„Mein Kunst-Stück“ mit Anne Baisch: „Großer und kleiner Gong“

Schillernder Klang

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Die Gongs von Anne Baisch klingen auf Anschlag in Obertönen.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Großer und kleiner Gong“ heißt die Installation, die Anne Baisch in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Ein großes Aluminiumblatt und ein kleinerer polierter Stahlspiegel in der gleichen Form bewegen sich unabhängig voneinander im Wind.

Die senkrecht gespannten Metallblätter sind nicht nur ein optischer Blickfang. Sie wurden für Projekte mit Musikern gestimmt und gespielt. Mit dem Kunstwerk „Großer und kleiner Gong“ entstand beispielsweise das Kunstvideo „Alusphäre“ in Zusammenarbeit mit der Koreanerin Jin-Ah Ahn, einer Komponistin für Neue Musik. Sie entwarf die Musik zu Bildsequenzen mit den bewegten Gongblättern. Die optische Spannung des Gong-Duos entsteht dadurch, dass sich die blattförmigen Scheiben aus jedem Winkel völlig anders darstellen. Frontal gesehen, erscheint das Objekt wie eine elliptische Frucht mit einem kleineren schillernden Kern. Im Profil verschwindet die Fläche fast ganz, sichtbar bleibt nur ein schmaler Strich.

Die Idee zur Arbeit mit Metallblechen kam Baisch, als sie noch Papierschnitte fertigte und diese bei jedem Luftzug umfielen. Also setzte sie die gleiche Technik mit Blechen um. Diese haben wie Papier eine eigene Spannung, aber weitere Vorzüge. Sie reflektierten, sind beweglich, wetterbeständig und sie klingen. Den Fokus setzt Baisch auf Spannung, Bewegung und Klang. In ihrem Garten zeigt sie einige Installationen. Mit zwei Gongschlägeln demonstriert die Künstlerin ihre obertonreichen Gongs. „Diesen Gong hier verkaufe ich nicht“, sagt Baisch. Aber ein Bruder von ihm warte gerade verpackt auf seinen Versand.

Baisch hat neben ihren Stahl- und Aluminiuminstallationen Skulpturen, Videos und Fotos produziert. Zuvor entwarf sie riesige abstrakte Polyesterkörper. „Das war damals Pionierarbeit“, sagt sie. Die Ideen kommen ihr „irgendwo und irgendwann“. Dann folge eine Spiel- und Versuchsphase, bis es an die handwerkliche Umsetzung geht. Ihre Arbeiten entwickelt Baisch immer aus dem Versuch. „Es ist ein schmaler Grat zwischen Kunst und Blechschrott. Darüber entscheiden in der Umsetzung Nuancen.“

„Der Wunsch, Kunst zu machen, ist bei mir schon immer da gewesen“, erzählt die gebürtige Hamburgerin. Die Aufnahme an der Kunstakademie in Karlsruhe habe damals strenge Auswahlkriterien angelegt. Als Baisch es geschafft hatte, war sie in ihrem Zeichenkurs dennoch unglücklich. Sie fühlte sich unbegabt. Als Freunde sie fragten, warum sie mit ihrem Formempfinden nicht längst bei den Bildhauern sei, wechselte sie den Bereich. „Zwei Wochen fragte der Professor noch am Ende des Tages nach, ob das denn nun das Richtige sei. Dann war es ihm völlig klar“, erzählt Baisch und lacht. Heute seien die Übergänge zwischen den Kunstbereichen deutlich fließender als damals.

Die größte Herausforderung des Künstlerlebens ist für Baisch das Metier selbst. Nämlich dann, wenn man eine Idee umsetzen möchte, aber es nicht funktioniert. Eine weitere Schwierigkeit sei es, von der Kunst auch leben zu können, ergänzt sie. Und das könnten die wenigsten. Wozu wir Kunst brauchen? „Die Frage stelle ich mir auch immer wieder. Bei dem Elend in der Welt denke ich manchmal, Kunst ist der totale Luxus. So ist es aber auch nicht.“

Zu den Künstlern, die für Baisch besonders bedeutend sind, zählen der britische Bildhauer Henry Moore (1898–1986) und der US-amerikanische Bildhauer George Warren Rickey (1907–2002), der für seine Metallobjekte bekannt ist. Eine von Moores kraftvollen Skulpturen steht vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt in Bonn.

Wenn Baisch jemandem ein Objekt als Botschaft schicken sollte, dann ginge aus ihrer Reihe „Bronzeweiblein“ die Figur mit dem Titel „Die Unbekümmerte, die mit dem Bauchnabel pfeift“ an Gregor Gysi, den früheren Parteichef der Linken – in Erwartung einer witzigen Antwort.

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