„Mein Kunst-Stück“ mit Dorit Hillebrecht: „Abgewandt“ frei nach Edgar Degas

„Fläche als Fläche“

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Dorit Hillebrechts Bildaussage wird durch die Komposition von Flächen bestimmt. „Abgewandt“ entstand nach einer Teilszene aus Degas‘ Bild „Die Baumwollfaktorei“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Abgewandt“ heißt Dorit Hillebrechts Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt einen Raum mit den Silhouetten von vier Männern. Einer von ihnen wendet sich von den anderen ab und dem Betrachter zu.

„Eigentlich mag ich alle meine Bilder“, sagt Dorit Hillebrecht. Doch „Abgewandt“ sei das jüngste. „Abgewandt“ entstand nach einer Teilszene aus Edgar Degas’ Bild „Die Baumwollfaktorei“. Den ausgewählten Bereich des detailreichen Gemäldes zitiert Hillebrecht, in dem sie ihn in ihre eigene künstlerische Sprache übersetzt. Durch ihre reduzierte Komposition von Raumperspektive und Figuren gibt sie der Teilszene eine völlig neue Aussage. Welche, das bleibt dem Betrachter überlassen. Der brauche auch gar nichts über das Bild zu wissen, sagt die Malerin. „Es reicht, ein Bild mit den eigenen Sehgewohnheiten zu betrachten. Und entweder spricht es einen an oder nicht.“

Mit Hilfe der Komposition bestimmt Hillebrecht, in welcher Beziehung die einzelnen Elemente eines Bildes zueinander stehen. „Die Komposition macht, dass ein Bild ein Bild ist“, sagt die Künstlerin. Es sei wie in der Musik, die ohne Komposition auch nur eine Aneinanderreihung von Tönen wäre. Der diagonale Balken im Vordergrund, der bei Degas noch ein langer Tisch voller Baumwolle war, ordne bei ihr vor allem die Tiefe des ansonsten eher leeren Raums. Die Diagonale gebe den Figuren Halt, die sonst frei im Raum schweben würden.

Bis eine Komposition umgesetzt wird, fertigt die Malerin viele Entwürfe an. Dann erst malt sie mit Ölfarbe auf die Leinwand, direkt und ohne Grundierung. „Das gibt einen interessanten textilen Effekt, erlaubt allerdings nicht alle Farbtöne“, sagt Hillebrecht, „Quietschgelb oder Grün gehen gar nicht.“

Ein ausgeprägtes Interesse für Kunst und Kultur begleitet Hillebrecht, so lange sie denken kann. Als sie ihr Kunststudium begann, versuchte sie es zuerst mit plastischen Arbeiten. Doch bei der Bildhauerei habe ihr der Blick für die dritte Dimension gefehlt. Also sei sie zur Malerei gewechselt und habe sich auf Flächen spezialisiert. „Bei der Fläche bin ich dann geblieben. Dort fühle ich mich zu Hause.“ Für Hillebrecht ist die große Herausforderung als praktizierender Künstler, dass man sowohl allein arbeiten muss als auch allein die Verantwortung für das trägt, was man tut oder nicht tut. Gleichzeitig müsse man sich etwas suchen, womit man sein Geld verdient, obwohl die Kunst die Haupttätigkeit bleibt. Also hat Hillebrecht für Kunst- und Kulturprojekte gearbeitet, unterrichtet und Kurse gegeben. „Das macht auch Spaß“, betont sie, „schon immer haben Künstler nebenbei für den Lebensunterhalt gearbeitet.“ Paul Gauguin etwa sei Banker gewesen und habe an der Börse spekuliert. Zu den Künstlern, die für Hillebrecht besonders bedeutend sind, zählen ebenjener Gauguin (1848–1903) und der zeitgenössische US-amerikanische Maler, Bildhauer und Objektkünstler Frank Stella. Beide hätten sich mit der Fläche als Fläche befasst, keine Raumillusion geschaffen und klare Formen benutzt, sagt die Wahl-Bremerin.

Wenn Hillebrecht jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge „Der Abgewandte“ an die Bremer Baumwollbörse, um die Überlegung anzuregen, ob sich die dortigen Räume nicht auch gut für

Kunstausstellungen eignen würden.

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