„Mein Kunst-Stück“ mit Junie Kuhn: „Dialog“ aus Stahlprofilen

Bewegt und zugewandt

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Junie Kuhn macht Stahl weich und hält Bewegung fest.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Dialog“ heißt Junie Kuhns Objekt, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die Skulptur besteht aus zwei senkrechten, leicht geschwungenen schwarzen Stahlprofilen. Jedes hat einen eigenen Sockel und doch gehören sie zusammen.

Dem „Dialog“ sei ein kleinerer „Stummer Dialog“ von knapp unter einem Meter Höhe vorangegangen, sagt Junie Kuhn. Das Großformat messe 2,30 Meter. Die auf einen leichten Schwung reduzierten Figuren seien tänzerisch, sinnlich und minimalistisch. Durch das Material vereinten sie Gegensätze wie heiß und kalt, starr und biegsam sowie hart und weich. „Dem schweren Material Leichtigkeit abzuringen, fasziniert mich“, sagt die Künstlerin, die schon als Kind mit Gartendraht und einer Zange aus Vaters Werkstatt kleine Skulpturen gewickelt hat. Bei großen Objekten und konzeptionellen Arbeiten komme man mit manuellem Werkzeug aber nicht weit.

Dann fährt die Bremerin mit ihrem starren Rohmaterial zu einer Stahlbaufirma. Dort lässt sie es mit schwerem Gerät biegen, kanten und walzen. An der Schmiedearbeit reizt sie die Transformation und Wandlung des unerbittlich harten Stahls zu einem Objekt, das Sinnlichkeit oder gar Erotik ausstrahlt. „Vielleicht hat es auch etwas mit dem Urelement Feuer zu tun“, merkt Kuhn an. Denn Feuer braucht es zur Bearbeitung von Eisen. Stahl lasse sich erst bei 1200 bis 1300 Grad Celsius weichformen. „Anfangs habe ich mich ganz schön oft verbrannt“, sagt die Künstlerin und lacht.

Dass Kuhn, die lange Zeit im Ausdruckstanz und im Tanztheater zu Hause war, aufs Schmieden kam, verdankt sie einer Ausbildung zur Maschinenbauerin 1984. So lernte sie dort die Grundtechniken der Kraftübersetzung, die Transmission, und sie bearbeitete zum ersten Mal in ihrem Leben Stahl mit einem Brenner. „Da war es geschehen“, lacht Kuhn. Sie lernte eine französische Schmiedemeisterin kennen, „fing Feuer“ und besuchte verschiedene Schmiedeschulen, unter anderem in Frankreich, Italien und auch in Diepholz. „Dort ließ der Graf von Hoya seine Pferde beschlagen“, erzählt Kuhn. Anschließend wusste sie genau, mit welchen Maschinen sie loslegen konnte. Ihre ersten Arbeiten waren noch zweidimensional und figurativ. Mit der Zeit reduzierte sie ihre Skulpturen auf Flächen und Linien im Raum. Je mehr Kuhn sich dem Stahl zuwandte, desto stärker rückte ihre zweite Leidenschaft, das Tanzen, in den Hintergrund. Als ihr das harte Material auf die Knochen ging, pausierte die Künstlerin mit dem Stahl und begann, wieder zu tanzen. Heute haben beide Ausdrucksformen ihren Platz in Kuhns Leben. „Tanz und Stahl haben praktisch die Hochzeit vollzogen“, freut sie sich. Auch dafür stehe der „Dialog“.

Kunst ist in Kuhns Augen Nahrung für die Sinne und fürs Herz. Als Künstler dürfe man sich allerdings nicht ständig fragen: „Bin ich gut?“ oder sich gar von der Gesellschaft spiegeln lassen. Man sollte Kunst „aus sich selbst heraus gebären“. Auch müsse man sich innerlich von der Angst freimachen, eventuell nicht gut genug zu sein, um davon leben zu können.

Künstler, von denen Kuhn begeistert ist, sind die französische Bildhauerin Germaine Richie (1902–1959), die riesige teils insektenartige Skulpturen fertigte, und der spanische Bildhauer Julio Gonzáles (1876–1942), dessen Skulpturen für Kuhn „innegehaltene Bewegung“ sind. Wenn Kuhn jemandem eine Arbeit schenken sollte, dann ginge eine ausgewählte Skulptur an die Bremer Jazzerin Romy Camerun, mit der sie vor Jahren in engem Kontakt stand. Sie könne die Botschaft vermitteln, dass man einander auch ohne direkten Kontakt weiterhin in Gedanken zugewandt sei.

www.juniekuhn.de

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