„Mein Kunst-Stück“ mit Conny Himme: „Rausch 01“

Innere Welt

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Im Rausch lösen sich Formen und Orte auf. „Rausch“ heißt Himmes neue Reihe.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Rausch 01“ heißt Conny Himmes Bild, das sie für „Mein Kunst-Stück“ ausgesucht hat. Scheinbar schwerelos driftet der Körper eines jungen afrikanischen Mannes rücklings in einen Raum aus zarten Farben.

Die neueste Serie der Malerin Conny Himme beschäftigt sich mit dem Thema „Rausch“. „Rausch hat etwas mit Entgrenzung, Grenzerfahrung und Hingabe zu tun“, sagt Himme, „dazu gehört für mich auch eine Ortlosigkeit. Der Körper löst sich in seiner Umgebung auf.“

Der Hintergrund ihres Bildes könne ebenso gut eine Innenwelt darstellen. Für die Abbildung des afrikanisch-stämmigen Jungen hat sich Himme entschieden, weil das Gesicht archetypischer sei und für die Menschen insgesamt gelte. Der Gesichtsausruck sei in sich gekehrt und sehr intim. Den farbenfrohen Hintergrund erarbeitete Himme aus vielen Schichten Acryllack.

„Für solch zerfließende Farben hätte ich bei Ölfarbe literweise Terpentin zum Verdünnen gebraucht“, erklärt die Künstlerin. Mit ihren Bildern will Himme kulturelle Codes infrage stellen: Was erwarten wir von einem Bild? Was wollen wir sehen und was wollen wir nicht sehen?

Die Interpretation überlässt sie dem Betrachter. Politisch und kritisch sind ihre Bilder, etwa zum Thema Afrika und Kolonialherrschaft oder zu Religion und patriarchischen Strukturen. Was machen solche Strukturen mit den Menschen, fragt sich Himme, und wie sehen wir diese Menschen?

Himme selbst ist in einem wenig künstlerisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Malen konnte sie schon „sehr früh sehr gut“. Von den klassischen Frauenberufen wollte sie keinen: „Das stellte ich mir vor, als bewege man sich in einem kleinen Pool, während überall drumherum das Leben tobte. Dort machten die Männer das, was sie wollten.“ Also lernte die gebürtige Marburgerin Grafische Zeichnerin, bevor sie sich in den 70er Jahren ins politische und spirituelle Getümmel dieser Zeit warf. Anschließend begann sie ein Kunststudium in Bremen, wurde Mutter, studierte Kunstpädagogik und machte doch immer noch am liebsten selber Kunst.

Die größte Herausforderung als freischaffender Künstler sei wohl die finanzielle Unsicherheit, meint Himme. Gleichzeitig müsse man sein eigener Manager sein, Preise verhandeln, die Buchhaltung führen und sich selbst vermarkten. „Das kostet Kraft, aber man lernt viel“, erzählt die Malerin.

Außerdem lebe sie selbstbestimmt. Wenn Himme nach der Büroarbeit ihr Atelier an der Nordstraße in Bremens Hafengebiet betritt, ist das für sie die schönste Zeit. Dann ist sie gern allein und ungestört. „Der künstlerische Prozess ist immer wieder erstaunlich“, erzählt die Wahl-Bremerin. Beim Malen gebe es Momente, in denen man mit dem Bild verschmelze. Dann „spreche“ das Bild mit einem: „Man fühlt praktisch, wo welche Farbe und welche Form hin muss. Und die Gewissheit wächst, dass es gelingt.“

Wenn ein Mensch Kunst macht oder genießt, begegne er sich selbst, meint Himme. Kunst stelle infrage und schaffe neue Sichtweisen. Man erfahre dadurch, wer man ist. Das sei die Grundlage dafür, seine eigenen Fähigkeiten in die Welt einzubringen, selbst zu denken und sich nicht gängeln zu lassen. „Kunst macht frei und glücklich“, sagt Himme fröhlich.

Künstler, deren Werke Himme gerne betrachtet, sind der zeitgenössische Jonas Burgert und die in Südafrika geborene Marlene Dumas. Burgert setze seine Figuren vor phantastische Hintergrundszenen, und Marlene Dumas mache in ihren Bildern Privates öffentlich.

Wenn Himme jemandem ein Bild schenken sollte, dann ginge es an den Papst: „Ich habe einige historische Fotos aus der Münchner Pinakothek abgewandelt, um darauf aufmerksam zu machen, dass Religion ein Machtinstrument ist.“

www.connyhimme.de

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