„Mein Kunst-Stück“ mit Heinrich Johann Behrends: „Klassentreffen“

Figuren aus aller Welt

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In Heinrich Johann Behrends’ „Klassentreffen” sind alle Geschöpfe gleichwertig.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Klassentreffen“ heißt Heinrich Johann Behrends’ Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt eine farbenfrohe Figurengruppe mit Gorilla vor einer Weltkarte.

Die bunte Truppe in Behrends‘ Atelier fällt auf. Die meisten anderen Skulpturen bestehen aus naturbelassenem Holz oder Stein. Sie sind zurückhaltender. Die keramischen Figuren hingegen wirken aufgekratzt und exotisch. „Man könnte meinen, sie haben ihr Leben in der Welt gelebt und kommen nun nach Jahren wieder zusammen“, beschreibt der Bildhauer die Szene. Das Ensemble könnte dazu auffordern, nicht an der vertrauten Scholle zu kleben und die offenstehende, globalisierte Welt als Bereicherung zu sehen.

Die Keramik-Skulpturen haben etwas Verbindendes. Und doch ist jede eine eigene Persönlichkeit. Jede Figur trägt ein tierisches Attribut als Schmuck, Tätowierung oder gleich als lebendigen Begleiter. Behrends’ „Klassenkameraden“ schmücken sich mit Tieren, wie es viele Urvölker tun. So soll etwas von der Energie und den Eigenschaften des jeweiligen Tieres auf den Menschen übergehen. Überall in Behrends’ Atelier finden sich Tierskulpturen. „Sie verweisen auf die Verbindung von Mensch und Tier“, sagt der Künstler.

Keramik-Skulpturen produziert Behrends nur im Sommer. Im Winter ist der Ton zu fest. Leichter sei die Arbeit mit Ton aber nicht. Es sei sogar eine diffizile Angelegenheit, erzählt der Bildhauer. Man dürfe den hohlen Körper nicht zu schnell und nicht zu langsam nach oben ziehen. Während seine Steinarbeiten immer naturfarben bleiben, um nicht von der dem Stein eigenen Oberflächenreflexion abzulenken, reizen Behrends an der Keramik gerade die Vielfalt und Farbgebung.

Auf die Kunst kam der gebürtige Nordener in den 70er Jahren beim Trampen. Dabei begegnete er einem Studenten von der Ottersberger Kunsthochschule. Als der gelernte Kaufmann sah, wie die Kunststudenten malten und meißelten, entschloss er sich, zur Bildenden Kunst zu wechseln. Er besuchte die Bremer Hochschule für Künste und übte sich im Bereich Plastik. „Dabei muss man wahnsinnig stur sein“, erzählt Behrends und lacht, „arbeitet man einen Fehler nicht sofort nach, wird das Resultat mit der eigenen Vorstellung nicht mehr stimmig.“

Kunst sei „geistige Nahrung“, sagt er. Sie werde als etwas entwickelt, das nicht unserem zweckgerichteten Denken entspricht. Dabei könne Kunst auch kurzlebig sein, wie beispielsweise eine Installation. Viele Städte wären ohne Kunst einfach tot. „Geht man nach Rom, denkt man an Bauwerke, Skulpturen und Kultur“, meint Behrends, „vielleicht sind wir Menschen auch so gepolt, dass wir Kunst brauchen, wir würden uns selbst auf dem Mond einen kleinen Schrein aufbauen.“ Leider meinten manche Politiker, an der Kultur sparen zu können, aber das sei ein Bumerang.

Künstler, die ihn beeindrucken, sind der zeitgenössische japanische Grafiker und Bildhauer Katsura Funakoshi, der realistische Ebenen mit surrealistischen Komponenten versieht, und Joachim Schmettau. Auch Schmettaus Figuren sind mit surrealistischen Elementen gespickt.

Wenn Behrends jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann gingen ein paar Hände aus Holz und Keramik an die Regierungen der USA und Russland. „Dann können sie die Hände zur Faust ballen, in den Schoß legen oder beginnen, etwas zu gestalten.“ Die Hände symbolisierten etwas stark Menschliches. Mit ihnen nehme man Kontakt zueinander auf.

Behrends’ Skulpturen stehen vom 10. bis 24. April im Kulturforum Land Wursten in Dorum und vom 29. Mai bis 15. Oktober auf dem Antik-Hof Bissee in Schleswig-Holstein.

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