„Mein Kunst-Stück“ mit Joachim Manz: „Wandstück 4“

Sensibler Beton

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Geheimnisvoll wirken Joachim Manz’ bewegliche Skulpturen.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Wandstück 4“ heißt Joachim Manz bewegliches Objekt, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In einer weißen Wand der Bremer Kunsthalle versenkt, zeigt sich die Kontur des Objekts als schwarzer Strich. Geht man näher, erkennt man, dass der Strich ein Spalt und das „Wandstück 4“ beweglich ist.

Wie in einem Krimiklassiker versteckt Joachim Manz’ „Wandstück 4“ einen geheimen Raum. Viele Betrachter zögern anfangs, es zu berühren. Auf leichten Druck aber dreht sich das schwere Betonstück lautlos aus der Wand. Seine Oberfläche ist kühl und glatt. „Die zweidimensionale Strichzeichnung geht in eine dreidimensionale Skulptur über“, sagt ihr Erschaffer. Die Wandlung vollziehe sich in der Bewegung. Aus dieser Grundidee gestaltete Manz seine Werkreihe „Wandstücke“.

Inspirieren lässt sich der Bildhauer durch nächtliche urbane Spaziergänge. „Ich habe dann irgendwann einen Riesenfundus im Kopf“, sagt er. Vor einer Ausstellung zieht sich Manz für einige Wochen zurück. Während so einem fast meditativen Ruhezustand mischen sich die äußeren Eindrücke mit den Bildern im Kopf. So entstehen seine meist sehr reduzierten Plastiken, manchmal befremdlich und fast immer mit einem Entdeckungsmoment versehen.

Beton ist Manz Lieblingsmaterial. „Nicht nur, dass das Material in der Verarbeitung super riecht“, sagt Manz, „es erlaubt auch eine große Bandbreite an Formen.“ Außerdem sei Beton sehr sensibel. Dessen Verarbeitungstemperatur bestimme am Ende über Farbe und Oberfläche einer Skulptur. In der Herstellung kommt es auf den Zehntelmillimeter an. „Das ist quasi Modellbau“, sagt Manz und lacht. Sein handwerkliches Können gibt ihm die Freiheit, mit dem Material bis an die Grenzen zu gehen. Per Beton schafft er auch wieder den Bezug zum Ursprung seiner Idee, der städtischen Architektur.

Doch nicht alle Werke Manz’ bestehen aus Beton. Einige von ihnen befinden sich im öffentlichen Raum. Am Rheinufer beispielsweise stehen unter dem Titel „Rheinschlafen“ aus Weidenruten geflochtene Wände, die sich als Klappbetten entpuppen. In Dresden

befinden sich Insel-Podeste auf einer Wiese. Sie schwimmen bei Hochwasser auf und fallen anschließend an beliebiger Stelle wieder trocken. Und

am Rand der Bremer Wallanlagen konnte man

2004 im Ostertor Manz’ installierte Freiluftdusche ausprobieren.

Beruflich startete Manz im Bildungsbereich. Doch anderthalb Jahre Ausbildung bei einem Bildhauermeister hatten ihn mit derart vielen Ideen und Bildern versorgt, dass er zwei weitere Jahre nutzte, um diese weiterzuentwickeln. „Irgendwann hatte ich dann die erste Arbeit, von der ich meinte, dass sie in der Öffentlichkeit gezeigt werden kann.“ Zum gewählten Künstlerleben gehörten große Schwankungen. Mal habe man große Ausstellungen, mal nicht. Mal komme Geld rein, mal nicht. Die größte Herausforderung sei derzeit aber der extrem ausgeweitete Kunstbegriff, sagt Manz. Man bewege sich in einem Feld ohne objektive Kriterien und in Abhängigkeit von ein paar wenigen subjektiven Urteilen. Dennoch macht die Kunst Manz glücklich – wenn er einen guten Einfall hat. Für ihn persönlich seien Kunststücke bedeutend, die nach der ersten Wahrnehmung immer wieder in Vorstellung und Traum auftauchen. Sie würden lebensbegleitend. Der Gesellschaft biete die Kunst außerdem eine riesige Projektionsfläche, etwa wenn die Spekulation mit Kunstwerken ihre Blüten treibt.

Zu den Künstlern, die für Manz besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische Bremer Werner Henkel als guter Freund und Beobachter mit „unglaublichem Erfindungsreichtum“ sowie der Wahlhamburger Peter Piller, der mit Fotografien, Zeichnungen und Zeitungsfotos Alltagsszenen in künstlerische Zusammenhänge setzt.

Wenn Manz jemandem ein Kunstwerk überlassen sollte, dann hätte er es am liebsten dem 2014 verstorbenen Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frank Schirrmacher, gegeben: „Sein Feuilleton habe ich sehr geschätzt.“

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