„Mein Kunst-Stück“ mit Benjamin Besslich: „Nach der Natur“

Biene trifft Beutelwolf

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Vielschichtig und fragil ist Benjamin Besslichs Installation auf Glas.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Nach der Natur“ heißt die Installation, die Benjamin Besslich in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Mit Tiersilhouetten bedruckte, große Glasscherben bilden ein transparentes Ensemble. Ihre Schatten verdoppeln das zoologische Zusammentreffen auf der dahinterliegenden weißen Wand.

„Fast hätte ich für ‚Mein Kunst-Stück‘ die neueste Arbeit ausgesucht, weil man dort selbst noch neugierig auf die Entwicklung ist“, erzählt Besslich. Dann entschied er sich jedoch für die fragile Installation „Nach der Natur“. Sie bringt vieles zusammen, meint der Künstler. Zum einen eine alte Drucktechnik, kombiniert mit einem ungewöhnlichen Material. Zum anderen erschließe sich der Inhalt nicht sofort, biete aber viele Ebenen des Zugangs. Außerdem lasse sie Freiraum für eigene Gedanken.

Auf dem Arbeitstisch in Besslichs Werkstatt liegen Holzschnitte. Wie bei übergroßen Stempeln sind die Konturen seiner tierischen Protagonisten herausgeschnitzt und können für unendlich viele Drucke genutzt werden. Zum Holzschnitt-Tierreich zählen unter anderem Biene, Beutelwolf, Quallen und Mäuse. Sie druckt Besslich auf verschieden geformte klare Scherbenstücke. Die fertigen Glasbilder stehen mit etwas Abstand zur Wand auf einem Sims. Einige Objekte überschneiden sich oder ihre Schatten treffen sich auf der Wand. „Es macht Freude, sie neu zu ordnen“, meint ihr Erschaffer, „die Variationsmöglichkeiten sind künstlerisch reizvoll.“ Zu jeder Figur- oder Figurengruppe auf Glas gibt es eine Geschichte. Beispielsweise, dass die Maus das meistverbrauchte Versuchstier ist. Oder dass der Tasmanische Beutelwolf ausgerottet wurde.

Beide stehen dennoch in einer Beziehung zueinander. Denn mittlerweile haben Forscher Teile eines Beutelwolf-Genoms einer Maus eingepflanzt. „Und schon kann man sich mit der Frage auseinandersetzen, wo Natur anfängt und wo sie aufhört“, merkt Besslich an. „Früher waren die Grenzen deutlicher, heute sind sie fließend.“ Um seine Installation zu verstehen, braucht der Betrachter diese Informationen aber nicht. „Jeder findet seinen eigenen Zugang“, ist der Künstler überzeugt – über die Zerbrechlichkeit des Glases zur Fragilität der Natur oder über Perspektiven zu Blickwinkeln auf die Natur. Das Besondere an „Nach der Natur“ ist, dass die Installation fast beliebig wachsen kann. „Schön wäre die doppelte Breite und Höhe“, meint Besslich. „Nach der Natur“ lässt sich ebenso reproduzieren wie auch teilen.

Die Natur inspiriert den Bremer zu seinen Themen: Er malt abstrakte Bilder nach Fraßspuren einer Schmetterlingsraupe oder installiert tierische Begegnungen in Guckkästen. „Viele Sachen sind einfach nur fröhlich und machen mir Spaß“, erzählt Besslich.

Er hat Kunst und Biologie auf Lehramt studiert, zwei Jahre Kunstförderung genutzt und sich in seiner freien Zeit weiterentwickelt. Kontinuität sei das Wichtigste, meint Besslich, „dann wird das auch was mit der Kunst“. Im Unterricht anderen weiterzugeben, wie man Kunst selbst macht, sei ihm jedoch eine Freude: „Denn Kunst bietet die Gelegenheit, einen Schritt aus dem normalen Alltag herauszutreten und etwas Überraschendes oder Neues erleben zu können.“

Zu den Künstlern, die für Besslich besonders bedeutend sind, zählen der Deutsche Gerhard Richter (geb. 1932) wegen seiner „beeindruckenden Vielfalt“ und der gebürtige Norweger Olav Christopher Jenssen (geb. 1954), bekannt für seine großformatigen Bilder mit verschlungenen Formen. Wenn Besslich jemandem ein Objekt als Botschaft schicken sollte – dann gingen ein paar Scherben von den Bienen an Produzenten von Insektiziden.

www.benjamin-besslich.de

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