„Mein Kunst-Stück“ mit Jutta Kritsch: Das Cut-Out „Soldatin“

Weichen für die Zukunft

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Jutta Kritschs „Soldatin“ ist ein Cut-Out.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Soldatin“ heißt Jutta Kritschs Cut-Out, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es steht für ein Thema, das viele Arbeiten Kritschs begleitet. In ihnen beschäftigt sich die Künstlerin mit Punkten im Leben, an denen Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Die aus Sperrholz gesägte „Soldatin“ sieht weder kampfeslustig noch glücklich in ihrer Situation aus. „Der Tarnanzug wirkt eher wie eine Verkleidung“, sagt Kritsch. Diese verkörperte Widersprüchlichkeit sei spannend. Die Soldatin stehe allein im Raum. Sie habe keinen Kontext, den ein Tafelbild seinem Motiv normalerweise zuordnet. Kritschs Cut-Outs stehen für sich. Ohne den schützenden Rahmen eines Bildes wirken die Protagonisten verletzlich. Mit einigem Abstand zur Wand befestigt, werfen die Figuren einen Schatten und erscheinen fast plastisch. Der Interpretationsspielraum für den Betrachter ist groß: Hat diese Frau die richtige Entscheidung getroffen? Wie wird sich ihr Entschluss auf ihren weiteren Lebensweg auswirken?

„Ganz aktuell haben wir ja auch eine Situation, wo sich Entscheidungspunkte aufdrängen“, sagt Kritsch. „Sie erfordern schnelle, möglicherweise auch vorschnelle Entscheidungen.“ Die Künstlerin beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema „Zeit“. „Ständig werden wir damit konfrontiert, Entscheidungen über unsere Zukunft zu fällen“, erzählt sie. „Dabei wissen wir nicht sicher, ob sich daraus gute Dinge entwickeln.“ Einige Entscheidungen brächten mehr ins Rollen als gedacht und andere Entscheidungen fielen mit zunehmendem Alter und größerer Erfahrung leichter. Rückblickend sei interessant, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen den Menschen zu jenem Zeitpunkt beeinflussten. Und wie wäre das Leben wohl verlaufen, wenn man an der Wegzweigung anders abgebogen wäre?

Collagen und Cut-Outs sind ein Markenzeichen der Wahlbremerin. Nach den Collagen, in denen sie Wesen, Figuren und Gestalten aus Hochglanzdrucken fertigt und durch Tintenzeichnungen ergänzt, kreiert Kritsch oft ihre Cut-Outs. Dazu sägt sie zuerst deren Silhouette aus. Das geschieht spiegelverkehrt, damit an der späteren Vorderseite später keine Sägespuren zu sehen sind. Anschließend malt Kritsch die Rückseite aus. Der Prozess muss also schon durchgeplant sein, bevor die Säge angesetzt wird. Das ist nicht leicht und nicht leise, aber Kritsch liebt es, „mit schwerem Gerät“ umzugehen.

Etwas anderes als Kunst zu machen, kam Kritsch nie in den Sinn. Einen Entscheidungspunkt gab es dafür also nicht. „Eher war es ein Durchsetzungsprozess“, erzählt sie, „denn es war ja ganz unvernünftig, das zu machen.“ Doch die Kreativität wolle einfach aus einem raus, sagt Kritsch fröhlich. Die Ideen gingen ihr nicht aus. Die Herausforderung sei es, diese zu bündeln und abzuarbeiten. „Ich habe also gar keine Zeit, etwas anderes zu tun.“ Kritsch arbeitet diszipliniert und regelmäßig. „Ich halte es für ein Gerücht, dass Künstler bei Vollmond auf offenem Feld Inspiration empfangen“, scherzt sie. Es sei aber schön, machen zu können, was Spaß macht. Sie könne dabei so viel nachdenken, wie sie will.

Künstler, die Kritsch bewundert, sind unter anderem Rembrandt und der zeitgenössische Gerhard Richter, dessen Bilder für Kritsch einen Gegenwartsbezug haben, der weit über seine eigene Zeit hinausreicht. Rembrandt hingegen habe mutig Themen aufgegriffen, die zu seiner Zeit nicht besonders präsent waren. „Außerdem möchte ich gerne wissen, wie Rembrandt bei Kerzenlicht solche Farben gemischt hat“, fügt sie an.

Wenn Kritsch ein eigenes Werk als Botschaft verschenken sollte, könnte die „Soldatin“ an Kanzlerin Angela Merkel gehen, damit diese ihre Entscheidungsprozesse durchdenkt und besonnen bleibt.

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