„Mein Kunst-Stück“ mit Hans Müller: Holzplastik „Hotel“

Ästhetik des Maßes

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Hans Müllers „Hotel“ ist exakt proportioniert.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Hotel“ heißt die flächige Holzarbeit, dieHans Müller in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Sie gehört zu einer Serie von Holzplastiken, „die ein ästhetisches Geheimnis haben, das sich erst dann zeigt, wenn sich mehrere Objekte in einem Raum präsentieren“, sagt der Künstler.

Auf den ersten Blick scheint das „Hotel“ ein Platte mit Relieffiguren zu sein. Tatsächlich setzt sich das Werk aber aus vielen einzelnen Vierkantstelen zusammen. Sie haben immer das gleiche Kantenmaß und bilden das Grundelement für Müllers Holzobjekte.

Auch die vollplastischen Figuren sind aus Vierkantholz gearbeitet und wurden anschließend in die ebenso proportionierten fensterähnlichen Öffnungen gesetzt. „Sie sehen aus wie Hotelgäste, die in einem Wolkenkratzer am Fenster stehen“, sagt Müller. Meist sehe man die Menschen dort alleine. Das habe etwas von Einsamkeit oder vielleicht warteten sie auch auf etwas. Das einheitliche Grundmaß der Stelen bringt Ruhe in die Proportionen. „Man merkt es dann besonders, wenn viele dieser Holzobjekte zusammenstehen“, sagt der Bildhauer. Es verhalte sich ähnlich wie mit den japanischen Tatami-Bodenmatten, die immer das gleiche Maß haben. Sie gelten mittlerweile als Maßeinheit beispielsweise für Wohnräume.

In Müllers Atelier finden sich aktuell vor allem Skulpturen aus Holz und rauem Muschelkalkstein. Hinzu kommen Bronzen, Marmorobjekte und Schmiedearbeiten. Ein übermannsgroßes, aus Stahl geschmiedetes Figurenensemble lässt sich an der August-Bebel-Allee in der Vahr betrachten. Seine Steinskulpturen arbeitet Müller aus vorgeschnittenen Blöcken und Platten. Ein Teil der kompakten geometrischen Struktur lässt der Künstler meistens bestehen. Aus den schweren Sockeln meißelt er Stufen, Schrägen, Lücken, Durchbrüche und immer wieder menschliche Oberkörper, die in organischer Form aus dem geometrischen Fundament herauszuwachsen scheinen. „Die Menschen, die häufig Paare sind, haben für mich keine psychologische Aussage, sondern eine architektonische Funktion“, sagt Müller. Bei der Bildhauerei gehe es darum, den freien Raum sichtbar zu machen. Die Zwischenräume und das umgebende Luftvolumen machten eine Skulptur interessant. Dafür böten sich Körper und Köpfe an.

Müller wurde in Donaueschingen geboren. In seinem Elternhaus war Kunst kein Thema. Als Kind hatte er die Idee, Philosophie zu studieren und eine Tischlerlehre zu machen. Er wollte geistige Tätigkeit und Handwerk miteinander verbinden. Gelandet ist er dann an der Bremer Hochschule für Gestaltung, wo er Bildhauerei studierte. Glücklich war der Badenser damit anfangs jedoch nicht. Ihn plagte die Sorge, ob er von der Kunst würde leben können. Erst gegen Ende des Studiums bekam er Spaß an der Sache. „Heute bin ich froh darüber“, sagt Müller und lacht.

Sein Arbeitstag beginnt um 8.30 Uhr in der Werkstatt. Gegen 17 Uhr verliert er die Lust und wechselt in seine Lieblings-Eisdiele. Das disziplinierte Arbeiten habe ihm schon über schwierige Zeiten hinweggeholfen, erzählt er. Wenn nichts zu tun sei, räume er halt auf. Viel Zeit investiert er in Akquise und Marketing. Dazu zählen unter anderem die Herausgabe von Büchern, der Kontakt zu Galerien, aber auch Reisen zu Symposien und Ausstellungen.

Für Müller besonders bedeutende Künstler sind der Schweizer Alberto Giacometti (1901 bis 1966) der in Zürich lehrte, sowie der in Berlin lebende, gebürtige Belgier Hans Hack. Giacomettis langbeinige, hagere Bronzen sind weltberühmt. Bei Hans Hack hingegen erreichten die ausgeschälten Holzarbeiten laut Müller „eine ganz besondere Räumlichkeit“.

Wenn er jemandem eine Arbeit schicken sollte, dann dürfte sich der Direktor des Museums Weserburg über ein Werk freuen, „weil er die Bremer Bildhauerschule so ins Herz geschlossen hat“.

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