„Mein Kunst-Stück“ von Anja Fußbachs

„Serengeti darf nicht sterben“: Schlumpf mit Patina

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Der schmutzige Schlumpf ist eine Figur aus Anja Fußbachs Installation „Serengeti darf nicht sterben“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Demonstrant“ heißt die Figur, die Anja Fußbach in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Der langbeinige und schmutzige Schlumpf ist einer von vielen skurrilen Charakteren der Installation „Serengeti darf nicht sterben“. Er ist kein Haupt-Protagonist, aber beispielhaft dafür, wie Fußbach arbeitet.

Der Schlumpf in langer Ringelstrumpfhose gehört zu einer bunten Truppe von 140 skurrilen Figuren der Installation „Serengeti darf nicht sterben“ von 2014. Er ist etwas schmutzig, aber das soll so sein. Es ist eine Art Patina. Denn für ihre Trash-Art benutzt Fußbach Schrott und billige Massenprodukte. Ihre Charaktere schweißt, klebt und stickt die Bremerin zusammen. Dabei trifft der „Schokohase“ aus geschweißtem Stahl auf einen Gartenzwerg mit einem Kopf aus Brot. „Die Schlagader jeder Gruppe bilden besonders markante Hauptakteure.“

Schüchternheit kennt Fußbach bei der Arbeit nicht. „Die Charaktere sind überbordend, laut und schrill“, sagt sie. „Erst durch den Aufbau in der Gruppe werden sie leiser und bekommen so etwas wie Poesie“, sagt Fußbach. Die aus Plastik, Plüsch, Stahl und Textilien zusammengesetzten „Demonstranten“ arrangierte Fußbach für „Serengeti darf nicht sterben“ so, dass sie aus der einen Wand heraus durch den Ausstellungsraum zogen und in der gegenüberliegenden Wand wieder verschwanden.

Fußbach hat Spaß an der Andersartigkeit, dem „aus der Spur laufen und aus dem Alltag ausscheren“, wie sie sagt. Es geht ihr um Vielfalt und Diversität. Durch die Verfremdung bekannter Materialien will die Künstlerin Sichtweisen und Kontexte aufbrechen. „Das regt den Geist an, sich grundsätzlich mit Dingen zu beschäftigen“, sagt Fußbach.

In den Neunzigern zur Kunst gekommen

Auf die Kunst ist die 1965 in Soltau geborene Wahlbremerin Anfang der 90er Jahre gekommen. Sie bewegte sich in einem kreativen Umfeld aus Musik und autonomer Politik. Die Verfügbarkeit einer großen Halle verleitete Fußbach, es mit dem Schweißen zu versuchen. Und sie blieb dabei. Als Frau war das damals eine Seltenheit. Heute macht die Bremerin alles, wozu sie Lust hat. Mit Metall arbeitet Fußbach immer noch gern. „Es ist ein super Material.“

Für gewöhnlich erledigt Fußbach morgens Büroarbeit und Organisatorisches. Anschließend geht sie in ihr Atelier am Güterbahnhof. Kontinuierlich zu arbeiten, hält sie für unabdingbar. Im Sommer wirkt sie oft open end, im Winter wird abends zu Hause gestickt. Fußbach ist viel unterwegs und gibt Kurse. Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht sie darin, dass niemand einem sagt, was man zu tun hat. „Man muss aus einem Universum an Möglichkeiten etwas aussuchen, ohne zu wissen, was dabei herauskommt.“ Der Gewinn seien Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit.

Ob wir Kunst brauchen? - „Natürlich. Die Auseinandersetzung mit dem Nichtoffensichtlichen und mit sich selbst kann Müßiggang befördern. Der Alltag ist dafür oft viel zu getaktet. Kunst kann die Augen waschen.“

Künstlerpaar Kienholz als Vorbild

Zu den Künstlern, die für Fußbach besonders bedeutend sind, zählt das US-amerikanische Künstlerpaar Kienholz sowie der zeitgenössische US-amerikanische Aktivist und Konzeptkünstler Jimmie Durham. Nancy Kienholz, Jahrgang 1943, und Ehemann Edward (1927 bis 1994) beeindrucken Fußbach durch ihren virtuosen Umgang mit Material und ihre lustigen Objekte. Bei Durham ist es ähnlich. Bei seinen Ideen kämen allerdings aufgrund des kulturellen Hintergrunds komplett andere Installationen heraus.

Wenn Fußbach an jemandem ein Werk als Botschaft adressieren sollte, dann ginge eine Ameise aus der Installation „Ameisenstraße“ an Insektenforscher Bert Hölldobler. Die Ameisen bestehen aus verarbeiteten NVA-Granaten. Fußbach: „Es wäre eine künstlerische Ergänzung seiner Theorien über die Kriege zwischen Ameisenvölkern.“

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