„Frau im Schatten“ von Jutta Bierewirtz

„Mein Kunst-Stück“: Schönheit durch Licht

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Spiel mit Licht und Schatten: Jutta Bierewirtz mit der Frau in der geöffneten Tür.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Frau im Schatten“ heißt Jutta Bierewirtz’ Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Im Hochformat sieht man eine Frau, die in einer Türöffnung steht. Ihr Gesicht liegt im Schatten und ist nicht zu erkennen.

Das Motiv beschreibt eine unklare Situation. „Vielleicht ist sie gerade zurückgetreten, oder sie will gerade hinaus“, beschreibt Jutta Bierewirtz ihr Ölbild „Frau im Schatten“ von 2018. Das Foto einer Prostituierten in einer Zeitschrift hatte sie zu diesem Motiv inspiriert. Doch Bierewirtz wollte kein sozialkritisches Bild malen. Also gab sie ihrer Protagonistin neutrale Bekleidung und konzentrierte sich auf ihr Arbeitsthema Licht und Schatten.

In ihrer Werkreihe „Die Nacht ist schon spät“ beschäftigt sich die Bremer Künstlerin mit der Wirkung von Licht und Schatten. Sie will zum Beispiel zeigen, wie nur ein bisschen Licht in einer dunklen Nacht die Wahrnehmung verändert. Ein erleuchtetes Fenster oder eine kleine Lampe im dunklen Raum verändern die Stimmung. „Wenn etwa bei Dämmerung in den Häusern die Lichter angehen, dann ist das schön und gibt einem das Gefühl, eingebunden zu sein“, meint Bierewirtz. Solche Bilder zeigen eine behaglich ruhige Atmosphäre. In anderen Arbeiten vermitteln scharfe Kontraste und gleißendes Licht eine unnahbare Stille.

Schatten oft interessanter als das Objekt 

Bierewirtz lehnt sich an ein Zitat des russisch-sowjetischen Schriftsellers Leo Tolstoi an. Es besagt, dass sich die Mannigfaltigkeit, der Reiz und die Schönheit des Lebens aus Licht und Schatten zusammensetzen. „Durch Licht verschwindet das Eindimensionale“, erklärt die Malerin. „Die Realität ist nicht, was man gemeinhin sieht. Zu ihr gibt es ein Pendant, einen Schatten dahinter oder einen Zwischenbereich von Fantasie und Traum.“ Oft seien die Schatten sogar interessanter als das Objekt selbst, das man fotografiert oder malt.

Bierewirtz ist über den Beruf auf die Kunst gekommen. Gemalt hat die 1948 in der Niederlausitz geborene und lange in Berlin lebende Künstlerin schon immer gerne. Bereits als Jugendliche besuchte sie Zeichen- und Malkurse. Auch als Erzieherin und nach ihrem Studium der Kunstpädagogik malte sie nebenbei. „Beruflich freier Künstler zu sein, das hätte ich mir aber damals nicht zugetraut“, sagt sie. Als sie sich vier Jahre zur analytischen Kunsttherapeutin ausbilden ließ, wollte sie 1995 endlich auch selbst intensiv malen. Zunächst richtete sie sich ein Atelier im Keller ein, dann zog sie in die Ateliergemeinschaft im Dammweg 18/20.

Malen wie Meditation

Unter finanziellem Druck steht Bierewirtz nicht. Für sie liegt die Herausforderung des Künstlerlebens darin, immer dranzubleiben. „Ich werde sehr oberflächlich und unzufrieden, wenn ich länger nicht malen kann“, sagt sie. „Es ist toll, sich für mehrere Stunden ganz und gar auf etwas einzulassen und zu konzentrieren. Das ist wie Meditation.“ Ob wir Kunst brauchen? – „Unbedingt! Weil sie schön ist und weil sie den Menschen gut tut.“

Zu den Künstlern, die ihr besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische schottische Maler Peter Doig und der deutsche Zeichner und Illustrator Horst Janssen (1929 bis 1995). Bierewirtz findet Doig großartig, weil er „unheimliche und kühne Bilder“ gemalt hat, in wilden Farben, mit einem schnellen Strich. Janssen beeindruckt sie hingegen, weil er so fantastisch zeichnen konnte und „supergute Texte“ zu seinen Bildern machte.

Wenn Bierewirtz jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein gemaltes dick vergittertes Fenster an US-Präsident Donald Trump. „Dahinter würde ich ihn gerne sehen, damit er kein Unheil mehr anrichten kann“, sagt Bierewirtz.

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