziale Einrichtung. „An Leute, die Freude daran haben, aber deren Einrichtung aufgrund der finanziellen Situation vielleicht schmucklos ist.“

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